Am Ende nimmt die Oberbürgermeisterin lächelnd die braune Ledermappe mit dem aufgedruckten Frankfurter Adler in die Hand. Darin findet sich, selbstverständlich in geschlossenem Briefumschlag, das Dokument des Tages: Die abschließende Baugenehmigung der Stadt für das neue Quartier der Europäischen Zentralbank (EZB) im Frankfurter Ostend. Unzählige Kameras halten im Limpurgsaal des Frankfurter Rathauses den historischen Moment fest, als die OB die Mappe EZB-Präsident Jean-Claude Trichet aushändigt.
Roth wäre nicht Roth, fände sie nicht auch an diesem Tag blumige Worte: "Die EZB ist die historische Fortsetzung von 1200 Jahren Stadtgeschichte". Schließlich hingen schon im Kaisersaal des Rathauses die "Porträts von 52 Repräsentanten des Heiligen Römischen Reiches, von denen mancher nicht in der Lage war, die deutsche Sprache zu pflegen".
Nach diesem Tort beginnt Präsident Trichet prompt seine Rede in schönstem Deutsch. Und sichert zu, dass die neuen EZB-Gebäude in puncto Energieverbrauch noch effizienter sein werden, als es die deutschen Standards einfordern. Und das Ostend werde am Ende der Bauarbeiten auf dem Großmarkt-Gelände über "deutlich mehr Grünflächen" verfügen als heute. Die OB sorgt für kurze Verwirrung, als sie noch einmal auf Trichet antwortet. Und an das "harte Ringen" zwischen Frankreich und Deutschland um den EZB-Standort erinnert. Dann perlt aber doch der Sekt in allen Gläsern. jg

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