Es kommt vor, dass ratlose Menschen vor dem Eingang herumstehen. Menschen, die ein Kloster suchen. Draußen rauscht der Verkehr auf der vierspurigen Kurt-Schumacher-Straße vorbei. Und von drinnen kommen Leute, die aussehen, als kämen sie von der Arbeit.
Beim Namen "Dominikanerkloster" handelt es sich nämlich eigentlich um eine Mogelpackung. "Ehemaliges Dominikanerkloster" wäre korrekt. Doch es hat sich ohne "ehemaliges" eingebürgert, und die, die aus der Tür kommen, und nicht nur so aussehen, als kämen sie von der Arbeit, sondern es auch tatsächlich tun, sagen "Dom Klo". Das, was früher tatsächlich ein Kloster der Dominikaner war, ist heute der Verwaltungssitz des Evangelischen Regionalverbands.
Das Dominikanerkloster ist Sitz des Evangelischen Regionalverbandes, eines Zusammenschlusses der Frankfurter evangelischen Gemeinden und Dekanate.
Im Dominikanerkloster tagt die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Das 1233 gegründete Kloster kam samt seinen reichen Besitztümern 1803 in städtischen Besitz.
Im 15. Jahrhundert entstand ein imposanter Kreuzgang. Die Klosterbibliothek war die größte in Frankfurt, ihre Sammlung fiel später an die Stadtbibliothek.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Dominikanerkloster zerstört und 1955 bis 1957 nach einem Entwurf des Architekten Gustav Scheinpflug auf altem Grundriss und in alten Proportionen im Stil der Nachkriegszeit wiederaufgebaut.
Von der einst gotischen Anlage ist nur der 1470 im spätgotischen Stil errichtete Chor der Heiliggeistkirche erhalten.
Die alte Reichsstadt wird lebendig: Welche Ereignisse waren einst Stadtgespräch am Main? Zeitzeugenberichte und Hintergrundwissen rund um das historische Frankfurt im Frankfurt-Blog.
Wo im Mittelalter Zelle an Zelle lag, liegt heute Büro an Büro. Wo gemurmelte Gebete durch die Wände drangen, brummen heute Kopierer, klingeln Telefone, beginnen die Betriebssysteme der PCs den Tag mit der bekannten Ouvertüre, wenn sie hochgefahren werden. So geht es zu im "Dom Klo", wo etwa Evangelisches Info-Center, Kircheneintrittsstelle, Öffentlichkeitsarbeit, Personalabteilung und Kirchenleitung sitzen.
Die Geschichte des Dominikanerklosters passt gut zur pragmatischen Kirchengeschichte der einst freien Reichsstadt Frankfurt. Am 1. April 1957 übernahm der Gemeindeverband das Kloster. Die Evangelische Kirche gelangte durch einen Tausch an das Gebäude: Weil die Paulskirche, die von der innerstädtischen Paulsgemeinde genutzt wurde, zum Denkmal der Demokratie umgewidmet werden sollte, bekamen die Protestanten Kloster und Kirche in der Kurt-Schumacher-Straße. Die Dominikanerkirche wurde zur Heiliggeistkirche.
Spätestens damit war das Kloster, dessen Geschichte im Jahr 1233 begonnen hatte, kein Kloster mehr. 1233 hatte der Orden der Dominikaner, auch Predigermönche genannt, eine erste Niederlassung in Frankfurt errichtet, zu der zunächst nur zwei oder drei Brüder gehörten. Die Stadt nahm sie wohlwollend auf und wies ihnen ein Grundstück unmittelbar an der mittelalterlichen Staufenmauer zu. Hier errichteten die Brüder zunächst ein kleines Wohnhaus mit vier Räumen, das später als Eingang der Klosteranlage diente. 1238 begann der Orden mit dem Bau des eigentlichen Klosters, das Raum für mindestens zehn bis zwölf Brüder bieten sollte.
Die Blütezeit des Klosters endete mit der Einführung der Reformation in Frankfurt 1533. Doch das Dominikanerkloster blieb als katholische Enklave in der fast rein lutherisch gewordenen Stadt bis zur Säkularisation 1803 bestehen. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss fiel es dann an die Freie Reichsstadt Frankfurt. "Die Verbindung von geistlicher und weltlicher Macht führte dazu, dass eine Umwandlung von katholischem in evangelisches Kirchengut, etwa von Kirchengebäuden, tatsächlich eine Enteignung der katholischen Kirche nicht zu Gunsten der evangelischen Kirche, sondern der evangelischen Reichsstände war", erläutert der Kirchenhistoriker und ehemalige Oberkirchenrat Jürgen Telschow.
1949 überlegte man im Hochbauamt, dort das Historische Museum unterzubringen.
Die Geschichte des "Dom Klos" ist so wechselhaft, dass viele, die dort einmal gearbeitet haben, von Anekdoten wissen. Etwa die, dass die Heiliggeistkirche mal als Turnhalle genutzt wurde, wie Kurt-Helmut Eimuth, Redakteur der Zeitung "Evangelisches Frankfurt" erzählt.
In den 20er Jahren war das. "Wo heute der Altar steht, stand eine Büste von Turnvater Jahn."

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