Wiesbaden. Thorsten Schäfer-Gümbel holt auf, doch seine hessische SPD verharrt im Tief. Immerhin 32 Prozent der Wähler hätten ihn gerne als Ministerpräsidenten, während Amtsinhaber Roland Koch (CDU) auch nur auf 39 Prozent kommt. Vor vier Wochen stand es noch 24 : 44 im direkten Vergleich. Doch zwischen den Werten für die Parteien liegen Welten. So wird Roland Koch, der Anfang November schon seine Kisten gepackt hatte, wohl nicht aus der Staatskanzlei ausziehen müssen.
Was war das für eine Aufregung vor genau einem Jahr, als Koch erst gegen "kriminelle Ausländer" zu Feld zog und dann auf Plakaten vor "Ypsilanti, Al-Wazir und den Kommunisten" warnte. Damit ist Schluss, das passt nicht zur neuen Mäßigung von Kochs Partei. Diesmal wird Harmonie statt Hass inszeniert.
Am Dienstag stellte der hessische CDU-Generalsekretär Michael Boddenberg das letzte Plakat zur Wahl vor. Anders als 2008 wird die Ausgabe 2009 niemanden empören. "Auf Nummer sicher gehen!" steht dort zu lesen.
Die CDU scheut diesmal den Radau. Boddenbergs größte Sorge besteht denn auch darin, dass sich CDU-Anhänger zu sicher fühlen könnten. "Nicht den Umfragen glauben und auch hingehen", fordert er sie auf.
Ansonsten ist die Lage für Koch beruhigend. Seit September lag die CDU in keiner Umfrage mehr unter jenen 41 Prozent, die auch die jüngste FR-Erhebung ausweist. Genau so gleichmäßig liegt die SPD im Bereich der 24 Prozent, die aktuell gemessen werden - zwischen 23 und 27 Prozent schwankte sie im Laufe der Wochen. Verfehlt auch noch die Linke den Einzug in den Landtag, wie es die aktuelle Umfrage nahelegt, dann wäre Kochs Mehrheit aus CDU und FDP noch komfortabler.
Doch seine Werte sind alles andere als glänzend. 57 Prozent der Bürger sind mit der Arbeit seiner Landesregierung unzufrieden, bei nur 39 Prozent Zufriedenen. Unter diesen Bedingungen wären die Bürger für eine Alternative dankbar - wie vor einem Jahr, als die damalige SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti den Ministerpräsidenten an Beliebtheit übertraf.
Doch Schäfer-Gümbel fehlt nicht nur die Ausstrahlung der Vorgängerin. Er steht auch erst seit zwei Monaten auf der großen Bühne. Noch immer kennen 45 Prozent der Hessen den Namen des Spitzen-Sozialdemokraten nicht. Wenn sie ihn einmal kennengelernt haben, finden ihn aber gerade die SPD-Anhänger auch gut. Drei Viertel der sozialdemokratischen Wähler wünschen sich einen Ministerpräsidenten Schäfer-Gümbel - vor vier Wochen waren das nur katastrophale 44 Prozent.
Es sieht ganz danach aus, als würde die Hessen-SPD unter Schäfer-Gümbel das schlechteste Resultat einfahren, das sie je hatte. 2003 war sie bei 29,1 Prozent angekommen. Doch danach geht die Arbeit für den neuen Spitzenmann der SPD erst richtig los.
Das Ansehen der hessischen Sozialdemokratie ist nach Ypsilantis Anlauf zum Linksbündnis und seinem Scheitern zerstört. Selbst unter denen, die der SPD noch ihre Stimme geben, ist nur jeder fünfte mit der Partei zufrieden. Zwei Drittel der Wähler wollen, dass Ypsilanti zurücktritt - auch 61 Prozent der SPD-Anhänger.

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