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Automeile, Szenemeile, Werbemeile: Die Hanauer Landstraße zeigt Pendlern, Bewohnern und Besuchern im Lauf der Jahre viele Gesichter. Von Sebastian Amaral-Anders

Die  Autohändler auf der Hanauer Landstrasse spühren die Auswirkungen der Finanzkrise.
Die Autohändler auf der Hanauer Landstrasse spühren die Auswirkungen der Finanzkrise.
Foto: FR/Kraus

Die Kräne stören nicht. Es scheint, als seien sie unverzichtbarer Bestandteil dieses Panoramas, das sich dem Betrachter eröffnet, wenn er aus der 16. Etage des "Lighttowers" auf die Hanauer Landstraße blickt. Schwer liegt der Winterdunst über der Straße, auf der sich die Autos genauso schnurstracks geradeaus bewegen wie die Straßenbahn auf ihren Schienen in der Mitte der Fahrbahn. Langsam kämpft sich die Sonne durch das Grau, das Leben erwacht auf der Hanauer.

"Die Hanauer Landstraße lebt von ihren Brüchen", sagt Ralph Haerth, Sprecher der Interessengemeinschaft Hanauer Landstraße. Der "Lighttower", dieser glitzernde Büroturm gleich hinter der Großmarkthalle, ist so ein Bruch. Das einzige Hochhaus im Dunstkreis des Osthafens überragt alles andere, doch im Gewusel der Hanauer kann man selbst 75 Meter hohe Häuser schnell mal übersehen. Oder eben Kräne.

Hanauer Landstrasse

Als bedeutender Handelsweg zwischen Frankfurt und Leipzig ist die Hanauer Landstraße schon am Ende des 18. Jahrhunderts bekannt. Ihr Gesicht als Industrie- und Gewerbestraße erhält die Hanauer zwischen 1870 und 1920.

Die letzte Pferdebahn stellte 1904 ihren Dienst ein, bis 1910 wurden die Straßenbahngleise verlegt.

Zahlreiche Betriebe gaben ab den70er Jahren den Standort auf, in viele leer stehende Hallen zogen Künstler und Kreative.

An der Automeile stehen 34 Marken zum Verkauf - Platz 1 in Deutschland. Rund 50.000 Fahrzeuge sind täglich auf der Verkehrsader unterwegs. Rund 5500 Arbeitsplätze gibt es in den Büros an der Hanauer, der Leerstand beträgt rund 15 Prozent.

Weitere nformationen zur Hanauer gibt es hier

Kaum zu übersehen ist hingegen das Hotel "Goldman 25hours". Der ungekrönte König der Hanauer, Immobilien-Investor Ardi Goldman, zeigt hier Flagge. In großen roten Lettern, von oben nach unten, an der Ecke des knalligen Design-Hotels, in dem kein Zimmer dem anderen gleicht, bekennt sich Goldman mit seinem Namen zum Standort Hanauer Landstraße. Zu sagen, Goldman hätte an der Entwicklung des Standorts einen großen Anteil, wäre zweifelsfrei untertrieben. Er hat sie losgetreten.

Haerth, enger Freund und Berater Goldmans, hat in der Geschichte vom Aufstieg der Hanauer Landstraße ebenfalls eine zentrale Rolle gespielt. Genau genommen ist er so etwas wie der Erzähler dieser Geschichte. Seit 15 Jahren kümmert er sich um das Image der Straße, erledigt die PR eines Standorts, der sich ausgehend von einer brachliegenden Industriefläche immer wieder neu erfunden hat. "Automeile, Szenemeile, Werbemeile". Die Begriffe sind Haerth in Fleisch und Blut übergegangen. Gerade ist die dritte Auflage eines schicken Magazins "Eastside" erschienen, das auf 110 Seiten alle Vorzüge der "Location" Hanauer Landstraße anpreist. Die Straße hat sogar ihre eigene Internetseite.

Wenn Haerth Menschen über die Hanauer führt, wie er das beispielsweise schon in einem Volkshochschulkurs zum Thema Stadtentwicklung getan hat, beginnt er den Rundgang an der ehemaligen Union-Brauerei. Die "Keimzelle der Entwicklung" nennt er das Brauerei-Gelände, aus dem Goldman vor zehn Jahren den Künstler- und Szene-Hotspot des Frankfurter Ostens machte. Von der Straße aus könnte man den Hinterhof, um den sich Büros von "Kreativen", Clubs, Restaurants, Bars und Geschäfte gruppieren, beinahe übersehen. "Vieles muss man Besuchern erklären", sagt Haerth. "Die Autohäuser sehen sie gleich und sonst nichts."

Autos, Autos, Autos. Peter Enders, der mit seinen Kollegen vom benachbarten Fiat-Deutschland-Sitz im Restaurant "Das Leben ist schön" im alten Union-Brauhaus Mittagspause macht, sieht in der Ausfallstraße nach Osten auch nicht viel mehr als eine schier endlose Ansammlung von Autohäusern. "Für mich ist das eine reine Arbeitsstraße", stellt er trocken fest. Ganz anderer Ansicht ist man ein paar Tische weiter. Ein "gelungenes Stück Stadtentwicklung" sei die Straße heute, befindet Diether Mielko. Der ist aber auch Architekt und ein paar Jahre jünger als Peter Enders.

Der Wandel der Hanauer geht unterdessen munter weiter, wenn auch etwas weniger rasant als in den vorigen Jahren. Die Agentur Publicis etwa baut gerade einen neuen Firmensitz, genau wie Fitness First, ehemals bekannt als Fitness Company. Auch weitere Konkurrenz für die hippen Restaurants, Bars und Clubs, Geschäfte und Designer-Outlets, die sich zwischen Glas, Klinker und Edelstahl präsentieren, wird nicht lange auf sich warten lassen.

Warten allerdings müssen die Macher der Hanauer noch auf die Europäische Zentralbank (EZB). Der Umzug der Euro-Banker würde in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einen neuen Schub bringen. Sicher ist: Auch ohne die EZB bleibt die Hanauer in Bewegung. Und die Kräne, die gehören dazu.

Autor:  SEBASTIAN AMARAL ANDERS
Datum:  23 | 1 | 2009
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