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EBS-Präsident Jahns im Interview: "Ich schäme mich nicht"

Christopher Jahns, Leiter der European Business School, verteidigt im FR-Interview staatliche Subventionen für die private Elite-Uni und freut sich auf die "coole" Moritzstraße in Wiesbaden.

Christopher Jahns ist Präsident der European Business School.
Christopher Jahns ist Präsident der European Business School.
Foto: FR/Schick

Die EBS hat seit Jahresanfang ihren Hauptsitz in Wiesbaden. Warum treffen wir uns zum Interview trotzdem noch in Oestrich-Winkel?

Im wesentlichen arbeite ich als Rektor auch schon in Wiesbaden. Für manche Dinge, etwa den Zugriff auf Datenbanken, brauchen wir aber noch die Nähe zu Oestrich-Winkel. Die Strategie ist aber ganz klar: Die EBS hat ihren Schwerpunkt nach Wiesbaden verlegt. Da hat jüngst auch das stärkste Wachstum stattgefunden. Dort sind unsere stark wachsenden Institute, etwa für Logistik, für Family-Business oder die Volkswirte. In Oestrich-Winkel hätten wir dafür keinen Platz gehabt.

Zur Person

Christopher Jahns (39) ist der jüngste Hochschulpräsident Deutschlands. Seit 2006 leitet er die European Business School (EBS). In der vergangenen Woche ist er vom Rektor zum Präsidenten befördert worden. Sein Vorgänger Hans Tietmeyer ist nun Ehrenpräsident.

Jahns will die private Wirtschafts-Hochschule zur Universität machen. Voraussetzung dafür ist der Aufbau einer zweiten Fakultät. Nach den Plänen der EBS sollen am neuen Standort Wiesbaden ab September 2011in einer "Law School" 150 bis 200 Studenten zu Wirtschaftsjuristen ausgebildet werden.

Wiesbaden könnte sich dadurch das Prädikat "Universitätsstadt" anheften. Allerdings fordert die EBS für den Aufbau der "Law School" eine finanzielle Unterstützung von 25 Millionen Euro von Stadt und Land. Darum ist in der Landeshauptstadt ein politischer Streit ausgebrochen. Die örtliche GEW und FH-Direktor Reymann haben sich explizit gegen öffentliche Subventionen für die private Elite-Schmiede ausgesprochen. Aus der Politik erhalten sie bislang nur Unterstützung durch die Linke.

Die EBS hat derzeit rund 1200 Studenten. Die Gebühren für einen Bachelor-Studiengang liegen bei etwa 11.000 Euro pro Jahr, für ein Master-Studium sind 13.000 Euro fällig. Zum Lehrpersonal gehören fast 70 Professoren und Gastdozenten in fünf verschiedenen Abteilungen. Das Betreuungsverhältnis liegt bei 1:20.

Die Hochschule hat in diesem Jahr ein Budget von 30 Millionen Euro, das sich zu etwa einem Drittel aus den Studiengebühren finanziert. Zu den EBS-Absolventen zählen der frühere Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und Puma-Vorstandsvorsitzender Jochen Zeitz.

Gegründet wurde die EBS 1971 ursprünglich in Offenbach. Neun Jahre später zog sie ins Schloss Reichartshausen nach Oestrich-Winkel im Rheingau. Zunächst war die EBS als Fachhochschule staatlich anerkannt, seit 1989 dann als wissenschaftliche Hochschule. Seit 2005 hat die EBS einen zweiten Standort in Wiesbaden, wo mittlerweile auch der offizielle Sitz der Hochschule angesiedelt ist.

EBS-Gebäude in Oestrich-Winkel.
EBS-Gebäude in Oestrich-Winkel.
Foto: dpa

Den Umzug nach Wiesbaden hat die Stadt schon mit drei Millionen Euro unterstützt. Nun wollen Sie noch mal 25 Millionen. Warum?

Das sind zwei Paar Schuhe. Wiesbaden hat uns mit dem Umzug einen Zuschuss von 200 000 Euro im Jahr zugesichert, damit wir in Wiesbaden Wachstum erzeugen. Wir sorgen für zehn Millionen Euro zusätzliche Ausgaben in Wiesbaden, schaffen 150 Arbeitsplätze. Das ist vertraglich geregelt. Dafür sind 200 000 Euro aus meiner Sicht eher ein Signal. Wobei uns das Geld willkommen ist, wir schwimmen als gemeinnützige GmbH alles andere als im Geld.

Neues Domizil für die EBS: das Gerichtsgebäude in der Wiesbadener Moritzstraße.
Neues Domizil für die EBS: das Gerichtsgebäude in der Wiesbadener Moritzstraße.
Foto: dpa

Und die 25 Millionen?

