Es war eine Ehrung unter Freunden. Dem "lieben Karl Heinz" heftete Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) am Mittwoch im Gästehaus der Landesregierung das Bundesverdienstkreuz erster Klasse an. Der geehrte Grauhaarige war Bouffiers Parteifreund, Weggefährte seit 40 Jahren und Kanzlei-Kompagnon in Gießen, Karl Heinz Gasser. "Ich tue es ganz persönlich, aber auch im Namen der Bundesrepublik Deutschland", sagte Bouffier.
Gasser, der in Friedberg lebt, hatte in den Jahren seit der Wende großen Anteil am Aufbau der Justiz im Nachbarland Thüringen. In Erfurt wurde der zurückhaltende CDU-Politiker in den Umbruchzeiten erster Staatssekretär im Justizministerium, das mit ihm, dem Minister und fünf Mitarbeitern angefangen habe, wie der damalige Justizminister Hans-Joachim Jentsch (CDU) berichtete. Später wurde Gasser Wirtschafts-Staatssekretär und schließlich Innenminister, bis er 2008 zurücktrat. Jetzt arbeitet er wieder in der Kanzlei, die er einst mit Bouffier gegründet hatte.
Enge Wegbegleiter von Bouffier und Gasser zählten zu den Gratulanten, etwa der aus Wiesbaden stammende Ex-Minister Jentsch. Unter dem guten Dutzend Teilnehmer der kleinen Zeremonie befand sich auch ein Mann, dessen Berufung von Thüringen nach Hessen Schlagzeilen gemacht hatte: Herrmann-Josef Klüber, der neue stellvertretende Polizeipräsident Hessens. Er verklagt das Land Thüringen und lässt sich vertreten durch den Anwalt Gasser. Die SPD warnte deswegen bereits vor einem "schwarzen Sumpf".
Der damalige Minister Gasser hatte Klüber 2005 zum thüringischen Polizeichef berufen, soll aber das vorgeschriebene Auswahlverfahren missachtet haben. Ein Konkurrent klagte erfolgreich. Klüber wurde nie offiziell berufen, obwohl er den Spitzenjob faktisch bis 2008 erledigte. Nach dem Rücktritt Gassers musste auch Klüber gehen. Nun will der Polizist nachträglich entsprechend eingestuft werden und lässt sich dabei von Gasser helfen.
Mit einem Seitenhieb ging der Geehrte auf die Kritik der Opposition an der personellen Verwicklung ein. "Was wir an Mandaten übernehmen, entscheiden wir und nicht die Opposition oder die PDS oder wie sie heißen", sagte Gasser. Die politischen Gegner, sie hatten den 58-jährigen Bouffier und den 66-jährigen Gasser schon vor Jahrzehnten zusammengeschweißt. Damals hatte der Ältere als wissenschaftlicher Mitarbeiter den Studenten Bouffier in Schutz genommen, der als Landesvorsitzender der Jungen Union von linken Kommilitonen angefeindet wurde. Dafür sei er noch heute dankbar, machte der hessische Minister deutlich.
Bouffier betonte jedoch, die Ehrung sei nicht nur aus seiner persönlichen Wertschätzung für den Freund entstanden. Auch andere Persönlichkeiten hätten das Verdienstkreuz für Gasser befürwortet, etwa Ex-Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) und Ex-Minister Jentsch.

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