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Was bewegt die Menschen in Rhein-Main?

21. Juli 2005

Frankfurter Müll ist am teuersten

 Von ANITA STRECKER
Müllabfuhr in Wiesbaden: Günstige Faktoren bewirken in der Landeshauptstadt, dass die Gebühren für diese städtische Dienstleistung deutlich niedriger sind als etwa in Frankfurt. Foto: FR

Bei 80-Liter-Tonnen ist die Stadt Spitze / Bei 120-Liter-Tonnen liegt Bad Homburg vorne / Wiesbaden schneidet gut ab Paul und Andrea Mustermann sind penible Mülltrenner. Selbst ihre Kleinen, Jan und Paula, wissen schon genau gelbe, blaue oder graue Tonnen zu unterscheiden. Die Umsicht wird nicht belohnt: In Frankfurt zahlt die vierköpfige Familie deutlich höhere Abfallgebühren als etwa in Wiesbaden.

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Frankfurt · 20. Juli · Seit sie mit ihrem Mann und den Kindern nach Frankfurt gezogen ist, hat Andrea Mustermann immer kleine Plastiktüten in der Tasche, wenn sie mit Mischling Moppel Gassi geht. Nicht mal in überwucherten Hecken wagt sie, die Hinterlassenschaften ihres Vierbeiners liegen zu lassen. Könnte ihr ja einer von Peter Postlebs Einsatzteam Sauberes Frankfurt von hinten auf die Schulter tippen. Freundlich 75 Euro Bußgeld verlangen und obendrein fordern, die braune Masse trotzdem wegzumachen. Moppels Haufen hinterließe dann in jeder Hinsicht einen üblen Nachgeschmack. Muss ja nicht sein. Zumal die Abfallgebühren in Frankfurt im Vergleich mit umliegenden Städten und Kreisen unerreichte Spitze sind. 15,40 Euro zahlt die vierköpfige Familie monatlich für ihre Restmülltonne, die wöchentlich geleert wird und nie ganz voll ist. Dafür rollen die Müllmänner die Tonne aus dem Hinterhof vor zur Straße und stellen sie wieder zurück. Papier-, Plastik- und Biotonne gibt's gratis dazu, gratis werden auch Sperrmüll, Sonderabfälle oder Elektrogeräte vor der Haustür abgeholt. Jederzeit und beliebig oft. Ein Top-Service sagen Andrea und Paul Mustermann, die sich aber trotzdem ärgern, dass in Wiesbaden nahezu derselbe Dienst für deutlich weniger Geld zu haben ist. Dort kostet die 120-Liter-Tonne monatlich gerade mal 11,20 Euro - weniger als andernorts der 80-Liter-Behälter. Schwacher Trost für die Mustermanns: In Hanau wären sie - Mülltrennung hin oder her - als vierköpfige Familie zur 120 Liter-Tonne verdonnert. "Das wäre für uns noch teurer."

In Frankfurt fordern das große Stadtgebiet, die vielen großen Wohnblock-Siedlungen, wo der Müll oft wild auf der Gasse landet, Großeinsätze nach Festen oder wilde Sperrmüllhaufen im Stadtgebiet ihren Preis. Von 90 000 Sperrmüllhaufen, die die Müllmänner pro Jahr wegräumen, sind 19 000 Tonnen illegal abgestellt, sagt FES-Sprecher Michael Hahn. Nicht selten werden ausrangierte Möbel oder alte E-Geräte aus dem Umland importiert, weil dort nur gegen Gebühr entsorgt wird.


Foto: FR-Infografik

Hauptgrund, wieso Frankfurter für ihren Abfall tiefer in die Tasche greifen müssen, ist laut Hahn aber schlicht die Größe des Entsorgungsgebiets: 265 000 Müllbehälter stehen in der Stadt, 38 000 Mülltonnen werden täglich geleert. Woche für Woche kurven die FES-Leute dabei 30,5 Millionen Quadratmeter ab, leeren zudem noch 30 000 Papierkörbe pro Woche, 2000 Sinkkästen in den Straßengullys und schaffen 30 000 Tonnen Bioabfall ins Kompostierwerk. 1530 Mitarbeiter beschäftigt die FES für all ihre Dienstleistungen; der Fuhrpark zählt 570 Nutzfahrzeuge, 119 Müll-Laster und 80 Kehrmaschinen. Zudem unterhält die FES 20 Betriebsstandorte. Riesenaufwand, horrende Betriebskosten - mit schlechtem Wirtschaften hat das erst mal nichts zu tun, billigt auch Hildegard Wilhelm, Sprecherin der Wiesbadener Entsorgungswerke ELW, den Nachbarn aus Frankfurt zu. "Dass in der Landeshauptstadt die Müllgebühren so günstig sind, hängt am kompakten Stadtgebiet, kurzen Entsorgungswegen, der 14-tägigen Leerung und dass wir bisher unsere eigene Deponie hatten." Damit hat die Technische Anleitung Siedlungsabfall zum 1. Juni Schluss gemacht. Kein unbehandelter Müll darf mehr auf die Deponie. Doch die Wiesbadener haben sich durch einen Deal mit der Rhein-Main-Abfall (RMA) günstige Entsorgungswege gesichert. Wiesbadener Müll wird jetzt in Frankfurt oder Offenbach verbrannt, im Gegenzug karrt die RMA Verbrennungsrückstände auf die Wiesbadener Spezialdeponie Dyckerhoff. Die ELW-Sprecherin ist skeptisch, ob sich die günstigen Abfallgebühren in Wiesbaden halten lassen. Spätestens 2007, schätzt sie, werden sie wohl steigen.

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