So ganz langsam sickert im Frankfurter Rathaus die Erkenntnis ein, dass die Hängepartie beim neuen Quartier der Europäischen Zentralbank (EZB) Folgen haben könnte. So plant die Stadt etwa eine neue Straßenbrücke über den Main zwischen Ostend und Deutschherrnufer - vierspurig, 22 Millionen Euro. Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Grüne) ringt sich am Nachmittag die Erkenntnis ab: "Wenn die EZB tatsächlich nicht baut auf dem Gelände der Großmarkthalle, dann müssen wir über die Dimension der Brücke neu nachdenken."
Offiziell dient der Brückenbau nicht allein dem geplanten EZB-Viertel. "Die Brücke ist auch wichtig für die gesamte Entwicklung des Ostends entlang der Hanauer Landstraße", versichert Sikorski. Er meint all die neuen Bürohäuser, Autohändler, Dienstleister, die sich auf den Grundstücken entlang der Hanauer ankündigen. "Wir können für die dynamische Entwicklung im Frankfurter Osten nicht die Hanauer Landstraße als einzige Ein- und Ausfallstraße haben", sagt der Stadtrat. Aber natürlich ist auch richtig, dass 2500 EZB-Mitarbeiter über die Brücke und den Kaiserlei-Kreisel an der Schnittstelle zwischen Frankfurt und Offenbach rasch die Autobahnen und den Flughafen erreichen würden.
"Gipfel der Unfähigkeit"
Erst einmal, das lässt auch OB Petra Roth (CDU) mitteilen, bleibt es dabei: Ende des Jahres kommt die Bau- und Finanzierungsvorlage für die Brücke, 2009 wird mit dem Bau begonnen, Ende 2011 soll die Brücke fertig sein. Neben den vier Fahrspuren für Autos liegen dann auch Fuß- und Radwege. "Es gibt keine Signale, dass der EZB-Neubau fällt und deshalb gibt es auch keine Überlegung, die Brücke nicht zu bauen", so Roths Büroleiter Peter Heine. Die kritische Verkehrsinitiative "Frankfurt 22" um den Filmregisseur Klaus Gietinger hatte schon 2003 in einem FR-Gastbeitrag "Brückenschlag mit der Brechstange" die Brücke als überflüssig kritisiert: Als "Gipfelpunkt total unfähiger Verkehrspolitik" werde sie nur neue Verkehrsströme anziehen. "Warum braucht eine Stadt wie Frankfurt fünf Autobrücken, während größere Städte wie Köln mit drei auskommen?", hatte Gietinger gefragt.
Derzeit läuft eine Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren gegen die neue Brücke - Auslöser sind die Eingriffe ins Grün am südlichen Brückenkopf. Der Straßenausbau rund um das künftige EZB-Gelände ist schon im Gange. Seit März ist die Sonnemannstraße halbseitig gesperrt: Zusammen mit der Rückert- und der Oskar-von-Miller-Straße, ebenfalls am EZB-Areal, wird sie umgestaltet. 74 neue Bäume sollen entlang der Straßen gepflanzt werden, 49 werden für den Ausbau gefällt. Auf der Mole des Osthafens soll ein Verkehrskreisel angelegt werden - von hier aus biegt man künftig entweder in den Hafen oder eben auf die neue Brücke ab.

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