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Frankfurt für Alle: Die Zukunft

Architekt Albert Speer hat ein rosiges wie dynamisches Leitbild für die Stadt 2030 entworfen - finanziert über Kammern und Spenden. Von Matthias Arning und Georg Leppert

Wenn Frankfurter künftig im ehemaligen DG-Bank-Hochhaus wohnen, Praunheimer in einer dann energieeffizienten May-Siedlung zuhause sind, Radfahrer auf der grünen Welle über eine eigene Expressroute rauschen können und kreative Köpfe im Osten nach Offenbach hin bezahlbare Ateliers und Studios finden, dann hat Frankfurt vielleicht das Jahr 2030 erreicht, sicherlich aber das Leitbild des Stadtplaners Albert Speer realisiert.

Mit den Überlegungen, die Klaus Ring und Roland Kaehlbrandt von der Polytechnischen Gesellschaft um Perspektiven für Bildung und Wissenschaft ergänzt haben, will Speer Frankfurt zur "Modellstadt nachhaltiger und energieeffizienter Entwicklung machen". Ein entsprechendes Konzept übermittelte er am Montag an Oberbürgermeisterin Petra Roth. Es beinhaltet unter anderem eine Werbekampagne Frankfurt 2030.

FR-Stadtgespräch

Die Autoren der Studie treffen sich mit Oberbürgermeisterin Petra Roth und Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg am Mittwoch, 4. Februar. Los geht es um 19.30 Uhr in den neuen Räumen der Frankfurter Rundschau im Sachsenhäuser Depot an der Textorstraße.

Verstanden wissen will der Architekt "die Handlungsperspektiven für die internationale Bürgerstadt" als "Anregungen, mit denen sich Diskussionen anstoßen lassen". Ganz in diesem Sinne hob Roth hervor, dass es "eine Weiterentwicklung dieses Konzepts nur mit der Öffentlichkeit geben kann". Die Oberbürgermeisterin lobte die von privaten Geldgebern wie der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer Frankfurt/Rhein-Main finanzierte Denkschrift als Panorama künftiger und bereits in Gang gesetzter Entwicklungen der Stadt in verschiedenen Bereichen.

Jetzt sind die Frankfurter selbst gefragt

Mit diesem Konzept müsse es nicht länger dem Stadtplanungsamt vorbehalten bleiben, Ideen für Projekte für eine verbesserte Infrastruktur zu liefern: "Jetzt sollten sich die Bürger beteiligen", betonte Petra Roth bei der Präsentation der Studie. Zugleich aber sei das Konzept eine "Handlungsanregung für Magistrat und Stadtverordnetenversammlung".

Frankfurt, darauf besteht Speer, müsse "die tatsächliche und die gefühlte Lebensqualität der Menschen verbessern". Dabei gehe es darum, mehr Wohnungen zu schaffen, familienfreundliche Quartiere zu errichten und großzügige Wohnungen in umgewidmeten Hochhäusern vorzusehen. Angemessen Rechnung tragen müsse die Stadtregierung auch "dem Bedürfnis", in innenstadtnahen Quartieren exklusive Wohnangebote zu finden. In der Konkurrenz der Städte werde Wohnen zu einem "zentralen Kriterium für einen Standort".

Zur Lebensqualität gehört für die Autoren der Studie auch "die Freizeitlandschaft". So gelte es, das Mainufer Richtung Osten wie Richtung Westen weiter zu entwickeln. Als Bürgerstadt, als Knotenpunkt für die Warenflüsse der Wirtschaft und einzige bundesrepublikanische Stadt mit "globalem Anspruch" besitze Frankfurt die Möglichkeiten, sich als bürgernaher, sozial ausgeglichener und integrativ wirkender Standort zu behaupten. In diesem Zusammenhang könnte eine Internationale Bauausstellung als Anstoß wirken.

Fokus Wissenschaft und Bildung

Einen besonderen Fokus legen die Autoren der Studie auf die Themen Wissenschaft und Bildung. Frankfurt, so sagte der frühere Universitätspräsident Klaus Ring, habe in Sachen Forschung und Lehre sehr viel zu bieten, wuchere aber nicht genug mit seinen Pfunden. Eine eigene Marketingkampagne für den Wissenschaftsstandort könnte das ändern.

Zwei Hochschulen sollen demnächst an den Osthafen ziehen, so ein weiterer Vorschlag der Studie: die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und die Frankfurt School of Finance and Management. In diesem Zusammenhang hebt Speer auf die "Entwicklungspotenziale des Osthafens" ab.

Die Hochschule für Gestaltung in Offenbach und die Goethe-Universität sollen in einem Frankfurter Haus für Medien und Kommunikation einen gemeinsamen Studiengang anbieten. Er befasst sich mit gestalterischen und wirtschaftlichen Aspekten von Werbung und Medien.

Autor:  MATTHIAS ARNING UND GEORG LEPPERT
Datum:  3 | 2 | 2009
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