Die haben mit der EBS, wie sie jetzt ist, nichts zu tun. Damit wollen wir den Aufbau einer zweiten Fakultät finanzieren, unserer Lawschool. Die Hauptkosten dafür fallen natürlich in den ersten Jahren an, weil wir den Aufbau finanzieren müssen. Den Löwenanteil von 125 Millionen Euro organisieren wir über private Spenden von Unternehmen und Stiftungen. Doch die Investoren wollen dazu auch ein Signal der öffentlichen Hand. Eine Anschubfinanzierung von unter 25 Prozent ist da vernünftig. Umgerechnet geht es dabei um drei Millionen Euro im Jahr. Und das ist keine dauerhafte Subventionierung, sondern eine Anschubfinanzierung.

Zahlen muss das der normale Steuerzahler. Herr Ackermann hat gesagt, er würde sich schämen, wenn die Deutsche Bank Geld vom Staat nehmen müsste.

Ich schäme mich dafür überhaupt nicht. Um in Deutschland eine Uni aufzubauen, die im internationalen Bereich mithalten kann, ist es notwendig, alle Kräfte zu bündeln - nicht auf Dauer, aber als Anschubfinanzierung. Das ist als Zeichen wichtig, dass die öffentliche Hand hinter uns steht. Zumal die EBS aus öffentlichen Mitteln sonst fast gar nichts erhält.

Welche Position vertritt die EBS in der Lehre zu staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft?

Da gibt es das ganze Spektrum. Wir haben Professoren, die sehr stark staatliche Systeme wie das französische bevorzugen. Aber es gibt natürlich auch solche, die eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik unterstützen. Ich tue als Rektor gut daran, mich da rauszuhalten.

Umstritten ist der Zuschuss vor allem, weil die EBS den Zugang zum Studium von über 10 000 Euro Gebühren im Jahr abhängig macht. Noch einmal: Warum soll der einfache Steuerzahler das unterstützen?

Wir haben eine Finanzierungsquote von 22 Prozent. So viele Studenten bezahlen ihr Studium bei uns durch Stipendien oder zinslose Kredite, die angesichts der Berufschancen, die wir vermitteln, kein Risiko darstellen. Wir schauen jeden einzeln an, ob seine Eltern die Gebühren bezahlen können. 80 Prozent derer, die nach unseren Auswahlkriterien für ein Studium bei uns in Frage kommen, sich das aber nicht leisten können, schaffen es dann aber durch die Hilfen, aufgenommen zu werden. Künftig wollen wir sogar 100 Prozent erreichen.

Wie sehen die Auswahlkriterien aus?

Es gibt allgemeine Voraussetzungen, man muss zum Beispiel ein Praktikum im Ausland gemacht haben und Fremdsprachen mitbringen. Dann folgt ein Logik- und Sprachentest. Wer da durchkommt, wird zu einem persönlichkeits-orientierten Auswahlverfahren eingeladen. 200 Leute aus der Praxis helfen uns, über Gespräche und Gruppenarbeiten die herauszufinden, die auch sozial verträglich sind und nicht nur ihr Ego durchsetzen wollen.

Sie sind derzeit in Schierstein im Rheingau Palais Söhnlein untergebracht, würde dort auch der juristische Zweig unterkommen?

Nein, da ist definitiv kein Platz.

Wo denn dann? Im Gespräch ist das alte Landgericht in der Moritzstraße.

Derzeit werden verschiedene Standorte diskutiert. Aber ich muss schon sagen, den Standort Moritzstraße fände ich echt cool. Es ist sehr nah am Bahnhof. Wir haben ein Drittel ausländische Studenten, von denen haben die wenigsten ein Auto. Und sie brauchen billige Zimmer, das ist in dem Stadtteil um die Moritzstraße möglich. Außerdem herrscht da Multikulti, das passt ganz gut zu uns. Und ich fände es sehr charmant, wenn Jurastudenten am Anfang des Studiums sich auf einen der Plätze im Versammlungssaal setzen und wir ihnen sagen könnten: Nach dem Studium darfst du wieder hier Platz nehmen.

Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) hat vor dem Schulausschuss angedeutet, dass die EBS eventuell an einen anderen Standort zieht, wenn die Stadt den Zuschuss nicht zahlt - etwa Koblenz. Ist das so?

Das möchte ich nicht kommentieren. Aber man muss hinter die Kulissen schauen: Ich würde mich nie beschweren, dass eine öffentliche Universität wie Frankfurt mittlerweile signifikante Beträge aus privaten Mitteln organisiert. Öffentlich ist nicht mehr gleich öffentlich und privat nicht mehr privat. Beide Systeme gehen aufeinander zu, so wird Wettbewerb erzeugt.

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Datum:  28 | 4 | 2009
Seiten:  1 2
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