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Frankfurter Imam-Affäre: Die Antworten sind geschrieben

Die Hausener Hazrat-Fatima-Gemeinde erklärt sich gegenüber der Integrations-Dezernentin. Sie will die vom HR gemachten Vorwürfe zu den Umtrieben Sebahattin Türkyilmaz' geklärt haben. Von Canan Topçu

Nachdenklich: Imam Türkyilmaz.
Nachdenklich: Imam Türkyilmaz.
Foto: Andreas Arnold

Am Wochenende haben Ünal Kaymakçi und Sabahattin Türkyilmaz viel miteinander geredet. Der Generalsekretär und der Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde gingen noch mal die im Beitrag des HR-Fernsehens formulierten Vorwürfe durch. Auch haben sich die beiden den Fragen gewidmet, auf deren Beantwortung die Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg drängt. Dazu gehört auch die Frage, wie die Hazrat-Fatima-Gemeinde und ihr Imam zu den Al-Quds-Demonstrationen stehen.

Nach einer vom American Jewish Committee in Auftrag gegebenen und auf Deutsch veröffentlichten Expertise zum Al-Quds-Tag gilt diese Demonstration als "antisemitische iranische Regierungspropaganda" und steht für die Forderung zur "Auslöschung des zionistischen Staates". Aufgerufen hatte zu den Demonstrationen 1979 der iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini. Sie findet jeweils am letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan vielerorts statt - auch in Berlin.

Vorwürfe

Imam Sebahattin Türkyilmaz von der Hazrat-Fatima-Gemeinde wird in dem Beitrag des HR-Magazins "defacto" beschuldigt, antisemitisch zu sein und mit der Politik der iranischen Regierung zu sympathisieren.

Seit der Ausstrahlung des rund sieben Minuten langen Films am Sonntag vor einer Woche, in dem der schiitische Geistliche unter anderem als Teilnehmer der Al-Quds-Demonstrationen in Berlin zu sehen ist, steht er und die Hazrat-Fatima-Gemeinde in der Kritik.

Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg wandte sich mit einem Fragenkatalog an die Gemeinde.

Dass Imam Türkyilmaz nichts über die Hintergründe dieser Demonstration gewusst haben will, wie er selbst erklärte, klingt in vielen Ohren unglaubwürdig. "Ich kann nicht nachvollziehen, dass ein Geistlicher, der acht Jahre im Iran studiert hat, nichts davon mitbekommen hat": So formuliert ein am Interreligiösen Dialog beteiligter Frankfurter sein Misstrauen. Andere fühlen sich "an der Nase herumgeführt" über die Äußerung des Imams, nicht gewusst zu haben, wer diese Demonstrationen organisiere. Und es gibt Verwunderung darüber, dass Kaymakçi sich nicht eindeutig von den Al-Quds-Demonstrationen distanziert.

Der Rat der Religionen (RDR) hatte die Teilnahme an Al-Quds-Demonstrationen in einer zum Wochenende veröffentlichten Erklärung abgelehnt und sich somit auch von Türkyilmaz distanziert, der sich in Berlin an diesen Kundgebungen beteiligt hat. Der interreligiöse Dialog hat nach den Anschuldigungen gegen Türkyilmaz einen Riss bekommen; Enttäuschung macht sich in Frankfurt breit, gleichzeitig wird die Hoffnung formuliert, dass die Gemeinde "die Zeit nutzt, alle Zweifel aus dem Weg zu räumen". Denn es steht "viel auf dem Spiel".

Am Wochenende nutzten Türkyilmaz und Kaymakçi die Zeit, Antworten auf die von Stadträtin Eskandari-Grünberg gestellten Fragen zu formulieren. Die Antworten haben Imam und Generalsekretär schriftlich festgehalten und wollen sie am heutigen Dienstag mit dem Moscheevorstand besprechen. Am Mittwoch soll die Integrationsdezernentin die Antworten erhalten. Was danach geschieht? Das Dezernat behält sich vor, die Fragen als auch die Antworten zu veröffentlichen.

Neunjährige vollverschleiern?

Eine der Fragen betrifft die "Vollverschleierung von neunjährigen Mädchen", für die sich der schiitische Geistliche dem HR- Magazinbeitrag zufolge in der Berliner Gemeinde, wo er zuvor tätig gewesen war, eingesetzt haben soll. Kaymakçi kritisiert einmal mehr die unsaubere Recherche der Journalisten und betont, dass es sich bei dem verzerrt dargestellten Vorfall um ein "theologisches Gutachten zum Tragen des Kopftuch" handele, den der Imam auf Anfrage der Eltern erstellt habe. "Wir werden dieses Gutachten unserem Antwortschreiben beifügen."

Unterschiedliche Einschätzungen gibt es in Bezug auf die Moscheegemeinde in Berlin, bei der Türkyilmaz bis Ende 2008 Imam war. Arnold Mengelkoch, Integrationsbeauftragter des Bezirks Neukölln, spricht davon, dass die Gemeinde ziemlich "verschlossen" sei und den Eindruck erwecke, kein Interesse an dem sozialen Leben im Bezirk zu haben.

Als "offen und entgegenkommend" beschreibt hingegen die Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus die Imam-Reza-Gemeinde. Spielhaus hat im Auftrag des Berliner Integrationsbeauftragten Günter Piening eine Studie zu muslimischen Gemeinden in Berlin erstellt und Imam Türkyilmaz als kooperativ wahrgenommen.

Autor:  Canan Topçu
Datum:  16 | 2 | 2010
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