Die Börsenstraße rüber, Richtung Opernplatz gibt sich Frankfurt zugeknöpft. Die schmale Straße, die Goethe auf dem Schilde trägt, wahrt Diskretion. Und freundlich kühl Distanz. Einkaufen ohne Aufsehen zu erregen, aber zu aufsehenerregenden Preisen. Bitte lächeln, stets zuvorkommend sein: Hier gibt es keine mürrischen Verkäuferinnen, aber alle Luxusmarken der Welt. Von A wie Armani, Aigner, August Pfüller, über C wie Chanel oder Cartier, G wie Gucci, Golfino, Guy Laroche bis Prado, Picard, Tiffany, Versace, Vertu oder Ermenegildo Zegno.
Fifth Avenue Frankfurts
Die Luxus-Einkaufsmeile parallel zur Freßgass' zweigt am Rathenauplatz von der Börsenstraße ab und führt knapp 300 Meter bis zum Opernplatz.
Als Straßendurchbruch wurde sie 1892 bis 1894 angelegt. Die Stadt kaufte dafür 37 Gebäude zum Abriss.
Am Horst-Lippmann-Platz führt eine Passage zur Kleinen Bockenheimer Straße mit Jazzkeller und Jazzhaus.
Die alte Reichsstadt wird lebendig: Welche Ereignisse waren einst Stadtgespräch am Main? Zeitzeugenberichte und Hintergrundwissen rund um das historische Frankfurt im Frankfurt-Blog.
Das Alphabet des Luxus. Lückenlos. Goethestraße: die Luxusmeile Frankfurts, Straße der Schönen und Reichen, die Stadt spricht auf ihrer Homepage gar von der "Fifth Avenue" Frankfurts. Auch wenn der Vergleich angesichts des knapp 300 Meter langen Straßenzugs gewagt sein mag: Da sind sie doch alle. Flagge zeigen, nur darum geht es, gibt eine Mitarbeiterin von Gucci unumwunden zu. Kundenwerbung und Verkaufsakquise ist in den Edelboutiquen mit glänzenden Natursteinböden, goldenen Handläufen an Treppen und Großleinwänden, auf denen Models über die Laufstege schreiten, angesagt. "Die Sachen verkaufen sich von allein", sagt die junge Gucci-Mitarbeiterin. Wenn das Titelseiten-Model von Vogue mal wieder eine Gucci-Tasche am Arm baumeln lässt, weiß sie, dass sie die im Lager haben muss.
Andrang gibt es trotzdem nicht im Laden, in dem die jungen und schönen Mitarbeiter samt Sicherheitspersonal im dunklen Anzug nur Staffage zu sein scheinen. Verkauft wird trotzdem. "Aber diskret." Auch jenseits üblicher Ladenschlusszeiten, die auf der Goethestraße ohnehin niemand interessieren. Schlag 19 Uhr rattern die Rollgitter scheppernd zu Boden. Verkauft wird eventuell auch später. An diesem Abend bei Cartier. Ein Türsteher nimmt die geladenen Gäste in Empfang und weist durch die Tür. "Private Sale." Privater Event für Kunden, mit Sekt und Häppchen. Niemand spricht darüber in der Goethestraße, sagt die Gucci-Verkäuferin. "Aber alle machen es." Samstag-Events für Stammkunden, Modeschauen mit neuen Kollektionen und anschließendem Verkauf. "Aber nur für ein geladenes Publikum." Bisweilen auch tagsüber. Dann rattern die Rollgitter schon am helllichten Tag, geht nichts mehr fürs gemeine Volk, nur noch für sie: Familien-Clans aus den arabischen Emiraten, Superreiche aus Russland, Tokio oder sonst wo in der Welt. Einkauf nach Absprache. Top secret. Von Umsatz spricht niemand. Nur, dass so ein Exklusiv-Einkauf den Monatsumsatz eines Ladens auf der Zeil ausmachen könnte.
Wer zur Stammkundschaft der Goethestraße zählt, würde nie die Grenze zur Zeil überschreiten, sind sich die Mitarbeiter von Gucci durch die Bank sicher. Umgekehrt schon. "Es kommt nicht mehr nur die Upper-Class-Klientel." Auch immer mehr Mittelklassekunden kämen zum Shoppen, Leute, die für gewöhnlich auf der Zeil einkaufen gingen. "Manche lassen sogar mehr Geld auf einen Schlag hier, als unsere Stammkunden." Sie frage sich manchmal, woher das Geld stamme. Nur heimlich versteht sich. Nach außen hin wird gelächelt. Schließlich gibt es die hauseigenen Verhaltensregeln. "Danach arbeiten und leben wir." Trotzdem beginnt hinter dem Goetheplatz, Richtung Zeil, eine andere Welt. Mit der Interessengemeinschaft der Geschäfte dort haben die internationalen Nobelmarken der Goethestraße nichts zu tun. Sie präsentieren sich auf eigener Homepage und mit eigenem Journal. Geschlossene Gesellschaft.
Wobei das, was 1892 bis 1894 als schnöder Straßendurchbruch begann, um südlich der Freßgass', den Verkehrsfluss zwischen Opernplatz und Rossmarkt zu verbessern, kaum schön zu nennen ist. Die gepflasterte Fahrbahn ist beidseits chronisch zugeparkt, die stattlichen Gründerzeithäuser von einst sind fast alle im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs untergegangen. Fünfziger-Jahre-Bauten und Funktionsriegel aus den 70ern sind dann entstanden. Teils mit edlen Materialien auf modern getrimmt - auf Kosten der schlanken Optik und filigranen Fassadenstruktur der 50er.
Doch ist die Straße ein Publikumsmagnet, bestätigen die Mitarbeiter in den Edelgeschäften. Ein "Muss" für Touristen aus Japan oder den USA, die täglich durch die 300 Meter-Schneise pilgern. Schauen, Stöbern, Knipsen. Und Lächeln bitte!

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