Die Geschichte mit dem Sportwagen. Waren das Zeiten, damals, als das erste Geld gleich in den wohl geformten Sportwagen floss. Schneller Wagen, den Sabrina Setlur an diesem winterlichen Tag startete. Und gleich wieder ungewollt zum Stehen brachte.
Damals, an der Wand des ganz nahen Rödelheimer Hauses. Seitdem gehört die Geschichte von der Setlur, dem Sportwagen und der Häuserwand immer wieder zu den Geschichten, die man sich erzählt, sobald die Rede darauf kommt, was einem eigentlich zu Rödelheim einfällt.
Der Stadtteil im Nordwesten Frankfurts zählt knapp 18000 Einwohner und ist auch bei Studenten ob seiner gut erhaltenen Altbau- substanz überaus beliebt. 1910 gelangte Rödelheim in der ersten großen Eingemeindungswelle zu Frankfurt am Main. An Sehenswürdigkeiten ist der Stadtteil zwischen Bockenheim und dem Nordwestkreuz auf dem Weg nach Eschborn nicht arm: Neben der unter Denkmalschutz stehenden Antoniuskirche sollte man den Brentano-Park und das gleichnamige Freibad unbedingt nicht verpassen. Nach dem Erwerb der Freifläche hatte die Stadt das Parkschwimmbad 1926 geschaffen. Das um 1720 errichtete Petrihaus und der dort stehende uralte Ginkgo-Baum sind wie der Solmspark Anziehungspunkte.
Rödelheim, sagen dann viele, das sei doch der Frankfurter Stadtteil, der über die Grenzen der kleinen Metropole hinaus bekannt sei, weil Rapmusiker wie die Setlur von dort aus auf die Bretter der Welt traten. Oder eben der Ort, an dem sich hoffnungsvolle Nachwuchssänger in schnelle Autos wagten und zur Freude des Boulevards ihre kurze Fahrt gleich an der ersten Hürde zum abrupten Ende brachten.
Es gab auch andere Zeiten. Früher, als der Rödelheimer nur gelegentlich an Luxuriöses zu denken wagte. An eine eigene Kirche mochten die Katholiken noch Ende des 19. Jahrhunderts nicht glauben. "Allein die Erbauung ist leider ganz unmöglich", notierte Pfarrer Philipp Krohmann in den 90er Jahren, "denn die Pfarrangehörigen sind meist arm."
Immerhin konnte sich die Gemeinde nach Jahrzehnten der Bedeutungslosigkeit, die Reformation und Säkularisierung mit sich gebracht hatten, mittlerweile an kräftigem Zuwachs erfreuen: Neben den traditionell in Rödelheim dominanten Protestanten, die sich schon in der frühen Neuzeit in der Cyriakusgemeinde zusammen geschlossen hatten, gelang es den Katholiken zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals, von der Zahl der Gläubigen her mit der jüdischen Gemeinde gleichzuziehen.
Was den Ehrgeiz der Christenmenschen angestachelt haben dürfte. Und selbst wenn sie nur über bescheidene Mittel verfügten, gründeten die Katholiken einen Kirchbauverein, um einen angemessenen Ort des Gebets schaffen zu können.
Aus heutiger Sicht kann man sagen: Sie haben zwischen 1892 und 1894 an der Alexanderstraße aus Backsteinen im neugotischen Stil einen prächtigen Kirchenbau geschaffen, der nach mehrfachen Renovierungen und dem weitgehenden Wiederaufbau nach den Zerstörungen in einer Bombennacht des Jahres 1944 heute unter Denkmalschutz steht - die Antoniuskirche, benannt nach dem heiligen Antonius von Padua, der als Heiliger an der Pforte des Sakralbaus wacht.
"Eine wirkliche Sehenswürdigkeit", sagt Elisabeth Binz. Sie managt das Gemeindebüro der Katholiken, die mittlerweile zu einer Art Sammlungsbewegung geworden sind. So gibt es in Rödelheim nicht mehr die Gemeinde im traditionellen Sinne, sondern "den pastoralen Raum Nidda", ein Zusammenschluss der Schäflein in Zeiten der Abkehr vom Glauben. Was sich allerdings als Trend nicht mehr ohne weiteres beschreiben lasse, gibt Elisabeth Binz zu bedenken, immerhin sei die Kirche bei gemeinsamen Messen mit indischen und indonesischen Gläubigen überaus gut gefüllt.
Im pastoralen Raum fanden die Gemeinden St. Anna in Hausen, St. Raphael am Industriehof, Christ-König in Praunheim und St. Antonius in Rödelheim zusammen. Sie gaben sich ein gemeinsames Zeichen: Vier Kreuze, von denen jeweils zwei oberhalb und zwei unterhalb eines geschwungenen Laufs platziert sind.
Dieser Lauf steht für die Nidda, den Fluss, der Rödelheim jahrhundertelang zu einem zentralen Flecken zwischen Frankfurt am Main und dem Taunus machte, an dem sich der Handel orientierte, bis das benachbarte Höchst seinen Aufschwung erlebte und Rödelheim den Status streitig machte.
Bis heute schafft der Fluss Freiräume. An einen von ihnen grenzt die angemessen bezeichnete Straße Auf der Insel und meint eigentlich den Solmspark. Der andere trägt den Namen der Familie Brentano, die anders als die meisten Rödelheimer zu Beginn des 19. Jahrhunderts über ausreichende Mittel verfügte, um diese großzügig bemessene Freifläche zu erwerben. Dort findet sich auch das erhaltene Petrihäuschen, das Bettina von Arnim, Johann Wolfgang von Goethe und Clemens Brentano regelmäßig besuchten.
Neben Sehenswürdigkeiten wie die Antoniuskirche und das Petrihaus hat Rödelheim auch für den Alltag einiges zu bieten. Das lässt sich entlang der Reichsburgstraße erschließen, die dann in der Lorscher Straße aufgeht und den Weg in Richtung Nordwestkreuz und Eschborn beschreibt. An ebendieser Straße kommt der Freund der in zarten Blätterteig eingefassten Marzipanrolle zu seinem guten Recht. In einer Patisserie, die man besser nicht verpasst.

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