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Frankfurt für Anfänger: Die Strenge des Raums

Das Architekturmuseum will Regelhaftes und Kreativität in der Kunst des Bauens vermitteln. Von Matthias Arning

Mit Legobausteinen zum Architekt werden.
Mit Legobausteinen zum Architekt werden.
Foto: ddp

Früher war alles anders. Vielleicht nicht alles. Auf jeden Fall aber nicht besser. Christina Budde ist davon überzeugt. Denn "in der Vergangenheit", da sollte man sich aus heutiger Sicht auch nichts vormachen, "orientierte man sich viel zu sehr an einem Fachpublikum". Egal, ob es um Bauwerke russischer Avantgardisten, den Baumeister Poelzig und sein IG Farbenhaus oder die Stadt der Postmoderne ging. Und diejenigen, die sich dann von dem Programm des Deutschen Architekturmuseums nicht gerade angesprochen fühlten, "die kamen dann auch im Programm nicht vor". Früher, setzt die Museumspädagogin hinzu.

Um den Beweis dafür anzutreten, was sich heute eigentlich alles in dem Ausstellungshaus am Schaumainkai verändert hat, lenkt Christina Budde den Besucher an der aktuellen Ausstellung über Stadtumbauten in Europa zu Beginn des 21. Jahrhunderts vorbei in das obere Geschoss. Denn dort oben lassen sich die Geschichten erzählen, die auch jüngere Besucher gerne hören.

Deutsches Architekturmuseum

Die Lego-Baustelle des Museums öffnet wieder am 26. Dezember. Bis zum 31. Dezember können Kinder für den Wettbewerb Höher als Dubai - ein Hochhaus bauen. Vom 2. bis zum 7. Januar ist die nächste Konkurrenz dem Thema "Über Flüsse gehen - eine Brücke" vorbehalten.

Zwischen dem 8. und 11. Januar heißt das Motiv für junge Bauherren "Raum für dich & mich - ein Wohnhaus". Die Preisverleihung ist für Sonntag, 11. Januar, um 16 Uhr vorgesehen. New Urbanity ist das Thema der aktuellen Ausstellung im Erdgeschoss des Museums. Es geht um die Umbauten europäischer Städte zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Gleichzeitig sind die Arbeiten zum Wettbewerb für den Internationalen Hochhauspreis 2008 zu sehen. Öffentliche Führungen zu beiden Ausstellungen, noch dazu kostenlose, bietet das Museum samstags und sonntags jeweils um 14 Uhr (Urbanity) und 15 Uhr (Hochhauspreis) an.

"Museum in der Schule" nennen die Macher ein Projekt, das alle Jahrgangsstufen ansprechen möchte. Von der ersten Klasse an kann man sich beispielsweise bei Projekttagen über den Bau von Iglus und die Geschichte der Farben informieren.

Nähere Informationen und Anmeldungen über Museumspädagogin Christina Budde, die telefonisch unter der Nummer 2123-1076 zu erreichen ist. Geöffnet ist das Museum dienstags, donnerstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs von 11 bis 20 Uhr.

Etwa die vom Triumphzug des Eisens in Bauten der Neuzeit. So eine Führung, erzählt die gelernte Lehrerin, fange dann an dem einen der 25 Ausstellungskästen an, in dem sich die Eisenbahnbrücke von Coalbrookdale findet.

Dieser Nachbau im Modell gehört zu dem Panorama von der Urhütte zum Wolkenkratzer, das die ständige Ausstellung des Museums entfaltet. Ein durchaus beeindruckendes Panorama. Das lässt sich auch von den Bauten der Neuen Sachlichkeit aus zeigen, mit einem Modell der Bruchfeldstraße in Niederrad beispielsweise. Bei diesem Ausgangspunkt biete sich obendrein der Vorzug, mit jungen Besuchern sich anschließend die Siedlung des früheren Stadtbaumeisters Ernst May vor Ort ansehen zu können. Führungen dieser Art sind für das Museum heute eine Selbstverständlichkeit. Zum Thema Hochhaus geht es dann in die Commerzbank. Um auch die abzuholen, die nicht von sich aus kommen, habe das Museum "auch damit begonnen, das Haus zu verlassen", den Weg in die Schulen zu suchen.

Ein gutes Beispiel dafür ist aus Sicht der Museumspädagogin das Projekt mit dem Fotografen Gordon Watkinson, der für eine Ausstellung im kommenden Jahr Bilder der Moderne zusammen getragen hat. Um eben diese Moderne den Kindern zu vermitteln.

"Von Häusern und Menschen" heißt eine Aktion, die die Ausstellung begleiten soll. Eine Fotografiewerkstatt, die mit Hilfe der Aventis Foundation zustande kommt und von Watkinson geleitet wird.

Das ist Beiwerk, nicht Hauptprogramm. Wäre sonst auch bedauerlich, wenn man das Interesse an Architektur wecken könnte, ohne dieses Museum betreten zu müssen. Als Haus-im-Haus hat der Kölner Architekt Oswald Mathias Ungers die Ausstellungshalle konzipiert. Der Meister des Kubus ließ die Doppelhausvilla, die im ersten Jahrzehnt des zurückliegenden Jahrhunderts entstanden war, entkernen und von einer Glashülle umbauen. Ganz in weiß gehalten bietet das Haus dem Blick die Möglichkeit, nichts anderes als das ausgestellte Objekt in dem 1984 eröffneten Gebäude am Ufer des Mains zu erfassen. Ungers Orientierungen gelten in seinem Haus bis heute als Verpflichtung. So dürften malende Kinder allein die Bauhaus-Farben gelb, blau und rot verwenden sowie schwarz und weiß im Namen des Architekten nutzen, berichtet Christina Budde. Auch auf der Lego-Baustelle, die wieder am zweiten Weihnachtstag eingerichtet wird, gebe es allein blanke Steine, keine Lego-Neuigkeiten, mit denen Spielräume nur unnötig enger würden.

Immer wieder, sagt die Museumspädagogin, habe man in den vergangenen Jahren überlegt, ob man die ständige Ausstellung nicht ändern, nicht moderner machen sollte. Mittlerweile habe man die Möglichkeit geschaffen, via Bildschirm "verschiedene Themen zu vertiefen".

Und doch hätten sich die Museumsmacher, zu denen sie seit nunmehr vier Jahren gehört, dazu entschieden, das Panorama von der Urhütte zum Wolkenkratzer im oberen Geschoss bestehen zu lassen. Unverändert. So wie früher, eben. Weil man nicht alles anders machen müsse, sagt Christina Budde. Vor allem aber "weil doch die Kinder das lieben."

Autor:  MATTHIAS ARNING
Datum:  13 | 12 | 2008
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