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Steuer-Fall Wolski: Erinnerung an Mafia-Film

Wolskis Psychiater sagt im Prozess als Zeuge aus. Überarbeitet und pflichtbewusst sei Wolski. Aber die unterzeichnete Steuererklärung habe der Angeklagte "in der Schublade verschimmeln lassen." Von Pitt von Bebenburg

Rechtsanwalt Michael Wolski ist wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagt.
Rechtsanwalt Michael Wolski ist wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagt.
Foto: ddp

Die hessische Verfassungsrichterin Karin Wolski, die jahrelang keine Steuererklärung abgegeben haben soll, hat ihre Steuererklärung angeblich ausgefüllt bekommen und unterschrieben. Ihr Mann, der Anwalt Michael Wolski, habe die unterzeichnete Erklärung aber "in der Schublade verschimmeln lassen".

Das berichtete Michael Wolskis Psychiater M. am Dienstag unter Berufung auf ein Gespräch mit Michael Wolski vor dem Landgericht Darmstadt. Dort wird gegen Michael Wolski verhandelt, dem die Staatsanwaltschaft Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vorwirft. Gegen Karin Wolski wird nicht ermittelt. Nach Erkenntnissen aus dem Prozess sollen die Eheleute Wolski ihre Einkommensteuererklärungen für die Jahre 1998 bis 2003 erst mit jahrelanger Verspätung eingereicht haben. M. berichtete nun: "Sie hat artig ihre Unterschrift drunter gesetzt und er hat´s nicht eingeworfen."

Während Michael Wolski sich zu diesen Angaben nicht äußerte, bestätigte er eine andere Information seines Arztes. Danach hat der Anwalt seinen schwarzen Ferrari Maranello im vorigen November an einen Händler verkauft, also kurz nach Beginn des Verfahrens gegen ihn.

Der Ferrari zählt zu den großen Zuwendungen, die Michael Wolski von der Immobilien-Unternehmerin Margit C. finanziert bekommen und nicht versteuert haben soll. Aus einem Fahrzeugschein, der vor Gericht gezeigt worden war, ging hervor, dass das Auto auf Karin Wolski eingetragen war. Psychiater M. berichtete aus Gesprächen mit Michael Wolski, dieser habe das Auto als "Dienstwagen" genutzt.

Anwalt Wolski hatte für mehrere Immobilien-Unternehmen des Frankfurter Ehepaars C. und ihrer Geschäftspartner gearbeitet. Psychiater M., der aus Gesprächen mit Michael Wolski berichtete, verglich deren Arbeit mit der Mafia. Es habe funktioniert wie im Film "Der Pate". Gegolten habe die "Omertá", das Schweigegebot der Mafia. Michael Wolski sei in diesem Kreis eingeweiht gewesen und habe als "der Verbindungsmann, der Verbindungsoffizier zur Außenwelt" gedient.

Nach Diagnose-Gesprächen mit Michael Wolski im Jahr 2006 hatte Psychiater M. nach eigenen Angaben Notizen angefertigt, die er vor Gericht verlas. Erstaunlich detailliert ging er auf einen Vertrag ein, der von 2001 stammen soll. Unternehmerin C. soll Michael Wolski darin ein Millionen-Darlehen gegeben haben.

Gegen den Protest des Zeugen ließ das Gericht die Notizen beschlagnahmen. Man tue dies, weil es "Abweichungen" zu anderen Versionen gebe, begründete der Vorsitzende Richter Rainer Buss seinen Schritt. Zeuge M. beschwerte sich lautstark.

Autor:  Pitt von Bebenburg
Datum:  9 | 2 | 2010
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