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Flughafenausbau: Begehrte Nachtflüge

VCD und BUND kritisieren den Einsatz der Landesregierung, von Fraport und Lufthansa. Sie seien einseitig und kompromisslos. Von Jürgen Schultheis

Ein Verkehrsflieger über Kelsterbach.
Ein Verkehrsflieger über Kelsterbach.
Foto: FR/Arnold

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) spricht von Makulatur, der Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) von einem Skandal: Nach den ersten Verhandlungstagen über den umstrittenen Ausbau des Frankfurter Flughafens am Kasseler Verwaltungsgerichtshof kritisieren beide Organisationen den Planfeststellungsbeschluss, die Baugenehmigung für die neue Bahn im Nordwesten des Flughafens, die Landesregierung, Fraport und Lufthansa.

"Die Prozessvertreter der Landesregierung, der Fraport und der Lufthansa kämpfen gemeinsam für Nachtflüge am Frankfurter Flughafen", kommentiert der Naturschutzreferent des hessischen BUND, Thomas Norgall, den Verlauf der Verhandlung. Das Land habe sich im Gerichtssaal von politischen Zusagen zur Verbesserung des Lärmschutzes in der Nacht verabschiedet. Alle drei Vertreter würden "einseitig und kompromisslos" den standortspezifischen Bedarf nach Nachtflügen betonen.

"Besondere Maßlosigkeit"

Dem Vertreter des Landes Hessen vor Gericht wirft Norgall "besondere Maßlosigkeit" vor. Ohne Nachtflüge werde der gesamte Cargo-Standort am Frankfurter Flughafen verlorengehen, argumentiert der Vertreter des Landes laut Norgall vor Gericht. "Das Land wird die Forderung der Lufthansa nach einer Ausweitung der Nachtflüge zwischen 23 und 5 Uhr nicht abwehren können, wenn es dieses Horrorgemälde weiter zeichnet." Der Verlauf der Verhandlung bestätige die Befürchtung des BUND, dass Fraport sich niemals aufrichtig zur Nachtruhe bekannt habe, sondern schon immer darauf gehofft habe, dass die Regelung von den Fluglinien und insbesondere von der Lufthansa erfolgreich bekämpft würde.

Der VCD fordert, dass im Verfahren die geänderten Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssten. "Aufgrund der aktuellen Marktentwicklung und der Erkenntnisse über den Klimawandel ist der Planfeststellungsbeschluss nur noch Makulatur", sagt der Vorsitzende des VCD-Landesverbandes, Werner Geiß. Gerade in der Wirtschaftskrise werde der Beweis erbracht, dass der Luftverkehr nicht ständig weiter wachse.

Schiene wieder im Kommen

Zudem entspreche die Drehkreuzfunktion des Flughafens längst nicht mehr der Marktentwicklung. Airlines bestellten überwiegend kleinere Maschinen für den Direktflug. Und Kurz- und Mittelstreckenflüge würden zunehmen auf die Schiene verlegt.

Bei der Planung des Ausbaus sei ferner die künftige Flugzeugtechnologie nicht berücksichtigt worden. Von 2020 an würden die Standards von Ökoflugzeugen gelten, wie sie derzeit im EU-Projekt "Clean Sky" entwickelt würden. Ziel sei eine um 50 bis 70 Prozent geringere Erderwärmung. "Dieses Ziel kann nur mit lauteren Triebwerken erreicht werden, die für einen Flughafen inmitten dichter Bebauung völlig ungeeignet sind", sagt Geiß.

Autor:  JÜRGEN SCHULTHEIS
Datum:  4 | 6 | 2009
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