kalaydo.de Anzeigen

Festspiele Heppenheim: Die Degenfuchtler

Die Männer hantieren/fuchteln mit ihren Waffen und/oder machen Heiratsanträge: In "Die Sklavin ihres Geliebten" zur Eröffnung der Heppenheimer Festspiele verwickelt sich alles ganz gemächlich.

Wer Die Sklavin ihres Geliebten in Heppenheim sieht, weiß wenigstens, warum dies ein Mantel- und Degenstück ist.
Wer "Die Sklavin ihres Geliebten" in Heppenheim sieht, weiß wenigstens, warum dies ein Mantel- und Degenstück ist.
Foto: Festspiele Heppenheim

Wer sich in Heppenheim Lope de Vegas "Die Sklavin ihres Geliebten" anschaut, versteht wenigstens einmal wieder, wieso das ein Mantel- und Degenstück ist. Die Männer in dieser ausschweifenden Verwechslungskomödie können keine fünf Minuten miteinander sprechen, ohne blank zu ziehen, wie man ja wohl sagt.

Bei 50 Prozent der Frauen ist es nicht anders. Während empfindliche Körperteile gepiekt werden, verhüllt der eine oder andere seine Identität zwar nicht direkt mit einem Mantel (zu warm für solche Sperenzchen), aber doch hinter einem künstlichen Bart, einem orientalistischen Karnevalskostüm oder einer Statue in der Bühnenmitte (das Sevilla im Heppenheimer Burghof hat Stephan Brömme eingerichtet).

Heppenheimer Festspiele

bis 26. Juli, 17.-28. August. www.festspiele-heppenheim.com

Sensation auf Sensation

Die Männer hantieren/fuchteln also mit ihren Waffen und/oder machen Heiratsanträge. Diese konzentrieren sich auf die außen und innen schöne Titelheldin (überzeugend: Susanne Steidle), welche - oh Schlüpfrigkeit, oh Effekthascherei - mitnichten die Sklavin ihres Geliebten ist. In einer sensationell aufgebauschten Intrige, die sie mit ihrem Geliebten vereinen soll, lässt sie sich vielmehr zwischenzeitlich an dessen Vater verkaufen. Das ist etwas kompliziert zu erklären.

Ein Großteil der Probleme ergibt sich jedenfalls erst aus dem Versuch, die anfänglich noch überschaubaren Probleme zu lösen. Die völlige Sinnlosigkeit der Intrigen ist das Beste am Stück. Zur Eröffnung der Heppenheimer Festspiele verwickelt sich alles so gemächlich, dass man gut folgen kann.

Regisseur Uwe von Grumbkow (zugleich der blumenallergische Diener Pedro) drückt nicht auf die Tube, eher lässt er Lakonie und Entschleunigung walten. Wie mit runden Augen nehmen die Figuren zur Kenntnis, in was sie immer tiefer hineingeraten. Der Mann an der Seite der Heroine, Christopher Krieg, ist interessanterweise ein relativer Schlappi, der von ihr und seinem fidelen Freund, Franz Joseph Dieken, zum Jagen getragen werden muss. Und doch wird er auch von der postpubertären Rivalin, Steffi Plattner, geliebt.

Schlappis Vater, Wolfgang Welter, schrappt gerade so an einer Philipp/Don-Carlos-Tragödie vorbei und auch nur, weil "Die Sklavin ihres Geliebten" eben eine Komödie ist. Am komödiantischsten spielt dabei Achim Stellwagen als Diener Vasco, ausgerechnet anscheinend eine Art Malvolio-Figur. Er ist jedoch tatsächlich ein Beleg dafür, dass der Dienstleistungssektor im Spanien Philipps eindeutig besser aufgestellt war als im England Elisabeths.

Autor:  Judith von Sternburg
Datum:  23 | 7 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
TV

Gestern ferngesehen? Wir auch! Diskutieren Sie mit!