Dem Satz, auf die in Frankfurt viele gewartet haben, geht eine fünf Seiten lange Stellungnahme voraus. Sabahaddin Türkyilmaz teilt zum Ende seines langen Briefes an die Öffentlichkeit mit, dass er "zum Schutz" der Gemeinde, aller beteiligten Familien, der Muslime in der Stadt und des - "wenn auch nunmehr beschädigten" - Dialogs "mit sofortiger Wirkung" von allen seinen Ämtern in der Hazrat-Fatima-Gemeinde zurücktritt.
In seiner Stellungnahme macht Türkyilmaz deutlich, dass er die Kritik an seiner Teilnahme an den Al-Quds-Demonstrationen und an seinen Predigten nicht für berechtigt hält. Er habe von seinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht. Alle seine Reden, Publikationen, Äußerungen im Öffentlichen wie auch im Privaten seien im "Rahmen des Grundgesetzes und der Einhaltung des deutschen Rechts" erfolgt, lässt der 44-Jährige wissen.
Der Geistliche spricht von einer "Kampagne gegen meine Person"; diese Kampagne reihe sich "nahtlos in den Rahmen des neuen Feindbildes Islam und Muslime in Deutschland und Europa", trage "die Züge einer Meinungsunterdrückung" und sei mit einem demokratischen System nicht vereinbar. Gegen den Vorwurf, antisemitisch zu sein, wehrt sich Türkyilmaz und formuliert seine Position in Frageform: "Ist es denn ein Verbrechen, wenn man sich in Deutschland auf die Seite der Menschen stellt, die seit sechs Jahrzehnten unter einer unmenschlichen Besatzung leben?"
Ilona Klemens, Beauftragte der evangelischen Stadtkirche für den interreligiösen Dialog, hat die Stellungnahme von Türkyilmaz ausführlich gelesen und kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Geistliche "in erschreckend selbstgerechter Weise nach wie vor als Opfer" stilisiere. Dass er die Öffentlichkeit in Bezug auf seine wiederholt behauptete Unkenntnis über die Hintergründe der Al-Quds-Demonstrationen angelogen habe, scheine für den Imam kein Problem zu sein.Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau hatte Türkyilmaz nach Bekanntwerden seiner Teilnahme an den Al-Quds-Demonstration erklärt, nicht gewusst zu haben, in welchem konkreten Zusammenhang diese jährlich stattfindenden Kundgebungen stünden. Für ihn sei die Teilnahme ein Ausdruck der Kritik an der Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel. Die Behauptung von Türkyilmaz, die Gemeinde habe ihm "ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen", könne sie bis zu deren öffentlicher Reaktion nicht glauben, erklärt Klemens. "Würde dies stimmen, wäre das Problem mit dem Weggang des Imams keineswegs gelöst", sagt die Pfarrerin.
Für eine Stellungnahme zum Rücktritt des Imams war Ünal Kaymakçi, Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde, nicht erreichbar. Der Frankfurter Anwalt hatte in einem FR-Interview gesagt, nicht gewusst zu haben, was sich hinter den Al-Quds-Demonstrationen verberge. Insofern sei ihm auch nichts von der Teilnahme des Imams an den Kundgebungen bekannt gewesen.
Die Teilnahme des Imams an den israelfeindlichen Kundgebungen hatte das HR-Magazin "defacto" in einem Beitrag öffentlich gemacht. Seitdem steht die Hazrat-Fatima-Gemeinde unter Druck und wurde von ihr eine Stellungnahme erwartet. Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) hatte in einem Brief den Generalsekretär aufgefordert, konkret zu den Vorwürfen zu äußern.
Die zunächst für vergangenen Mittwoch angekündigte Stellungnahme ließ auf sich warten. Kaymakçi verschob die öffentliche Erklärung auf Freitag. Und am Freitagmittag teilte er in einer Presseerklärung mit, dass sich der Gemeindevorstand am Wochenende beraten und seine Positionierung zu Türkyilmaz in einer Pressekonferenz am Dienstag öffentlich machen werde.
Die für Freitag erwarte Distanzierung von Türkyilmaz blieb aus und löste bei Landes- und Kommunalpolitikern und all denen, die am interreligiösen Dialog in Frankfurt beteiligt sind, Verstimmung aus. Athanagoras Ziliaskopoulus als Vorsitzender des Rats der Religionen sprach deutliche Worte und erklärte, dass sich die Hazrat-Fatima-Gemeinde gänzlich isoliere, wenn sie weiterhin zu dem Imam stehe.
Am Sonntagabend stellte das Hessenfernsehen im Magazin "defacto" in Frage, dass Kaymakçi nicht gewusst habe, welche Gesinnung Türkyilmaz tatsächlich habe. Kaymakçi hatte nach der Ausstrahlung des Fernsehbeitrags zunächst kritisiert, dass der HR eine Kampagne gegen ihn gestartet habe, um die Bemühungen um den islamischen Religionsunterricht in Hessen zu sabotieren. Der Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde ist Teilnehmer am Runden Tisch, den der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) ins Leben gerufen hatte. Als einige Tage nach dem Fernsehbericht auch noch Predigten des Imams bekannt wurden, in denen er sich auf den iranischen Revolutionsführer Khomeini bezieht, hatte Kaymakçi davon gesprochen, dass sich nun auch für ihn eine neue Sachlage ergebe. Eine persönliche Distanzierung vom Imam folgte aber nicht.

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