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EZB: Seite an Seite

Nach dem Baustopp der Europäischen Zentralbank: Die Stadtoberen üben sich in Solidarität, Bauexperten in Kritik.

Ein Stück der Hochhausfassade vor der alten Markthalle.
Ein Stück der Hochhausfassade vor der alten Markthalle.
Foto: Kraus

Am Tag danach geht eine Ahnung durch die Amtsstuben des Frankfurter Rathauses. "Es ist ja kein Geheimnis, dass es für die Kommunalpolitik äußerst schwierig ist, auf solche Projekte Einfluss zu nehmen", sagt Olaf Cunitz, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Römer. Und er meint damit die neue Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB), die im Frankfurter Osten entstehen soll.

Am Mittwochnachmittag hatte die EZB überraschend erklärt, dass sie für ihr Projekt leider kein Bauunternehmen gefunden hatte - nach knapp einem Jahr Suche. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) erfuhr davon "einige Stunden zuvor", so ihr Büroleiter Peter Heine. Die OB erklärt dennoch tapfer ihre Solidarität: "Wir gehen davon aus, dass die EZB ihr Vorhaben realisiert."

Mehr noch: Heine gibt gleichsam pauschal ein Versprechen ab: "Wir werden als Stadt der EZB helfen - wir werden an der Seite der EZB stehen." Das könnte bald nötig werden. Denn wenn die europäischen Währungshüter jetzt ihren Neubau umplanen - um die Kosten wieder in die Nähe der geforderten 500 Millionen Euro für den Rohbau zu drücken - dann müsste vielleicht auch der städtebauliche Vertrag geändert werden, den die Kommune einst mit der EZB schloss.

Schließlich hatten die Stadtverordneten vor einiger Zeit einen ganz bestimmten architektonischen Entwurf des Wiener Büros Coop Himmelb(l)au gebilligt - aber was wird von dem jetzt übrigbleiben? "Wir müssen abwarten, inwieweit die Pläne jetzt verändert werden", sagt der Grüne Cunitz. Aber auch er versichert für seine Partei: "Man will die EZB hier haben."

In der Bau-und Immobilienbranche herrscht Kopfschütteln über die EZB. "Es ist einfach Unfug, dass die Baupreise erst in letzter Zeit angestiegen sind", sagt Martin Wentz, der frühere langjährige Planungsdezernent. Der heutige Projektentwickler kann sich noch ziemlich genau erinnern, wann der Boom auf dem Bausektor seinen Anfang nahm: "Es war im Spätherbst 2006, Oktober/November". Die Europäische Zentralbank könne also unmöglich davon überrascht worden sein, dass die Baupreise klettern und die Baumaterialien knapp werden.

Wentz vermutet andere Gründe dafür, dass sich kein Generalunternehmer fand. Die EZB habe eine sehr detaillierte Ausschreibung vorgenommen - die habe den Baufirmen nur wenig Bewegungsspielraum gelassen und deshalb abschreckend gewirkt. In der Branche wird auch spekuliert, dass die EZB in Wahrheit schon länger wisse, dass niemand bauen wolle, dass es sogar zwei vergebliche Ausschreibungen gab. Die Oberbürgermeisterin äußert Verständnis dafür, dass die europäischen Währungshüter die vereinbarten Kostengrenze von 500 Millionen Euro nicht überschreiten wollten: "Die stehen total im Blickpunkt der europäischen Öffentlichkeit."

Autor:  CLAUS-JÜRGEN GÖPFERT
Datum:  27 | 6 | 2008
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