Frankfurt - Lorenzo Bini Smaghi, Mitglied des EZB-Direktoriums, und sein Team präsentierten am Dienstag mit Wolf Prix vom Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au den endgültigen Vorentwurf für das neue EZB-Quartier. Die Bauarbeiten an dem 500 Millionen Euro teuren Ensemble auf dem früheren Großmarkt-Gelände im Frankfurter Ostend sollen im Frühjahr 2008 beginnen. Der Einzug von rund 1300 Mitarbeitern der Zentralbank und wechselnden Beratern aus europäischen Notenbanken ist für 2012 geplant - noch ein Jahr später als bisher angekündigt.
Der EZB-Rat hat nach FR-Informationen das "Ergebnis der Vorplanungsphase" bereits zustimmend zur Kenntnis genommen. Bini Smaghi sprach von einer "Optimierung der architektonischen Qualitäten", um das Budget einzuhalten. Das Dach des Doppelhochhauses ist abgeschrägt worden, um den Einfall von natürlichem Licht zu verbessern und so den Energieverbrauch zu senken.
Architekt Wolf Prix bekannte sich zu einem ehrgeizigen Ziel: Die Nutzung der Energie soll um 30 Prozent effektiver sein, als es die deutschen Bauvorschriften fordern. So will die EZB künftig die Abwärme ihres Computerzentrums für die Heizung der neuen Gebäude nutzen. In die Glasfassade der beiden Hochhäuser werden Metallbänder eingebaut, die geöffnet werden können und so für eine natürliche Durchlüftung sorgen. An der Spitze des Komplexes befindet sich der große Saal mit dem runden Konferenztisch, von dem die Euro-Banker die Skyline im Blick haben. Zwischen die beiden Hochhausscheiben wird ein Atrium mit Verbindungs-und Umsteigeebenen, Treppen und Rampen eingefügt - die "vertikale Stadt". Als "architektonische Stimmungsträger" stellte der Architekt eine Simulation von "hängenden Gärten" vor.
In das Innere der Großmarkthalle werden eigenständige Baukörper gesetzt: ein Konferenz- und Besucherzentrum sowie ein Restaurant. "Es soll möglich sein, die ganze Halle von innen zu erfassen", so Prix. Er bescheinigte sich eine "progressive Methode", mit dem Denkmalschutz umzugehen.
Das umstrittene Quergebäude soll auf Drängen der Denkmalschützer nun um fünf bis sechs Meter kürzer und auch niedriger werden. Es durchstößt das Dach der Halle und liegt wie ein Metall-Bügel auf. Der Bügel, in dem das Pressezentrum untergebracht wird, markiert den Haupteingang zur Sonnemannstraße und stellt die Verbindung zu den Hochhäusern her.
Smaghi verteidigte den Abbruch der denkmalgeschützten Annexbauten: "Es wäre sonst sehr schwierig, unsere Sicherheitsmaßnahmen zu verwirklichen". Statt hoher Mauern könnten 3,50 Meter tiefe Gräben gegen Autobomben entstehen. Smaghi: "Wir wollen nicht den Eindruck einer Festung erzeugen." Das Gebäude-Ensemble werde einen Entwicklungsschub im Osten der Stadt auslösen. C.-J. Göpfert / C. Michels

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