kalaydo.de Anzeigen

Frankfurt: Als Zielscheibe markiert

Der Streit um eine neue Moschee im Stadtteil Hausen wächst sich zu einer ausländerfeindlichen und antisemitischen Hetzkampagne aus. Das Ziel: eine grüne Kommunalpolitikerin.

Der Anteil von 40 Prozent Migranten sei in der Stadt eine Tatsache und wem das nicht passe, der könne auch woanders wohnen - nach dieser Äußerung muss die Grüne Nargess Eskandari-Grünberg Drohungen und Beschimpfungen der übelsten Art über sich ergehen lassen.
Der Anteil von 40 Prozent Migranten sei in der Stadt eine Tatsache und wem das nicht passe, der könne auch woanders wohnen - nach dieser Äußerung muss die Grüne Nargess Eskandari-Grünberg Drohungen und Beschimpfungen der übelsten Art über sich ergehen lassen.
Foto: FR

Der Streit um eine neue Moschee im Stadtteil Hausen hat sich zu einer ausländerfeindlichen und antisemitischen Hetzkampagne ausgewachsen. Zielobjekt der "größten germanischen Online Gemeinschaft" im Internet ist unter dem Titel "Grüne Politikerin fordert Deutsche zum Verlassen ihrer Heimatstadt auf" die Grünen-Kommunalpolitikerin Nargess Eskandari-Grünberg.

Ganz dezidiert aber wird, unter Angabe aller persönlicher Kontaktdaten, auch ihr Mann, der jüdische Psychoanalytiker Kurt Grünberg, an den virtuellen Pranger gestellt. "Ihr Mann ist der Jude Kurt Grünberg" , steht zu lesen. Und: "Psychoanalytiker ist ein typischer Judenberuf."

Mehr zum Thema

Hintergründe zum Streit um die geplante Moschee im Spezial.

"Der kraushaarige krummnasige Ehemann" wird in dem Internet-Forum mit einem Porträtfoto abgebildet, auf dem ihm eine Hakennase retuschiert worden ist. Auf weiteren Fotos, die allgemein zugänglichen Veröffentlichungen entnommen sind, ist Grünbergs Kopf rot eingekreist, förmlich als Zielscheibe markiert.

Hintergrund der Hetze, die sich im Internet auch gegen die Grünen allgemein richtet ("Zuchthaus oder Arbeitslager genügt") ist die heftige Debatte über den Bau einer neuen Moschee mit aufgebrachten Bürgern in der Sitzung des Römer-Ausschusses für Bildung und Integration am 5. November. Nach andauernder Polemik der Bürger zu der hohen Zahl von Migranten an hiesigen Schulen hatte die Grüne Migrantin Nargess Eskandari-Grünberg gesagt, der Anteil von 40 Prozent Migranten sei in der Stadt eine Tatsache und wem das nicht passe, der könne auch woanders wohnen.

Auf diese Aussage hin werde die Grüne, die vor 20 Jahren aus dem Iran geflohen ist, seit jenem Tag mit Hunderten von E-mails als "Schlampe" oder "Nutte" attackiert, man drohe ihr mit dem Tod und fordere sie auf, "zurück in dein Mullah-Land zu gehen, damit man dir da den Mund mit dem Kopftuch stopft." "Es ist ehrverletzend, lebensbedrohlich, entsetzlich" resümiert Kurt Grünberg. Er erkennt "eine tiefe Haltung: Frankfurt ist eine deutsche Stadt, auch wer 20 Jahre hier lebt, wird als Ausländer betrachtet".

Nur deshalb habe die Bemerkung seiner Frau im Ausschuss derartige Wellen geschlagen. Weder in den Berichten der Presse noch in den Stellungnahmen der Frankfurter Politiker sei aber später die volksverhetzende Stimmung in jener Sitzung ausreichend berücksichtigt worden. Kurt Grünberg sieht in der Entwicklung "ein Lehrstück: Da diskriminieren Menschen andere Menschen. Und wenn die sich wehren, stellt man sie als die Angreifer hin". Es würden dem Hass, der sich in der Auseinandersetzung um die Moschee offenbare, "im Römer nicht ausreichend Grenzen gezeigt". So spiele man den Neonazis in die Hände.

Es zeige sich "ein Zusammenhang zwischen den Klischees in der Mitte der Gesellschaft und den Aktivitäten der Neonazis". Nargess Eskandari-Grünberg wird in den Drohbotschaften unter anderem angekündigt, man werde sie "in Ihrem Garten steinigen". Die Familie hat die Polizei "auf unsere bedrohte Lage aufmerksam gemacht" und eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt.

Unterdessen ist auf Initiative des Stadtverordneten Uwe Paulsen (Grüne) eine Unterschriftenliste im Umlauf. In dieser Solidaritätserklärung, die nach Angaben des Initiators bereits rund 150 Unterschriften trägt, wird argumentiert, Nargess Eskandari-Grünberg habe mit ihrer Äußerung nur "einer aufgewiegelten Gruppe deutscher Bürger den Spiegel vorhalten" wollen. Es seien doch die Migranten, die sich seit Jahrzehnten mit Aufforderungen zur Auswanderung konfrontiert sähen. "Die fremdenfeindliche Kampagne, die auch eine antisemitische ,Qualität' erlangt" habe, sehen die Unterzeichner als "unerträglich" an. Jeder Demokrat sei aufgefordert, "Bestrebungen und politischen Kräften entgegenzutreten, die die Menschenwürde missachten".

Autor:  CLAUDIA MICHELS
Datum:  22 | 11 | 2007
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Anzeige

Top Stellenangebote

Anzeige

 

Staumelder

Staumelder 10 Staus mit einer Gesamtlänge von 50km
Zu den Staumeldungen
Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Eintracht Frankfurt
Im März 2010 war Bastian Oczipka von Bayer zum FC St. Pauli ausgeliehen.
Linksverteidiger 
Turkish Airlines ist als Sponsor im Gespräch.
Eintracht Frankfurt 
        

In seinen Hochzeiten auch Eintracht-Kapitän: Chris.
Eintracht Frankfurt 
Eintracht Frankfurt zieht Bilanz 

Frankfurter Rundschau im Abo