Ömer Gezer weiß, wann es an der Zeit ist. Wenn der Augenblick für den Kartoffelsalat, ganz klassischen Kartoffelsalat mit Frankfurter Würstchen, kommt. Im Laufe jener Nacht während der Buchmesse, wenn der Autor seine Lesung, diesen ganz besonderen Auftritt bei der Bücherschau hinter sich hat. Jedes Jahr im späten Herbst naht dieser Moment, in dem Ömer Gezer, der Barchef, weiß: Zeit für den Kartoffelsalat.
Im Grunde kennen sich im Frankfurter Hof viele Bedienstete wie Ömer Gezer gut aus damit, was Gästen ganz besonders behagt. Zwei Drittel der Besucher des Nobelhotels sind Stammgäste. "Wir", sagt Elisabeth Perwanger, "wir wissen, was der Gast gern mag." Diese Kenntnis mache nun mal den vielleicht kleinen, vor allem aber feinen Unterschied zu anderen Häusern aus, die eben nicht so viel "Liebe zum Detail aufbringen". Und deshalb, da ist sich Elisabeth Perwanger, die sich gemeinsam mit Sonja Behnke-Wirths um die Präsentation des Hotels bemüht, ganz sicher, und deshalb könne der Frankfurter Hof in der Mitte der Stadt von sich behaupten: "Wir sind das erste Haus am Platze."
Das Fünf-Sterne-Deluxe-Haus am Kaiserplatz gehört zu den 50 besten Hotels der Welt.
Das 1876 erbaute Luxushotel bietet 321 Zimmer, eine Präsidentensuite und 41 Junior-Suiten.
Für Frankfurt-Reisende macht das Hotel verschiedene Angebote. So kostet die Nacht in der Nobelherberge mit "Sleep&Brunch" 199 Euro. Für die Thomas-Mann-Suite berechnet der Frankfurter Hof 1500 Euro pro Nacht.
18 Konferenzräume, 18 bis 500 Quadratmeter groß, lassen sich für Tagungen und Geburtstagsfeiern mieten.
Im Gourmet-Restaurant Francais bietet Sterne-Koch Patrick Bittner klassische französische Küche, bevorzugt Fisch-Gerichte. Auf der Karte finden sich auch zwei Menüs mit sieben und acht Gängen. Etwas bodenständiger isst man nebenan in dem Bistro-Restaurant Oscars, das von vielen Angestellten aus den benachbarten Bürotürmen zum Lunch genutzt wird. Nach dem Essen treffen Hotelgäste wie auch Einheimische an der Autorenbar zusammen, die als Mittelpunkt des Frankfurter Hofs gilt.
Frankfurt für Anfänger: Eiserner Steg, Goethe-Haus oder May-Siedlung - alle Teile der Serie finden Sie hier.
Beide Damen sagen das in dem Wissen, mit Widerspruch nicht rechnen zu müssen, vielmehr auf prominente Kronzeugen zurückgreifen zu können. Thomas Mann etwa. Gerne verweisen Perwanger und Behnke-Wirths auf den Brief, den der Literat am 27. Mai 1907 an seinen Bruder Heinrich schrieb. "Was ein wirkliches Grandhotel ist, habe ich erst in Frankfurt wieder gesehen", notierte der Schriftsteller, "im Frankfurter Hof, da weiß man noch, wofür man zahlt und thut's mit einer Art Freudigkeit." Und so ließ sich das Hotel nicht zweimal schmeicheln und benannte eine Suite des fünfgeschossigen Hauses aus dem Jahr 1876 nach Thomas Mann. Die zweitgrößte Suite nach der Präsidenten-Suite. 130 Quadratmeter im zweiten Stock. Ein geräumiges Zimmer mit vielen Sesseln, separiert davon der Schlafraum, die Toilette und das in grauem Marmor und schwarzem Granit gehaltene Badezimmer.
In der Junior-Suite ein Stockwerk obendrüber sind Schlafzimmer und Wohnraum nur durch Klappläden voneinander getrennt. Dafür ist das Bett ein Himmelbett. Dieses Zimmer, sagt Sonja Behnke-Wirths, würde man sicherlich nicht einem Manager anbieten, diese Suite bleibe zumeist Liebenden vorbehalten. Dabei spielt es keine Rolle, woher Frischvermählte oder Ewigverheiratete kommen. Nicht selten würden sich auch Frankfurter im Hotel einquartieren, um jenseits allen Trubels ein angenehmes Wochenende in ihrer eigenen Stadt zu verbringen. Oft kämen Bekannte auf die Idee, einen Opernabend mit einer Nacht im Hotel zu verschenken. Die Frankfurter, daran könne es überhaupt keinen Zweifel geben, genössen es. Weil man zum Kaiserplatz hin einen so schönen Ausblick hat und sich sommertags gleich überlegen kann, ob man vielleicht links auf der Terrasse des Restaurants Francais oder aber vielleicht doch besser rechter Hand auf einem der Freisitze des Bistros Oscars einen Platz suchen will.
Beide Restaurants sind von der Kaiserstraße aus direkt zu erreichen. Und das erweise sich als "ausgesprochen gut", sagt Elisabeth Perwanger. Damit schaffe man den Zugang zum Frankfurter Hof, ohne an der Rezeption vorbei und die gesamte Eingangshalle queren zu müssen. Insofern sei die Nobelherberge auch "das Hotel, wenn man Lokales erleben möchte". Bewusst wolle man Grandhotel und Gudd Stubb zusammen bringen. Elisabeth Perwanger und Sonjas Behnke-Wirths nennen dieses Vorhaben "Germanness", was ein bisschen wie Wellness klingt und darauf verweist, dass der Frankfurter Hof "ein deutsches Grandhotel mit lokalen Bezügen sein will".
Das Restaurant aber heißt Francais und verspricht französische Küche. Sternekoch Patrick Bittner beweist sein Können zumeist mit Fischgerichten. Auf der aktuellen Karte bietet er beispielsweise bretonischen Rochenflügel auf Mangold-Brotsalat mit Artischocken und Apfelessig an. Das Ganze für 29 Euro.
Für den späten Hunger kann man in der Autorenbar Kartoffelsalat bestellen. Den bringt dann Ömer Gezer, wenn er weiß, dass der Gast in diesem Augenblick partout gerne diesen schlichten Kartoffelsalat mit einem Pärchen Frankfurter hätte. Gezer kennt seine Besucher. Das gilt nicht nur für das Essen, Gezer weiß auch um Trinkgewohnheiten. Und so ist für den Barchef völlig klar, dass er an diesem Wochenende unbedingt das recht kohlensäurearme Pils aus Duisburg parat haben sollte. Schließlich ist es dieses Pils, das der frühere Kanzler allen anderen Pilssorten gegenüber bevorzugt.

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