Wenn man sich nicht so gut auskennt in der Stadt und Lust auf eine gute Torte hat, dann sollte man ein Café aufsuchen, in dem möglichst viele Omas sitzen. Omas wissen, wo es gute Torten gibt. Im Café Mozart in der Töngesgasse ist die Oma-Dichte immer relativ hoch, aus tortentechnischen Gründen. Das Allerbeste am Mozart aber ist, dass man, wenn man mit Kaffee und Torte fertig ist, nur auf die andere Straßenseite gehen muss, um auch noch mal schnell beim Opa vorbeizuschauen.
Erst Mozart, dann Mundart
Das Stoltze-Museum der Frankfurter Sparkasse in der Töngesgasse 34 - 36 ist montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9.30 bis 17 Uhr, mittwochs von 9.30 bis 20 Uhr geöffnet.
Der Eintritt ist frei. Gruppenführungen müssen vorher telefonisch unter der Telefonnummer: 069/ nummer 26 41 40 06 vereinbart werden. Informationen über das Museum gibt es auch im Internet unter www.frankfurter-sparkasse.de. Auf Wunsch bietet Petra Breitkreuz auch historisch-literarische Führungen für bis zu 35 Gäste an. Die Tour führt zu Orten, die für Friedrich Stoltzes Leben von Bedeutung waren, und beinhaltet auch zahlreiche Textproben. Friedrich Stoltze wurde am 21. November 1816 in Frankfurt geboren und starb dort am 28. März 1891. Er war Mitbegründer der Frankfurter Carnevals-Gesellschaft "Die Bittern" und 1860 Mitorganisator des ersten Fastnachtsumzuges in Frankfurt. Mit am bekanntesten: Das "Frankfurt- Gedicht" ( "Wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei") und "Die Blutblas". 1866 floh er vor den Frankfurt besetzenden Preußen nach Stuttgart, später in die Schweiz, kehrte nach einer allgemeinen Amnestie wieder zurück. Seine Zeitung "Frankfurter Latern" war mehrere Jahre verboten.
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Das Stoltze-Museum der Frankfurter Sparkasse ist ein würdiger Ort, um ein Frankfurter Universalgenie zu ehren. Denn Stoltze war mehr als ein einfacher Mundartdichter. Er war ein streitbarer Freigeist, ein Erzdemokrat, ein Patriot, ein zwölffacher Vater, einer der emsigsten Bismarck-Verspotter, einer, der selbst so schrecklichen Sachen wie der Frankfurter Fassenacht komische Seiten abgewinnen konnte, einer, der sich scheinbar vor gar nichts fürchtete - nur vor Offenbach natürlich, doch dazu später. Also einer, dem man mit Fug und Recht den Ehrentitel "Opa Frankfurt" verleihen kann. Friedrich Stoltze hätte ihn wohl angenommen.
Petra Breitkreuz ist die Herrin in Opas Reich. Die 50-jährige Historikerin kümmert sich seit 1989 ausschließlich um Stoltzes Nachlass, der entlang der 120 Stufen im Turm des einstigen Patrizieranwesens derer von Schönborn zu sehen ist. Sie weiß so gut wie alles über den Idealisten, der "in die Zeit des Deutschen Bundes" hineingeboren worden war und sich nichts sehnlicher wünschte, als ein großdeutsches Reich in Staatsform einer Republik - und ein kleindeutsches Kaiserreich bekam.
Geboren wurde Stoltze am 21. November 1816 als Sohn eines Gastwirts, der die Kneipe "Zum Rebstock" betrieb - etwa an der Stelle, an dem heute das Haus am Dom steht. "Ein Treffpunkt der so genannten Demagogen" sei der Rebstock gewesen, weiß Breitkreuz zu berichten, und so hörte bereits der junge Stoltze Dinge, die eigentlich "nicht für unschuldige Kinderohren" gedacht waren.
Überhaupt hatte die ganze Familie etwas leicht Anarchisches. Der Vater schleppte den jungen Stoltze mit aufs Hambacher Fest, seine Schwester Anette musste eine Haftstrafe von vier Monaten absitzen, weil sie 1833 in den Frankfurter Wachensturm involviert war. Stoltze selbst stand sowieso ständig mit einem Bein im Knast, hatte aber Glück.
Und eine resolute Ehefrau, die dafür sorgte, dass er nicht in den Bau wanderte - etwa durch einen Besuch in Offenbach, das zum Herzogtum Hessen-Darmstadt gehörte und wo gegen Stoltze ein Haftbefehl vorlag, der der Freien Reichsstadt Frankfurt herzlich egal war. Marie, eine geborene Messenzehl, war es denn auch, die ihn heraushaute, als er 1860 in Königstein zur Kur war - und sie ihm mal wieder einen Sohn schenkte. Was Stoltze in der lokalen Presse stolz herausposaunte, womit er die Behörden auf den Plan rief. Stoltzes Frau eilte persönlich nach Königstein, machte die Wächter, die bereits vor der Tür ihres Mannes postiert waren, besoffen und steckte ihren Kerl schleunigst in die Kutsche gen Frankfurt. Damit hatte sie dem chronischen Spötter einmal mehr den Hintern gerettet.
Wenn man im Turm die 120 Stufen raufgegangen ist, dann weiß man nicht nur viel über Stoltzes Leben - etwa, dass er mit Kumpel Wilhelm Rieger oft Sauerkraut und Leberklöße spachtelte -, dann hat man auch die vermutlich größte Sammlung an Bismarck-Karikaturen gesehen, die aus einer Feder stammen. Stoltze war vom Eisernen Kanzler wie besessen - und als Willi Zwo den Lotsen von Bord warf, zeigte Stoltze, dass ein Frankfurter augenzwinkernd verzeihen kann: "Ach, geh'n se fort un bleiwe se doch noch e bissi da" lauten seine letzten Grußworte an Bismarck. Was nicht heißen soll, dass er die Besetzung der Freien Reichsstadt durch die verhasste preußische Armee jemals vergessen, geschweige denn verziehen hätte.
Ein Bild von Stoltzes erstem (und einzigem unehelichen) Sohn Adolf hängt in einem Zimmer, in dem man auch Stoltzes Sofa bewundern kann. Adolf Stoltze war denn auch der einzige aus der großen Kinderschar, der in die Fußstapfen seines Vaters trat und literarisch aktiv wurde - was das Verhältnis der beiden manchmal doch stark belastete, wie Petra Breitkreuz berichtet. Das Ölgemälde ist ein Geschenk des Patenkindes von Adolf Stoltze. Der Mann war kurz davor, in die Dominikanische Republik auszuwandern. Das Bild aber sollte hierbleiben. Er überreichte es Breitkreuz mit den Worten: "Ein Stoltze gehört einfach nach Frankfurt."
Wenn man den Satz auf Frankfodderisch babbelt, dann hat man irgendwie auch das Lebenswerk Friedrich Stoltzes in einem einzigen Satz zusammengefasst - wenn das überhaupt geht.

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