Die Frage, was Frankfurt ist, können Makler von Büroimmobilien mit drei Buchstaben beantworten: CBD - Central Banking District. Liegt ein Bürogebäude, vorzugsweise ein Hochhaus, innerhalb dieses Bereiches zwischen Hauptbahnhof und Opernplatz, gehört es für die Makler zu Frankfurt. Das Hochhausensemble Kastor und Pollux im Schatten des Messeturms dagegen, ist klar draußen. "Wir wurden lange Zeit als Nicht-Frankfurt-Standort gesehen", sagt Jürgen Overath vom Immobilien-Investor German Acorn Real Estate, der das kleinere Hochhaus Kastor vermarktet.
Vom Dach des großen Bruders Pollux gegenüber, aus gut 130 Metern Höhe, hat man dafür einen großartigen Blick auf die Hochhäuser des Central Banking Districts. Eine ganz andere Perspektive öffnet sich, wenn man den Blick in die andere Richtung wendet. Hinter den brüderlichen Hochhäusern dominiert die Öde, einzig zerschnitten von der Europaallee, die irgendwo tief im Westen am Horizont verschwindet. Wo derzeit noch Bagger durch die Brache des ehemaligen Hauptgüter- und Rangierbahnhofs rattern, soll in den nächsten Jahren das Europaviertel weiter wachsen. Und mit ihm eine Lücke zwischen den ungleichen Zwillingstürmen und der Stadt geschlossen werden.
Nach einem Entwurf des New Yorker Architekturbüros Kohn Pederson Fox Associates wurden die beiden Häuser zwischen 1994 und 1997 gebaut. 130 Meter ist Pollux hoch, Kastor dagegen nur 95 Meter. Dennoch hat Pollux mit gut 33.000 Quadratmetern nur geringfügig mehr Mietflächen als sein kleineres Gegenüber.
Die Namen Kastor und Pollux sind der griechischen Mythologie entlehnt. Pollux war als Sohn von Zeus und Leda ein Halbgott, sein Halbbruder Kastor, den Leda in der gleichen Nacht gebar, war dagegen sterblich.
Die ungleichen Zwillinge geben auch einem Sternenpaar den Namen. Die beiden schlanken Türme stehen am Platz der Einheit etwa 70 Meter voneinander entfernt, getrennt durch eine Grünanlage mit einer Lichtskulptur des Schweizer Künstlers Christian Herdeg.
Vorgänger der beiden Hochhäuser auf dem Grundstück an der Friedrich- Ebert-Anlage unmittelbar neben dem Messeturm war die ehemalige Hauptverwaltung der Deutsche Bahn AG.
Die Gebäude wurden 1994 spektakulär gesprengt. Die Türme stehen sich mit ihrer geraden Fassade gegenüber. Den Eindruck eines Ensembles verstärken die nach außen gekrümmten Außenseiten der Gebäude.
Dresdner Bank zieht aus
Als Eingangsportal zum Europaviertel sahen die Stadtplaner die Türme bereits vor knapp zwölf Jahren, als das Ensemble, damals noch unter dem Namen "Forum Frankfurt", nach drei Jahren Bauzeit feierlich eröffnet wurde. Seitdem wurde über das Europaviertel vor allem diskutiert, gewachsen ist noch nicht viel. Und Kastor und Pollux mussten weiter leider draußen bleiben.
Angesichts dieser Umstände haben sich die beiden schnittigen Bürohäuser über die Jahre recht gut über Wasser gehalten. Von Anfang an war im Pollux die Dresdner Bank als Hauptmieter eingezogen und hat 24 der 32 Bürogeschosse belegt. Doch jetzt steht der Auszug kurz bevor, und Stockwerk 27, ebenfalls mit einem Panoramablick zu den benachbarten Wolkenkratzern ausgestattet, gewinnt enorm an Bedeutung. Hier hat der Eigentümer, die Immobiliengesellschaft IVG, eine Musteretage eingerichtet. Ein gewagt roter Teppich führt zu Büros, die mustergültig eingerichtet, aber menschen- und inhaltsleer sind. Es sind nicht die besten Zeiten, um mehr als 27 000 Quadratmeter Büroflächen zu vermieten. Ein paar heiße Interessenten soll es dennoch geben.
Während beim Pollux also die neue Vermarktung in die heiße Phase tritt, wähnt man beim 95 Meter hohen Kastor die Talsohle bereits durchschritten. Als German Acorn das Haus vor zwei Jahren übernommen hat, stand nach Angaben des Unternehmens die Hälfte leer. Inzwischen seien fast alle 22 Stockwerke wieder vermietet; zuletzt ist das Generalkonsulat von Malaysia eingezogen. "Zukunftsorientierte Unternehmen" wählen den Standort, heißt es. Was so viel bedeuten soll, wie: Bald werde man nicht mehr Abseits stehen, sondern im blühenden Zentrum der Stadt.
Eingang zum Europaviertel
Im Jahr 2009 braucht es noch immer viel Überzeugungskraft der Turminhaber, um das Ensemble als Eingangstor zum Europaviertel zu positionieren. Obwohl die beiden gegenüberliegenden Türme tatsächlich ein Tor bilden, ein Tor ins Nichts allerdings. Noch. Das leidige Etikett als Standort "neben dem Messeturm" oder "an der Messe" jedenfalls hält sich zäh, solange es kaum Greifbares im Europaviertel gibt. Immerhin werden im "Baufeld Süd" gerade die ersten 187 Wohnungen gebaut, bis zur Jahresmitte sollen die ersten Mieter einziehen. Anschluss an die Stadt bekommen Kastor und Pollux aber auch an der Friedrich-Ebert-Anlage, wenn direkt nebenan der Tower 185 gebaut wird. Gerade heben Bagger die Grube immer tiefer aus, bevor es bis Ende 2011 dann 185 Meter in die Höhe geht.
Umgeben von den "landmarks" Messeturm und Tower 185 konzentriert man sich bei der Vermarktung des Pollux-Turms lieber auf die Positionierung als Entree zum Europaviertel - und macht sich die für Hochhäuser ungewöhnlichen Namen zu Nutze. Denn Kastor und Pollux sind die lateinischen Namen der Dioskuren aus der griechischen Mythologie, die als Zwillingsbrüder auch Namensgeber eines hellen Sternpaares im Wintersternbild der Zwillinge sind. Pollux - Der Stern im Europaviertel, lautet der Slogan. Es muss ja nicht immer CBD sein.

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