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EZB: Schock in der Chefetage

Die Europäische Zentralbank kann an der Großmarkthalle nicht weiterbauen: Sie hat keinen Generalunternehmer für ihr geplantes neues Quartier im Ostend gefunden.

Vorerst nur Simulation: Der EZB-Turm neben der Großmarkthalle.
Vorerst nur Simulation: Der EZB-Turm neben der Großmarkthalle.
Foto: ddp

Kurzfristig werden die Journalisten am Mittwochnachmittag in den Euro-Tower am Willy-Brandt-Platz gebeten. In einem "Hintergrundgespräch" verkündet die Europäische Zentralbank (EZB) die negative Überraschung: Sie hat keinen Generalunternehmer für ihr geplantes neues Quartier im Ostend gefunden.

Die internationale Ausschreibung für große Baukonzerne und Konsortien, die im August 2007 eröffnet worden war, wird also nach knapp einem Jahr ergebnislos abgebrochen. Das einzige Gebot, das eingegangen war, hatte das Budget der EZB in Höhe von 500 Millionen Euro für den Rohbau "deutlich überschritten".

Großmarkthalle

Mehr zu den Bauentwürfen, der Geschichte der Großmarkthalle und Filme aus der Bauzeit.

Die Bank beendete das Ausschreibungsverfahren mit der Begründung, sie sei "zur verantwortlichen Nutzung von Ressourcen" verpflichtet. Die 500 Millionen Euro waren auf der Basis der Baupreise des Jahres 2005 kalkuliert - das heißt: Die Summe war in der Ausschreibung schon erhöht worden. Um wie viel, blieb offen.

Weil der Generalunternehmer fehlt, werden die Arbeiten für das neue EZB-Quartier auf dem Gelände der Großmarkthalle bald abgebrochen werden müssen. Die EZB gab sich geschockt. Der Baumarkt habe sich innerhalb der vergangenen sechs Monate dramatisch verändert: Materialien seien viel teurer geworden. Auch bei anderen Großprojekten in Deutschland habe sich kein Generalunternehmer gefunden.

Als Option gilt nun plötzlich, im Euro-Tower am Willy-Brandt-Platz zu bleiben. Der Mietvertrag dort ist von der EZB bereits in aller Stille verlängert worden. Die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Gebäude waren erst kürzlich aufwendig verstärkt worden - gegen befürchtete Anschläge.

Offiziell kündigt die EZB eine "gründliche Analyse in den nächsten Wochen" an. Der Umzug in den Frankfurter Osten, der Ende 2011 geplant war, verzögere sich um mindestens ein Jahr. Der begonnene Abbruch der denkmalgeschützten Annexbauten der Großmarkthalle wird freilich noch vollendet.

Im Eurotower

Die FR zeigt Bilder aus dem Eurotower, dem Sitzungssaal der Währungshüter, Animationen der jetzt vielleicht hinfälligen Bauentwürfe und von der Großmarkthalle.

Hinweis: Zum Betrachten des Videos benötigen Sie den Flash-Player, den Sie hier kostenlos herunterladen können.

Autor:  CLAUS-JÜRGEN GÖPFERT
Datum:  26 | 6 | 2008
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