Die Wühlmaus ist scheu. Ja, er fühlt sich wieder besser. Das ist alles, was der junge Waldbesetzer sagt, den die Polizei am Dienstagabend aus seinem Erdbunker gebuddelt hat. Einen ganzen Tag hatte er in der knapp sechs Quadratmeter großen unterirdischen Höhle ausgeharrt. Ganz allein, denn sein Kompagnon ist gerade auf Heimaturlaub. Ein Computerlüfter versorgte ihn mit frischer Luft, eine große Autobatterie lieferte den Saft für die LED-Leuchten, damit er nicht im Dunkeln sitzen musste. Es gab frische Äpfel - und kalt war es auch nicht in dem Bunker, in dem der Mann, der sich Wühlmaus nennt, schon Tage zuvor mehrfach probeweise genächtigt hatte.
Während draußen Nachttemperaturen von minus 15 Grad herrschten, was es da unten mit plus zehn Grad vergleichsweise kuschelig warm. Trotzdem musste der junge Mann mit der Brille nach der rund zwölfstündigen Ausbuddelaktion am Dienstagabend ins Krankenhaus: "Er hat sich nicht wohl gefühlt", sagt Sascha Friebe vom Hüttendorf. Deshalb hätten die Besetzer auch die Handschelle entfernt, mit der die Wühlmaus an einen Betonklotz gekettet war.
Am Mittwoch ist der Bunkermann schon wieder im Camp. Es ist Tag zwei der Rodung des Bannwaldes. Mittags kommt das Hüttendorf-Plenum zusammen, um weitere Aktionen zu planen. "Die Stimmung ist gedämpft", sagt Anna. Die 29-Jährige gehört zu jenen, die seit Monaten in den Baumhäusern oder auf den luftigen Plattformen übernachtet haben. Noch ist im Hüttendorf von den Rodungsarbeiten nichts zu hören. Doch es sind schon jede Menge Kiefern und Eichen gefallen. "Das geht viel schneller, als wir gedacht haben", sagt Anna. Flughafenbetreiberin Fraport hat es eilig. Anfang März beginnt die Vegetationsperiode. Dann ist das Holzen im Wald verboten.
Anna ist entsetzt, dass der Flughafen trotz Wirtschaftskrise weiter expandiert, "dass diese schöne Landschaft dafür zubetoniert werden soll". Drei Pullis und eine warme Leggins unter den Jeans - Franziska hat sich dick angezogen, um lang auf den Bäumen auszuhalten. Die Gurte liegen fest um ihre Hüften.
Die 26-Jährige fühlt sich gut auf die Aktion vorbereitet. Im Frühjahr hat sie einen Aktionskletterkurs absolviert und gelernt, wie sie auf Seilbrücken von Baum zu Baum klettern kann. Sie ist aufgeregt. "Alle Aufgaben sind verteilt", sagt sie. Sie ist fest entschlossen, etliche Tage auf den Bäumen durchzuhalten und das Camp nicht ohne passiven Widerstand zu verlassen.
Mit Isomatten und Schlafsäcken haben sich die Aktivisten in den Bäumen eingerichtet. Das Robin-Wood-Baumhaus ist immerhin mit einem kleinen Schrank, Tisch, Feldbetten möbliert und hat einen Gasofen. Eimer für die Notdurft gibt es auch. Vorräte für einige Tage liegen bereit - Brot, Trockenobst und Nüsse, Kekse und Schokolade; alles was viel Energie liefert. Die meisten Bewohner sind Veganer. Wasser ist wichtig. Einige Liter haben die Aktivisten für jeden Bewohner gebunkert. Für Nachschub sorgen die Unterstützer aus Kelsterbach oder Mörfelden-Walldorf. Bei ihnen zuhause dürfen die Aktivisten auch duschen.
Nicht alle Waldbewohner können klettern. Die die Techniken nicht beherrschen, bleiben am Boden und wollen sich bei einer Räumung von der Polizei forttragen lassen. Bis dahin bleiben sie in ihren Hütten, in denen Öfen für wohlige Wärme sorgen, und die mit Sofas und Tischen geradezu wohnlich wirken.
Auch am Rodungstag zwei ist das Camp mit Bauzäunen abgeriegelt. Wer hinein oder hinaus will, muss an dem Sicherheitspersonal mit den gelben Westen vorbei. Die Waldbesetzer stellen sich darauf ein, dass sie ein Ausweichquartier benötigen werden. Sie beantragen bei der Stadt Kelsterbach, sich auf einer Fläche nahe dem Parkplatz an der Okrifteler Straße niederlassen zu dürfen.

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