Dossier
Was bewegt die Menschen in Rhein-Main?

17. Februar 2010

Fall Wolski: "Es geht doch darum, sie auszunehmen"

 Von Pitt von Bebenburg
In Darmstadt wird der Fall Wolski verhandelt. Foto: Arnold

Im Wolski-Prozess erhebt die Tochter der reichen Witwe Margit C. schwere Vorwürfe gegen den angeklagten Rechtsanwalt. Von Pitt von Bebenburg

Drucken per Mail

Darmstadt. Die elegante Frau im schwarzen Jackett redet leise, aber in deutlichen Worten. "Das war ja alles seine Idee. Das entspringt einem kranken Kopf", sagt Evelyn C. und nickt abschätzig in Richtung des Rechtsanwalts Michael Wolski. Er ist am Landgericht Darmstadt wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagt. Es geht um Zuflüsse aus den Jahren 1999 bis 2003.

Die Autos, Immobilien und Bar-Zuwendungen, die an Wolski gingen, kamen von der Mutter der Zeugin, der damals fast 80-jährigen Margit C. Zur Frage, warum ihre Mutter dem fast 30 Jahre jüngeren Wolski so große Summen zukommen ließ, antwortete Evelyn C.: "Sie war wirklich sehr verliebt." Für die Tochter aber sei angesichts des Altersunterschiedes klar gewesen: "Das geht doch darum, sie auszunehmen."

Michael Wolski bestreitet am Dienstag erneut, ein Verhältnis mit der alten Dame gehabt zu haben. Evelyn C. aber beruft sich auf die Aussagen ihrer Mutter. Nach Auffassung der Zeugin nutzte Anwalt Wolski als Mitarbeiter der C-Immobiliengruppe von 1998 an die schwere Erkrankung von Firmenchef Ignaz C., um sich bei dessen Frau Margit C. "unentbehrlich zu machen - wohl auch privat". Dass dabei große Zuwendungen an Michael Wolski flossen, sei nicht im Sinn von Ignaz C. gewesen, sagt Tochter Evelyn, die als Alleinerbin eingesetzt ist.

Seit Jahren herrscht ein Kleinkrieg zwischen Wolski und Evelyn C.s Mann Janusz Pomer. Während Pomer als Zeuge im Gericht mit Feuereifer über Wolski herzog, hält sich Evelyn C. spürbar zurück. Jahrelang habe sie aus Rücksicht auf ihre Mutter geschwiegen - "bis zum heutigen Tage".

Auch die Ehefrau von Michael Wolski, die hohe hessische Richterin Karin Wolski, spielt in Evelyns C. Darstellung eine wichtige Rolle. Seit 2004, als Ermittlungen gegen Michael Wolski und Margit C. aufgenommen worden waren, sei "nicht mehr gewollt gewesen, dass Herr Wolski mit ihr in der Öffentlichkeit gesehen wurde", berichtete Evelyn C. über ihre Mutter. "Da wurde plötzlich Frau Wolski ihre beste Freundin. Sie begleitete sie auf allen Konzerten und beim Einkaufen."

Karin Wolski erhielt Autos und Immobilien, die von Margit C. finanziert wurden, wie aus Dokumenten hervorgeht, die im Gericht gezeigt wurden. Diese Gaben werden vom Staatsanwalt als Zuwendungen an Michael Wolski gewertet. Gegen Karin Wolski wird nicht ermittelt.

Das Ehepaar Wolski hatte die gemeinsamen Steuererklärungen für 1999 bis 2003 nach Angaben des Gerichts erst mit mehreren Jahren Verspätung abgegeben. Der Vorsitzende Richter Rainer Buss sagt aber, die Verwaltungsrichterin Karin Wolski habe "soweit wir sehen ihre Steuern bezahlt". Strafrechtlich hafte sie in einer gemeinsam unterschriebenen Steuererklärung nicht dafür, dass die Angaben ihres Mannes richtig seien. Am Ende der Verhandlung steht das Verhalten der Finanzbehörden zur Debatte. Ganz direkt fragt Richter Buss den Staatsanwalt Gerhard Pfeil: "Haben Sie ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wegen Strafvereitelung im Amt gegen die Finanzbehörden?" Pfeil verneint.

Der Staatsanwalt hatte darauf hingewiesen, dass bestimmte Fälle bei der Umsatzsteuer schon entdeckt gewesen seien, als Wolski seine Steuererklärung verspätet einreichte. Buss konterte: "Wie wollen Sie begründen, dass die Finanzverwaltung die Tat entdeckt, aber kein Verfahren eingeleitet hat - und keine Strafvereitelung im Amt vorliegt?"

Pfeil gab seufzend zurück, als Staatsanwalt in Steuersachen lebe er "mit viel größeren Widersprüchen".

Zur Homepage

Jetzt kommentieren

Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


ANZEIGE
- Partner