Die Befürchtungen der Bürgerliste Wiesbaden (BLW) haben sich bestätigt: Der Siegerentwurf für den Neubau der European Business School (EBS) am alten Landgericht wird ein kantiger Klotz mit raumhohen Verglasungen samt vorgelagerten Großlamellen. Schon die fünf vom Hessischen Immobilienmanagement aufgeforderten Architekten hatte BLW-Fraktionschef Michael von Poser als eine Vorfestlegung angesehen und die Wettbewerbs-Jury als Sachverständiger verlassen.
Am Montag hat das elfköpfige Preisgericht mit dem Berliner Architekten Volker Staab an der Spitze einstimmig den Entwurf des Architektenbüros Eller und Eller (Düsseldorf/Berlin) zum Sieger gewählt. Insgesamt hatten sich 147 Architekten an dem offenen Bewerbungsverfahren beteiligt, sagte Wettbewerbskoordinator Benjamin Hossbach bei der Vorstellung des Gewinnerentwurfs am Dienstag im alten Landgericht. In die engere Wahl seien zuletzt sieben Vorschläge gekommen. Auslober des Wettbewerbs ist das Land Hessen, da diesem Gebäude und Grundstück gehören. Bauherr ist die private Hochschule EBS, die mit dem Aufbau einer juristischen Fakultät den Status Universität erhält.
Das Architektenbüro Eller und Eller habe das u-förmige, denkmalgeschützte Landgericht in der Gerichtsstraße mit einem ebenfalls u-förmigen Neubau in der Albrechtstraße zu einem Block geschlossen, lobte Staab. Der daraus resultierende Innenhof sei vom großzügigen, gläsernen Eingang schon von der Straße aus einsehbar. Das alte Beamtenhaus aus rotem Backstein in der Oranienstraße wird abgerissen. "Die Entwürfe haben gezeigt, dass dieser Anbau schwer zu integrieren war", sagte Staab. Die Denkmalpflege habe keine Einwände.
EBS-Präsident und Bauherr Christopher Jahns nannte die künftige Universität "einladend, offen und freundlich". Es sei keine "Burg, in der wir uns verschanzen".
In den Neubau werden Hörsäle, Bibliotheken, Mensa und der von den Bürgern gewünschte Bürgersaal untergebracht. Eine dreistöckige Tiefgarage mit 440 Plätzen soll darunter liegen. Bodengutachten seien bereits eingeholt, versicherte Ministerialrat Harald Clausen vom Hessischen Bau-Management. Die Uni-Verwaltung wiederum zieht in den sanierten Altbau. Den Standort in Oestrich -Winkel gibt die EBS nicht auf. Hier verbleibt der Business-Bereich. Im September 2013 soll alles fertig sein und der Jura-Betrieb mit bis zu 800 Studenten losgehen, so EBS-Präsident Jahns.
Und wer bezahlt das alles? "Die Gesamtkosten sind noch nicht kalkuliert", so Jahns. Sie lägen "über 50, aber deutlich unter 100 Millionen Euro". Einen Investor gebe es daher auch noch nicht. Fest steht nur, dass das Land bis zu zwölf Millionen Euro für die Sanierung des Altbaus zahlt. Zudem kommt es für den Abbruch des Beamtenhauses auf und für den Bau der Tiefgarage. Den "Anschub" für die "Law School" lässt sich das Land 25 Millionen Euro für die ersten acht Jahre kosten. Die Stadt schießt ihrerseits zehn Millionen Euro für die "Gestaltung des Innenstadt-Quartiers" zu. Wohin genau die Millionen fließen, konnte Stadtentwicklungsdezernent Joachim Pös (FDP) nicht sagen.
Die Law-School soll dennoch bereits im September 2011 mit 200 Studenten starten, sagte Jahns. Dafür will die EBS das leer stehende Köllmann-Haus an der Mainzer Straße als Zwischenlösung mieten. Laut Pös hat die Stadt das Gebäude aber noch nicht kaufen können.

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