Auf den ersten Blick sieht es so aus, als läge auf dem Schweizer Platz wenig Segen. Auf den zweien auch. Denn irgendwie weiß man nicht so recht, was man mit diesem Platz anfangen soll. Ein Hort der Ruhe ist er jedenfalls nicht. Sieben Zuläufe hat der ringförmige Kreisel, der den Schweizer Platz gleichsam einrahmt. Schweizer Straße, Oppenheimer Landstraße, Gutzkowstraße, Diesterwegstraße und Schneckenhofstraße treffen hier aufeinander. Wer als Fußgänger den Schweizer Platz umrunden will, wird mit großer Wahrscheinlichkeit ganz schnell bekloppt. Mitten durch das begrünte Mittelstück rattern die Trambahnen 15, 16, 19 nebst Ebbelwei-Express und machen ein Betreten des Rasens unmöglich, untendrunter fahren die U-Bahnlinien 1, 2 und 3. Wen soviel Unruhe ganz krank macht, für den bietet der Schweizer Platz immerhin einen Standortvorteil: Er ist einer der wenigen Plätze, an denen es gleich zwei Apotheken gibt.
Dass der Schweizer Platz nicht gerade als Oase der Rhe gilt ist so neu nicht - aber umso verwunderlicher, da doch die Schweizer Straße, die sich gerne als Frankfurts eigentliche Flanier- und Einkaufsmeile sieht, solch eine Oase gut zu Gesicht stünde. Schon im Jahr 2000 monierte der Landschaftsarchitekt Hans Dorn den "teilweise miserablen und unwürdigen Eindruck", den der Platz mache. Dabei habe er das Potential zu einem echten Kleinod und sei wegen "seiner architektonischen Qualität, dem noch fast ungebrochenen Rahmen der Altbauten am Rand, einer der schönsten Plätze in Sachsenhausen". Dorn machte damals Verbesserungsvorschläge, die nach guter alter Frankfurter Sitte niemals umgesetzt wurden. Die potthässlichen Pflanzenkübel, über die er sich damals beklagt hatte, stehen heute noch in alter Scheußlichkeit dort.
Immerhin ist der Schweizer Platz einer der Orte Frankfurts, die literarische Weihen erfahren haben. "Kurz vor dem Schweizer Platz ließ ich die Cordes Richtung Launitz ziehen und ging selbst um die Verkehrsinsel herum und bog dann hinter dem Platz, der keiner ist, bei Jordan-Schuhe ab; aber erst in Höhe des Bäckers Kröger, der sich mit Hilfe meiner Generation oder aller Unverzweifelten seit damals gehalten hat, also noch eine Ecke weiter, begriff ich, daß mein Ziel die nahe Morgensternstraße war", schrieb der Schriftsteller Bodo Kirchhoff, selbst ein Wahl-Sachsenhäuser, 2004 in seinem Roman "Wo das Meer beginnt". Allerdings ist das Attribut "Platz, der keiner ist" eines, auf das die meisten Plätze gerne verzichten würden.
Dennoch ist der Schweizer Platz eminent wichtig. Denn auch, wenn wenig Segen auf ihm liegen mag: unter ihm liegt der Segen tonnenweise. Denn tief unten, kurz bevor die U-Bahnen stadteinwärts nach Hibbdebach in den Tunnel rauschen, steht fast schamhaft versteckt eine der wenigen Frankfurter Heiligenfiguren: die heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute und damit auch für die Tunnelbauer zuständig. Daneben finden sich die Namen der Tunnelpatinnen, die dem U-Bahnhof bei seiner Fertigstellung 1984 ihren Segen gaben. Darunter finden sich die schönen Namen "Roselinde" und "Frolinde" - dahinter verbergen sich Roselinde Arndt, die Frau des damaligen Oberbürgermeisters Rudi Arndt, und die damalige Stadtverordnetenvorsteherin Frolinde Balser. Die vier weiteren Patinnen: "Sybille", "Margarethe", "Uschi" und "Liesel" - hinter letzterer verbirgt sich keine geringere als die legendäre Volksschauspielerin Liesel Christ.
"Unnerum", wie der Hesse sagt, ist der Schweizer Platz also bereits schön anzuschauen - die U-Bahnhof-Architekten haben sich auch in der Tat Mühe gegeben - und steckt auch voller Stadtgeschichte. Und "obberum" wird's irgendwann auch mal werden. Wie schnell das gehen kann, zweigt ja bereits das Beispiel Konstablerwache, deren Verschönerung erst seit ein paar Jahrzehnten diskutiert wird und die nach Ansicht kommunalpolitischer Experten auch noch in diesem Jahrtausend in Angriff genommen werden wird.

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