Lorenzo Bini Smaghi wählt seinen Platz auf dem geräumig wirkenden Sofa im 36. Stock seines Büros und wirkt ausgesprochen gelassen. Im Frühjahr des Jahres 2014, sagt der Mann, der seit 2005 im Direktorium des Europäischen Zentralbank sitzt, im Interview mit der FR, im zweiten Quartal dieses noch so fern wirkenden Jahres werde seine Institution umziehen.
In den Neubau der Währungshüter, der nach den Planen der Wiener Architekten aus dem Büro Coop Himmelb(l)au realisiert werden soll. Ein für die nach Frankfurt einfliegenden Flugzeuge weithin sichtbares Gebäude, das künftig als Doppelturm 185 Meter in die Höhe schießt. Das alles so kommen wird, daran zweifelt der 52-Jährige inzwischen keinen Augenblick mehr: Die zweite Ausschreibung zur Errichtung des Neubaus startet am kommenden Montag.
Damit gehe die Zentralbank einen neuen Weg, betont der Italiener, der im Direktorium für den künftigen Hauptsitz der Währungshüter verantwortlich ist. Orientiert an anderen Großprojekten wie etwa dem Umbau der Deutschen Bank wolle man Ausschreibungspakete schnüren.
15 insgesamt, der ersten acht laufen zu Beginn der Woche bereits an: Dann können sich Baufirmen für den Rohbau, Erschließungsarbeiten, Aufzüge, Fassadenarbeiten, Bedachungen sowie die technische Ausrüstung des Neubaus wie der in den Gesamtkomplex integrierten Großmarkthalle bewerben. Entsprechende Unterlagen finden die Unternehmen im Internet.
Dort ist auch das gesamte Projekt, für das die Zentralbank nicht mehr als 500 Millionen Euro ausgeben will, im Detail beschrieben. In der früheren Großmarkthalle, die der Frankfurt Martin Elsaesser Mitte der 20er Jahre entworfen hatte, wollen die Geldmanager im wesentlichen ihre Konferenzräume unterbringen. In den alten Baukörper beabsichtigen die Architekten von Coop Himmelb(l)au gleichsam die Schalen neuer Räume zu setzen.
Neben der früheren Großmarkthalle gehört zu dem gesamten Komplex am Ufer des Mains auch das Eingangsbauwerk, das vom Ostend aus einen Zugang zum eigentlichen Neubau bietet: einem Doppelturm für Büros, in dem die Zentralbanker hinter einer energieeffizienten Drei-Schichten-Fassade etwa 2300 Arbeitsplätze unterbringen wollen.
Das alles stimmt Bini Smaghi optimistisch. Danach sah es im Juli vergangenen Jahres nicht aus: Die Banker hatten das erste Ausschreibungsverfahren beendet, weil sich kein Generalunternehmer für den spektakulären Bau im Ostend gefunden hatte. Bewerber allerdings hatten für das Bauvorhaben einen Preis kalkuliert, der weit über dem Budget der Zentralbank lag.
In Gerüchten ist hartnäckig von einem Betrag über eine Milliarde Euro die Rede. Direktoriumsmitglied Bini Smaghi nennt in diesem Zusammenhang keine Zahl, weist aber darauf hin, dass die Kalkulation des Generalunternehmers und die Vorstellung der Zentralbank weit auseinander gelegen hätten.
Inzwischen allerdings steckt auch die Bauindustrie in der Krise, die Preise für Rohstoffe sind im Keller. Und so verbreiten die Zentralbanker Zuversicht, dass ihre zweite Ausschreibung klappen könnte. Auf jeden Fall habe sich das Geldinstitut definitiv dazu entschieden, selbst einen Neubau zu errichten, hebt Bini Smaghi hervor.
Weiterhin Büroräume wie jetzt in der früheren Bank für Gemeinwirtschaft und in der ehemaligen Commerzbank zu mieten, komme nach internen Untersuchungen nicht in Frage. Zumal im Ostend ja nicht irgendein neues Bürogebäude entstehen soll - es soll ein Jahrhundert-Bauwerk sein.
Eurotower, Skytower und Großmarkthalle
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