Es ist der Ort der Geschichte. Der erzählt, wie alles angefangen hat in Frankfurt und mit Frankfurt. Der die Vergangenheit der Stadt bewahrt. Der im Grunde selbst Vergangenheit ist, voller Geschichten steckt, mit Umbrüchen, Anfängen. Zurzeit sind wieder welche im Gange. Am Vorplatz des Karmeliterklosters an der Münzgasse, dem Sitz des Instituts für Stadtgeschichte, flattern rot-weiß-gestreifte Absperrbänder im Wind, Bauzäune versperren den Zutritt. Der historische Bau wird saniert. Ein weiteres mal.
Nur um die Ecke, in der Klosterkirche an der Karmelitergasse bleibt der Zutritt in die Frankfurter Vergangenheit offen. Als steinernes Zeugnis liefert der Bau selbst seinen Beitrag dazu. Nicht nur, weil das Archäologische Museum darin seine Heimat hat, sondern weil die gotische Kirche selbst 1944 beim Bombenangriff auf die Stadt zerstört, 1989 von dem Architekten Josef Paul Kleihues wieder aufgebaut und um einen modernen Neubauflügel erweitert wurde. Spuren der Geschichte, in die Gleichzeitigkeit der Moderne geholt.
Als Museum für heimische Vor- und Frühgeschichte wurde es 1937 gegründet. 2002 wurde es in Archä-ologisches Museum umbenannt. Neben der Dauerausstellung und Sonderausstellungen zu Archäologie und Kunstgeschichte Europas und des Alten Orients richtet das Museum regelmäßig Musikabende, Vorträge und Feste aus. Nächste Sonderausstellung: Das weiße Gold der Kelten, das Salzbergwerk von Hallstadt; 29. 11. bis 26. 4. 2009; Wegen Aufbaus bleibt das Museum vom 24.- 28.11. geschlossen. Karmelitergasse 1, Di.-So.: 10-17Uhr, Mi.: 10-20 Uhr; 212-35896.
Nicht nur außen. Der moderne Museumszugang führt nahtlos ins restaurierte Kirchenschiff mit weiß verputzten Wänden, ochsenblutfarbenen Wandpfeilern und Nischenbögen. Nur der Blick ins Gewölbe des Längsschiffs erinnert an klaffende Wunden nach Brand, Bombardement und Jahrzehnten des Ruinendaseins. Das spätgotische Kreuzrippengewölbe ist im westlichen Teil durch moderne Stahlbinder ersetzt. Historie trifft Neuzeit. Der Auftrag des Archäologischen Museums ist im Karmeliterkloster Konstruktionsprinzip. Macht neugierig auf die Objekte der Geschichte, die in Schaukästen und auf Präsentationsflächen warten.
Die Zeitrechnung beginnt 9500 vor Christus. Bei Prähistorie und Eisenkeil. 3000 vor Christus siedelten nachweislich Menschen auf dem Domhügel. U-Bahnbau, Bombenkrater und Bautätigkeiten haben die Geheimnisse preis gegeben, die im Museum zum öffentlichen Gut werden: Keltisches Werkzeug und Schmuck, die Skelettreste eines Keltenfürsten.
Zwischen den Vitrinen der Ausgrabungen fällt der Blick durch die Fenster auf den Kreuzgang des Karmeliterklosters, fantasieren sich die Gedanken zu dessen Anfang im 13. Jahrhundert, als die Einsiedler vom Berge Karmel, nach dem Ende der christlichen Herrschaft in Palästina zurückkehrten ins Abendland, unter anderem auch in Frankfurt neue Niederlassungen gründeten. Rund ein Dutzend der "Brüder unserer lieben Frau vom Berge Karmel" erhielten auf dem heutigen Klosterareal eine notdürftige Unterkunft.
Dank ständiger Spenden der wohlhabenden Händler in der Stadt, die nicht nur danach strebten, dass Frankfurt als Handels- und Messestadt florierte, sondern auch an ihr Seelenheil dachten, errichtete die Ordensgemeinschaft in den folgenden zweieinhalb Jahrhunderten die Profan- und Sakralbauten des Klosters.
Im Haupt- und Längsschiff wird die Zeit allerdings um etliche Jahrtausende zurückgeschraubt. Zurück bis zur Zeit der Römer, die am Domhügel einen Beobachtungsposten mit Thermen unterhielten, während sich das zivile Leben in Nida, dem heutigen Heddernheim abspielte. Schmuck, Reiterhelme, Reste von Jupitersäulen. Oder jene Genius-Statue, die Titus Flavius Sanctinus, Soldat der 22. frommen und treuen Legion, gestiftet hat - wie die Inschrift bis heute bezeugt.
Den Römern folgten die Alamannen und Franken. Grabfunde aus Niederursel, Praunheim und Nieder-Erlenbach sind im Museum versammelt. Und natürlich Rekonstruktionen der Kaiserpfalz vom Domhügel und Schmuckstücke, die das berühmte Mädchengrab aus dem Dom illustrieren.
Bis sich im Seitenflügel des Neubaus schließlich noch eine ganz eigene Facette des archäologischen Interesses offenbart: Schätze der klassischen Antike, die vor allem auf die Sammelleidenschaft des Frankfurter Bürgertums zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Ebenso Kleinkunst, Keramiken, Waffen, Schmuck aus dem Alten Orient. In den Vitrinen offenbart sich eine der umfangreichsten Sammlungen ihrer Art aus dem alten Iran. Noch eine eigene Geschichte.

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