Tassen sind rund. Manche zylindrisch, konisch oder bauchig. Doch auf jeden Fall nicht eckig. Mit dieser Konvention bricht Marcus Kullmann. Er ist der Erfinder der Book-Cups. Das sind Tassen im Buchformat.
Rechteckig ist die Grundform der weißen Keramiktassen. Das Buchtypische ist ein eingebrannter erhabener Blattschnitt an der Vorderseite, der von zwei Stegen, die den Buchdeckel nachbilden, eingerahmt wird. So bekommt die Tasse das Buchhaptische.
Der in Mainz lebende Kullmann hat eine Liebe zum Buch entwickelt. Nach dem Studium des Wirtschaftsingenieurswesens in Dresden, absolvierte der gebürtige Frankfurter eine Buchhändlerlehre in Hannover und arbeitete anschließend mehrere Jahre im Einzelhandel. Auch das Verlagswesen kennt er.
Patent angemeldet
Aus diesen Erfahrungen heraus entstand die Idee: "Im Buchhandel gibt es viele Werbegeschenke. Doch das hunderste Mauspad oder die hundertste Tasse nur mit Firmenaufdruck wollte ich nicht machen," sagt Kullmann. "Allerdings kann jeder eine Tasse gebrauchen. Da wäre es doch nett, wenn es eine in Buchform gäbe." So entstand die Idee aus der Praxis und der kreativen Laune heraus. Auf seine Erfindung hat er ein Patent angemeldet.
Zuerst fertigte er Skizzen an, baute dann Formen aus Pappe. Doch das schwierigste war es, eine Werkstatt zu finden, die eckige Tassen herstellen kann. Nach langer Suche fand er einen Keramikhersteller in München. Die Aufdrucke macht eine Druckerei in Hamburg. "Von der Idee bis zur Fertigung verging ein dreiviertel Jahr."
Die ersten Exemplare waren Mainzer Buchtassen. Bietet sich in der Gutenbergstadt auch an. Auf der einen Seite prangt das Stadtwappen mit dem Aufdruck "Mainzer Buchtasse", auf der anderen ein Gutenberg-Aufkleber. Zu erwerben sind sie übers Internet. Manchmal stellt Kullmann auch auf regionalen Märkten aus. Auf individuelle Wünsche bei der Gestaltung geht er ein, bietet so Firmen- oder Privatgeschenke nach Wunsch an.
Seit kurzem hat Kullmann eine neue Edition. Die entstand in Zusammenarbeit mit dem Cartoonisten Frank Hoffmann aus Ober-Olm bei Mainz. Die Cartoons des pensionierten Lehrers erschienen schon auf der Wirtschaftsseite der FAZ und im Börsenblatt des deutschen Buchhandels. Für die Buchtassen hat er vier Cartoons gezeichnet. Ein Bücherwurm mit einem Schild, dass die Aufschrift "I love books" trägt, sitzt auf einem Regal. Auf einer anderen Tasse ist ein Mann zu sehen, der einen Regalboden voller Bücher in der Hand hält, hinter dem eine Weinflasche versteckt war.
Marcus Kullmann hat die Erfahrung gemacht, dass die Leute auf zweierlei Weise auf seine Erfindung reagieren. "Die einen denken praktisch und überlegen, wie man aus der Tasse trinken kann. Die anderen haben Sinn fürs Design und lieben ausgefallene Dinge."
Bei ihm zu Hause steht eine Buchtasse auf dem Schreibtisch mit Stiften, Schere und Lineal. Auch im Badezimmer setzt er sie für Zahnbürste und Rasierutensilien ein. In seinem Geschirrschrank sucht man sie vergeblich. "Das Trinken aus ihnen ist doch zu umständlich."

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