Hallo und herzlich willkommen in Deutschland. Wie war´s im Urlaub und wo seid Ihr gewesen? Alle hier geblieben? Das ist statistisch nicht möglich.
Schon vergessen? Reisealzheimer? Es ist auch schwer, sich zu erinnern, in welchem Land man seinen Big Mac verzehrt hat, und es ist auch nicht wichtig, wo Sie waren, Hauptsache, Sie sind wieder da, können die heimische Wirtschaft ankurbeln und bald wieder verreisen, denn, Klimawandel hin oder her, der weltweite Massentourismus ist dringend notwendig für den Erhalt der multikulturellen Artenvielfalt.
Thomas Reis, 45, ist eigentlich Historiker und uneigentlich Kabarettist ("Ich bin gerne Kabarettist, aber Henker beneide ich doch. Die verändern Menschen wirklich.").
Große Erfolge erzielte er zuletzt mit seinen Programmen "Gibts ein Leben über 40?" und "Machen Frauen wirklich glücklich?". Reis (www.thomasreis.de) blickt regelmäßig in der FR auf die Ereignisse des Monats zurück.
Nächste Termine: 3.09. Köln, Comedia; 4.09. Salzbergen, Kulturkeller; 11.9. Senden, Steverhalle; 16.9. Würzburg, Bockshorn; 17. u. 18.9. Köln, Theater am Sachsenring; 19.9. Bonn, Springmaus; 24.-26.9. Hamburg, Alma Hoppes Lustspielhaus
Ohne Tourismus gäbe es viele hübschen Kulturen längst nicht mehr. Welcher Bantu würde freiwillig die niedlichen Nilpferdchen schnitzen? Welcher Papua könnte ohne uns von Menschenknochenflötenmusik leben, die haben keinen Ohrenkrebs, die Papua, und eine Hitparade der Volksmusik haben sie erst recht nicht in Neuguinea.
Reisen ist auch ein Stück weit Verantwortung für unsere schöne neue Welt, gerade auch eine philosophische, denn der Weg ist das Ziel, aber was ist dann der Rückweg? Seitdem mache ich Rundreisen, kann ich nur empfehlen. Du gehst aus Dir heraus, findest aber wie von selbst wieder zu Dir zurück.
Zunächst, liebe Heimkehrer, wünsche ich Euch von Herzen ein frohes neues Jahr, denn es ist eine seltsamer Irrglaube anzunehmen, der Jahreswechsel vollziehe sich irgendwann Ende Dezember oder gar Anfang Januar, nein, das neue deutsche Jahr beginnt Ende August oder spätestens, wie bei den Bayern, die ja häufig etwas hinterher sind (siehe FC Bayern), Mitte September, denn dann enden die Ferien, endet die große Auszeit vom drögen Druck der Lebensbewältigung, da hat er uns wieder der brutale Alltag, der, von wenigen Wochenenden, Feiertagen, Herbst-, Weihnachts-, Winter-, Oster- und Pfingstferien einmal abgesehen, mit elf vollen Monaten der Mühsal droht.
Mit Urlaub verhält es sich wie mit dem Laubfrosch, er wird im Herbst gelb und fällt von den Bäumen, den Lebensbäumen, die sich dann karg und kahl gen graue Himmel recken.
Die Plackerei hat uns wieder, das Nichturlaubsleben mit all seinen Nebenwirkungen wie Steuererklärungen und Handwerkerrechnungen, Schularbeiten, Familienfesten, Wecker stellen und Socken rollen, mit allem, was wir unter dem Begriff des Unerquicklichen subsumieren, so unerquicklich wie der schnöde Zwang zu Ganzkörperbekleidung und Tagesplanung. Das Dortsein ist vorbei, das Dasein hat uns wieder.
Hilflos sind wir der allzeit hyperventilierenden Blabla-Gesellschaft ausgeliefert, permanent für alle erreich- und penetrierbar in der akustischen Hölle der Klingeltöne, gefangen im Sodom der elektrischen und analogen Post mit all ihren Droh- und Erpresserbriefen, geworfen ins Gomorra televisionärer Bild-Sintfluten und täglicher Neuinformatierungen unseres überfüllten Bewusstseins.
All diese Nachrichten von Ackermanns Kindergeburtstag im Kanzleramt oder Ulla Schmidts bösem Ende einer Dienstfahrt. Ulla, das bescheidene Ding, warum hat sie nicht die Flugbereitschaft geordert oder eine Spezialeinheit zum Personenkraftwagenschutz? So ein Urlaubsdienstwagen ist teuer und der war brandneu, den alten hat sie abgewrackt, weil sie so sparsam ist - auch mit sich.
Das sind an sich alles enorm unverzichtbare Informationen, aber auf Weltreise, da geht einem Ullas Fahrtenbuch oder Ackermanns Geburtstagstorte so was von am Arsch vorbei und dann immer geradeaus, herrlich. Aber sobald Du wieder zu Hause bist, merkst Du wie ungeheuer wichtig Michael Jacksons Todesursache für Dich ist, das Glühbirnensterben oder Oli Pochers Reproduktionsversehen, der Segeltörn einer pubertären Holländerin und die Empfindsamkeit der nicht minder angetörnten Halbstarken aus Israel, so ein hübsches Land, aber ein ewig pubertierendes.
Ähnlich wie Rüsselsheim, das Land in dem in Wirklichkeit gar keine Elefanten gebaut werden, sondern Autos mit dem schönen Namen: Opel. Opel ist aber nicht nur Auto, sondern auch Tochter, ein längst ergrauter Backfisch, der vor Erreichen der nächsten Pflegestufe nicht mehr die Haube kommt? General Mothers plötzlich erstarkte Muttergefühle lassen dies nicht zu. Schlimm, wenn Mütter nicht loslassen können.
Das muss man alles wissen, auch dass die Ungarische Notenbank den Leitzins auf acht Prozent reduziert hat; dass Steinmeier noch immer Kanzler werden will; dass der Wald um Athen zwar weg ist, aber immerhin nicht mehr brennt und der Blitz aus Kitz nirgendwo mehr einschlägt, was für Opels Blitz auch zu befürchten steht, im Gegensatz zu Jamaikas Flitzeblitz oder dem Turboblitzkrieg in Afghanistan, da wurde nicht nur gewählt, da gab es auch wieder die ein oder andere Bevölkerungsexplosion. Da konnte keiner mit rechnen, dass da Gewalt ausbricht in so einem Krieg, da fehlen einem ja sämtliche Erfahrungen.
Es ist immer der gleiche Krieg, immer der gleiche Promi und vor allem immer die gleiche SPD. Wir verbrauchen Information wie unser Auto Benzin, mit dem einzigen Unterschied, dass uns Benzinverbrauch weiter bringt, so wir nicht am Kamener Kreuz stehen, das nun endlich fertig ist. Noch so eine Information ohne praktischen Nutzen, denn was hilft es, wenn Du fünf Minuten schneller im nächsten Stau stehst? A 1? Falls Sie beabsichtigen, sich mit Hilfe ihres Autos zu entleiben, weil es weder dafür noch für Sie selbst eine Abwrackprämie gibt, nutzen Sie dafür nicht die A 1 , auf der A 1 stehen Sie als Geisterfahrer auch im Stau.