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EZB-Manager Lorenzo Bini Smaghi: "Für Jahrhunderte bauen wir"

Lorenzo Bini Smaghi spricht im FR-Interview über die ehrgeizigen Baupläne der Europäischen Zentralbank und dem schwierigen Umgang mit dem Elsaesser-Erbe.

Der Chefplaner für die neue EZB Lorenzo Bini Smaghi.
Der Chefplaner für die neue EZB Lorenzo Bini Smaghi.
Foto: FR/Kraus

Herr Bini Smaghi, Sie wollen den neuen Standort der Europäischen Zentralbank am Ufer des Mains im Ostend 2014 beziehen?

Wir wollen im zweiten Quartal 2014 umziehen. Die Europäische Zentralbank hat ihren Zeitplan für den Bau des neuen Gebäudes großzügig gefasst. Wir wollen die Bauunternehmen nicht mit Terminen unter Druck setzen.

Wann sollen die Arbeiten an dem Neubau an der Großmarkthalle beginnen?

Wir wollen mit dem Bau in einem Jahr anfangen, wenn alles glatt geht. Im Grunde haben wir ja bereits mit den Vorarbeiten angefangen, die Gründungspfeiler sind fertig.

Beim ersten Versuch, einen Bauunternehmer für den Neubau zu finden, ist die EZB gescheitert. Warum eigentlich?

Wir haben im vorigen Jahr nach einem Generalunternehmer gesucht, der das Gebäude nach den Plänen der Wiener Architekten Coop Himmelb(l)au errichten und die Innenräume der alten Großmarkthalle nach diesen Vorstellungen gestalten sollte. Doch wir hatten für diese Ausschreibung ein denkbar schlechtes Timing. Zunächst wuchs die Weltwirtschaft noch. Gerade im Mittleren Osten deutete noch nichts auf eine Krise hin. Dort waren die Generalunternehmer vor allem tätig. Der deutsche Markt brach gleichzeitig zusammen, mehrere Generalunternehmer verschwanden. Und so haben wir nur ein einziges Angebot bekommen. Das allerdings hatten wir uns anders vorgestellt. Deswegen haben wir im Mai vorigen Jahres die Ausschreibung beendet.

Es heißt, dass dieses Angebot weit über der von Ihnen avisierten Bausumme von 500 Millionen Euro gelegen habe. Wie hoch ist es gewesen?

Das Angebot lag deutlich über unseren Erwartungen, eine genaue Zahl können wir aber nicht publik machen.

Warum glauben Sie könnte das neue Ausschreibungsverfahren, das Sie am Montag starten wollen, jetzt erfolgreicher sein?

Fortan setzen wir auf eine andere Strategie und machen das so, wie es andere auch machen. Nehmen Sie den Berliner Flughafen oder die Deutsche Bank beim Umbau ihrer Doppeltürme als Beispiel: Wir teilen unsere Ausschreibung in Pakete auf. In unserem Fall in zwölf Pakete, etwa in Rohbau, Fahrstühle, Dach und Fassade. Diese Pakete sind wiederum in Lose unterteilt, damit sich auch mittelständische und spezialisierte Firmen bewerben können, damit bekommen wir mehr Wettbewerb. Wir haben den Markt sorgfältig untersucht, um unsere Vorstellung eines angemessenen Preises zu überprüfen. Mit mehreren Ausschreibungen werden wir wohl auch mehr Verhandlungsspielraum mit den Anbietern haben.

Gehen Sie denn davon aus, dass die Baupreise im Zuge der Wirtschaftskrise schon gefallen sind?

Konkret wissen wir das nicht. Im Mai 2008, als wir die erste Ausschreibung abbrachen, standen die Stahlpreise auf Rekordhöhe. Seither sind sie dramatisch gefallen. Wie im Übrigen andere Rohstoffpreise auch.

Wenn Sie jetzt die zweite Ausschreibung für den Neubau starten, wie stellen Sie sich den weiteren zeitlichen Ablauf für das Projekt vor?

Die EZB hat die Aufforderung für den Teilnahmewettbewerb an der Rohbauausschreibung bereits in der vorigen Woche veröffentlicht. Bis Ende des Jahres dürften wir das Ergebnis der meisten Ausschreibungen kennen.

Weil es keinen Generalunternehmer geben soll, suchen Sie einen Construction Manager. Sind Sie schon fündig geworden?

Wir werden ein Unternehmen haben, das das Neubauprojekt steuert. Die Bewerbungsphase für diese Ausschreibung ist gerade beendet. Es gibt viele erfahrene Unternehmen, die sich für diese Leistungen interessieren.

Wenn sich Anbieter für spätere Arbeiten, etwa an der Fassade, bewerben, wie sollen die heute ihre Leistungen kalkulieren?

Mit denen können wir vereinbaren, die angebotenen Preise zu indexieren. Die Anbieter können sich auch absichern, indem wir den Kauf der nötigen Rohstoffe vorab finanzieren. Unsere Situation als Notenbank ist etwas entspannter als die von Investoren, die sich ihr Geld leihen müssen. Wir können bei Bedarf helfen, die Risiken zu minimieren.

Haben Sie bislang Änderungen an dem Entwurf von Coop Himmelb(l)au gemacht?

Nein, wenn man in diesem fortgeschrittenen Stadium der Planungen etwas Substantielles ändert, dann muss man alles überarbeiten. Die Bauunternehmen können noch Vorschläge machen, wie sich vielleicht Kosten sparen ließen.

Dieses Gebäude dürfte künftig das Bild von Frankfurt weit über die Grenzen der Stadt hinaus bestimmen. Ist es ein bewusstes Zeichen in dieser Zeit?

Dieses Gebäude soll nicht für ein paar Jahre entstehen, wir bauen es für Jahrhunderte. Der Neubau wird ein weit wirkendes Signal sein.

Nach Abbruch der ersten Ausschreibung hieß es, nun suchten Sie nach alternativen Standorten. Suchen Sie noch weiter?

Wir werden dieses Gebäude errichten, weil es wirtschaftlicher ist, als weiterhin Büroflächen zu mieten, und weil es besser ist, als ein Gebäude zu kaufen. Bevor wir dem Rat der EZB vorgeschlagen haben, ein weiteres Ausschreibungsverfahren zu starten, haben wir entsprechende Varianten genau untersucht.

Ist der Konflikt mit der Familie von Martin Elsaesser, des Architekten des Großmarkthalle, mittlerweile beendet?

Wir haben eine Einigung mit den Elsaessers erzielt. Wir unterstützen die Gründung einer Elsaesser-Stiftung und werden in der Eingangshalle des Neubaus an das Werk des Architekten erinnern.

Interview: Matthias Arning

Datum:  13 | 2 | 2009
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