Wie krank macht der Frankfurter Flughafen? Antwort soll eine Studie geben, die Kommunen und Bürgerinitiativen in Auftrag geben wollen. Vertreter von Hessens Grünen und Linken hatten ebenfalls Unterstützung zugesagt, bevor am Donnerstagabend die rund 440 Besucher der Veranstaltung des Vereins "Für Flörsheim" auseinandergingen.
"Wir brauchen diese Studie für den Frankfurter Raum. Die Kommunen stehen dahinter", hatte Thomas Jühe (SPD), Vorsitzender der Fluglärmkommission und Raunheimer Bürgermeister, zuvor am Saalmikrophon gesagt. Er ist zudem Mitglied eines Bündnisses, das die Änderung des Luftverkehrsgesetzes verhindern will. Auch diese bundesweite Initiative wolle die Studie, sagte Jühe zur Frankfurter Rundschau: "Der Frankfurter Flughafen ist bundesweit der größte. Nirgendwo sind so viele Menschen betroffen."
Das schwarz-gelbe Regierungsbündnis im Bund hat im Koalitionsvertrag vereinbart, das Luftverkehrsgesetz zu ändern, um "international wettbewerbsfähige Betriebszeiten" sicherzustellen. Das, befürchten Jühe und seine Mitstreiter, könnte die völlige Aufhebung eines Nachtflugverbots und das Ende des passiven Schallschutzes zur Folge haben - für alle Flughäfen der Republik.
Zu leiden hätten all jene, die in den Einflugschneisen wohnen. Laut Urteil des Verwaltungsgerichtshofs werden 2020 in Rhein-Main allein 44.000 Menschen einem Lärmpegel von 60 bis 65 Dezibel ausgesetzt sein, 280.000 müssen bis zu 60 Dezibel ertragen. Die Folgen für ihre Gesundheit soll die Studie klären, die Eberhard Greiser, Arzt und Epidemiologe, und unabhängige Experten erarbeiten.
Er bräuchte dafür nach eigenen Aussagen ein Jahr, wenn ihm Gemeinden und Krankenkassen die nötigen Daten geliefert haben. Der Bremer Professor hatte für das Umweltbundesamt eine in ihrer Größe bundesweit einmalige Studie über die gesundheitlichen Folgen von Fluglärm am Airport Köln-Bonn erstellt, die er in Flörsheim vorstellte. Quintessenz: "Es besteht der Verdacht, dass Fluglärm ab 40 Dezibel die menschliche Gesundheit nachhaltig schädigt." Die Ergebnisse seien "bedingt" auf das Umfeld des Flughafens Frankfurt übertragbar, wo nachts wesentlich weniger als in Köln-Bonn geflogen werde.
So erwartet Greiser ohne zusätzlichen Lärmschutz rund um den Frankfurter Flughafen 6000 Schlaganfallpatienten mehr, fast 14.500 Erkrankungen der Herzkranzgefäße und gut 2500 zusätzliche Brustkrebsfälle.
Schwere handwerkliche Fehler warf der Wissenschaftler den Erstellern der im Auftrag der Stadt Frankfurt entstandenen Studie "Fluglärm und Gesundheit" vor. Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) hatte sie im Mai vorgestellt. Mit steigendem Lärm nehmen die Krankheitsfälle nicht zu, lautete die Botschaft , die Greiser als "verheerend" brandmarkte.
So stünde in der Studie etwa, dass mit der Zunahme des Lärms die Verabreichung bludrucksenkender Arzneimittel abnehme. "Das ist Spott." Nach seinen Berechnungen würde etwa in Flörsheimer-Wicker bei 62 Dezibel Fluglärm 2020 das Schlaganfall-Risiko um 160 Prozent, das für Brustkrebs bei Frauen gar um 200 Prozent steigen.

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