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FR-Bahnhofstest: Mainz ist der Meister

Der Sieger des FR-Bahnhofstests steht jenseits der Landesgrenze - in Mainz. Im Vergleich zu 2005 haben sich viele Bahnhöfe verschlechtert. Die Deutsche Bahn stellt eine Besserung in Aussicht - nicht selten seit Jahren. Von Jutta Rippegather

Im großen Bahnhofstest schnitt Mainz am besten ab.
Im großen Bahnhofstest schnitt Mainz am besten ab.
Foto: db

Der Sieger des Bahnhofstests 2010 steht jenseits der Landesgrenze - in Mainz. Keine Station schnitt besser ab. In fünf von sieben Kategorien bekam der Mainzer Hauptbahnhof Bestnoten - für seine Erreichbarkeit, die bequemen Wege, für die Kurzweil beim Warten, den tollen Service und das freundlich wirkende Gebäude. Allein mit Sicherheit und Sauberkeit sowie der Barrierefreiheit war die Bahnhofstesterin der FR nicht absolut zufrieden.

Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) freute sich am Freitag wie ein Schneekönig über das Ergebnis: Mainz habe seit dem 19. Jahrhundert eine große Tradition als Eisenbahnstandort, sagte das Stadtoberhaupt. "Unser Hauptbahnhof ist mit der Sanierung im Jahr 2003 ein wahres Schmuckstück geworden", ergänzte der Politiker. Dass das " attraktive und freundliche Eingangstor zur Landeshauptstadt" den Spitzenplatz errang, erfülle ihn mit Stolz. "Wir alle wissen, wie vorteilhaft eine solch glänzende Visitenkarte für eine Stadt ist."


Foto: FR-Infografik

36 Bahnhöfe im Rhein-Main-Gebiet haben die FR-Tester in den vergangenen Wochen mit einer Checkliste abgegrast. Vier sind es insgesamt, die mit der Bestnote Fünf das Ranking anführen. Auf Mainz folgen der Frankfurter Hauptbahnhof, der Fernbahnhof am Flughafen und Fulda. Wenig überraschend schnitten die Großen in der Regel besser ab als die Provinzbahnhöfe. Umso bemerkenswerter: Gleich hinter den vier Spitzenreitern hat sich Schwalbach Limes im Main-Taunus-Kreis hineingeschmuggelt. Den Halt der S 3 mit einem einzigen Gleis nutzen gerade einmal 2000 Reisende pro Tag. Und doch ist er videoüberwacht, hat blitzsaubere Toiletten, Aufzüge .

Von derlei Errungenschaften der modernen Mobilität können die Menschen in der wachsenden Stadt Nidderau im Main-Kinzig-Kreis nur träumen. Schon beim Bahnhofstest 2005 rangierte ihre Haltestelle ganz unten. Daran hat sich nichts geändert. Der Verfall schritt weiter voran. Eltern müssen Kinderwagen die Treppe hochschleppen, die Fenster des schmuddeligen Gründerzeitgebäudes sind zugenagelt.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Womöglich fällt das Ergebnis für Nidderau beim nächsten Bahnhofstest besser aus. Land und Bahn haben offenbar eingesehen, dass es so nicht weitergehen kann. Das Schmuddelkind ist jetzt ins "Sonderprogramm Personenbahnhöfe" aufgenommen. Ebenso dringender Handlungsbedarf besteht in Frankfurt-Höchst, wo wesentlich mehr Menschen ein- und aussteigen. Vorbei an von Taubenkot verschmierten Wänden marschiert man über lockere Bodenplatten. Kein Lift, keine Rampe. Und wen sonntags die Blase drückt, der hat Pech gehabt.

Um Nidderau, Wächtersbach, Frankfurt-Höchst sollten Bahnreisende möglichst einen Bogen machen. Doch bei den meisten getesteten Stationen hält sich der Ekelfaktor in Grenzen, sie liegen im Durchschnitt.

Fehlende Toiletten, Barrieren, geschlossene Schalter, keine Fahrgastinformationen - das sind die größten Ärgernisse. Die FR hat die Deutsche Bahn damit konfrontiert und um Stellungnahme gebeten. Mancherorts wird Besserung in Aussicht gestellt - nicht selten seit Jahren. Oft entzündet sich die Hoffnung daran, dass die Bahn das Empfangsgebäude verkauft. Die Verhandlungen gestalten sich zäh. Doch Ober-Roden und Bad Homburg befinden sich jetzt in städtischem Besitz, nun gilt es zu investieren.

Für die reiserelevante Infrastruktur bleibt freilich die Deutsche Bahn zuständig. Was sie leisten kann und muss wird eines der Themen sein beim Stadtgespräch am kommenden Montag, 26. April, im Depot am Frankfurter Südbahnhof.

Autor:  Jutta Rippegather
Datum:  24 | 4 | 2010
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