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Fulda Hauptbahnhof: Mitten im Leben

Der 115 Jahre alte Hauptbahnhof Fulda punktet im FR-Bahnhofstest mit Sauberkeit, Vielfalt und innerstädtischem Flair. Von Thomas Witzel

Fünfziger-Jahre-Fassade, aber  auf der Höhe der Zeit. Fuldas Bahnhof ist ein urbanes Zentrum.
Fünfziger-Jahre-Fassade, aber auf der Höhe der Zeit. Fuldas Bahnhof ist ein urbanes Zentrum.
Foto: Boeckheler/FR

Die Bahn bittet auf die Couch. Es ist eine rote - und es gibt sogar zwei davon. Wer im Reisezentrum des Fuldaer Bahnhofs Fahrkarten kaufen möchte oder sich nur beraten lassen will, kann das ganz komfortabel angehen: Kärtchen ziehen, Nummer bekommen und mit Blick auf einen gut sichtbaren Monitor entspannt warten, bis man aufgerufen wird - auf den eben erwähnten roten Kunstleder-Zweisitzern.

Das hat etwas von Erster Klasse, ist aber auch für den gewöhnlichen Bahnreisenden gedacht: Vor gut einem Jahr hat die Bahn in Fulda diesen neuen Service gestartet. Das gebe es hessenweit auch in Wiesbaden, Darmstadt, Kassel-Wilhelmshöhe und Frankfurt, berichtet Bahn-Sprecher Torsten Sälinger.

Testnoten
Fulda

Erreichbarkeit: sehr gut, zentral gelegen 5 Punkte

Wege: kurz und gut beschildert 5 Punkte

Warten: okay, ein bisschen wenig Windschutz 4 Punkte

Service: gute Information, hilfreiches Personal 5 Punkte

Sicherheit & Sauberkeit: guter Standard 5 Punkte

Gebäude: Gepflegt und einladend 4,5 Punkte

Barrieren: keine, Aufzüge, Rampen, Personal 4,5 Punkte

Sonstiges: DB-Simulations-Zentrum, Feste 4 Punkte

Gesamtnote: Dieser Bahnhof ist ein vertrauenserweckender Ort, an dem sich Reisende gut aufgehoben fühlen können. 5 Punkte

Besucherzahlen: rund 20000 Reisende pro Tag

Gleise: 10

Ausgewiesene Parkplätze (inklusive P+R): 2100

Fahrradboxen: 50

Als der Fuldaer Bahnhof vor 115 Jahren gebaut wurde, stand er noch frei in der osthessischen Botanik. Eine baumbestandene Allee führte durch Wiesen und Felder in die Barockstadt, die damals gerade mal 13000 Einwohner hatte. Die Stadt ist nachgewachsen, hat den Bahnhof in ihre pulsierende Obhut genommen. Heute ist er in die Mitte gerückt, ein urbanes Zentrum gleichwohl.

Auf den Trümmern des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäudes war mit den architektonischen Mitteln der 50er Jahre der wuchtige Neubau entstanden, der auch heute noch von einer zentralen verglasten Empfangshalle dominiert wird. Ein Erinnerungsstück, das die Fuldaer lieben und das auch der Besucher liebgewinnen kann. Zumal von hier aus die Anbindung in den Rest der Republik nachgerade vorbildlich ist.

Seit Ende der 80er Jahre ist Fulda ICE-Bahnhof. Im Halbstundentakt fährt die weiße Flotte mit dem roten Streifen von Norden nach Süden und umgekehrt. Kaum mehr als zweieinhalb Stunden benötigt man als Reisender in die Zentren Berlin, Hamburg, München oder auch Köln. Und die Zeit bis zur Abfahrt lässt sich trefflich herumbringen. Der gastronomische Service ist für Bahnhofs- verhältnisse geradezu üppig. Es gibt ein Restaurant, in dem man sonntags brunchen kann, ein Bistro, Bäcker, Döner, Kiosk und, wem das gar nicht konveniert, die Dependance einer Fastfood-Kette, - keine zwanzig Meter vom Ausgang entfernt.

Hell ist das Bahnhofs-Entree, alles ist übersichtlich angeordnet. Man findet sich zurecht. Und wenn´s mal nicht so ist, steht immer ein freundlicher Bahnmitarbeiter da, der weiterhelfen kann. Zwei Ebenen, mit Rolltreppe und Aufzug verbunden, stellen auch für Behinderte keine unüberwindlichen Hindernisse dar. Alles macht einen gepflegten Eindruck. Die Boden-Shamponier-Maschine ist im Dauer-Einsatz. Bedächtig zieht sie ihre Runden durchs weite Hallenareal. Die feuchten Reinigungsspuren, die sie hinterlässt, sind Arbeitsnachweis und Sinnbild für allgegenwärtige Adrettheit in der Stadt.

Die Pendler, die Fulda hauptsächlich in Richtung Rhein-Main-Gebiet verlassen, haben in den seltensten Fällen einen Blick dafür. Sie belegen mit ihren Autos zum Teil schon ab fünf Uhr die zahlreichen Parkplätze - etwa 2100 davon gibt es, Parkhäuser und Tiefgarage verschiedener Anbieter inbegriffen, in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof.

Der ist nicht nur eine urbane Erlebniswelt, sondern auch ein klassischer Pendler-Hotspot. Bis zu 5000 Menschen starten von hier aus in ihr tägliches Berufsleben. Mit ICE, Regionalzügen und Regionalbahnen. Die Rhönbahn Richtung Gersfeld und die Vogelsberglinie mit dem Endpunkt Gießen fährt hier genauso ab wie die private Cantus-Bahn, die die Strecke von Hünfeld über Bad Hersfeld und Kassel bis nach Göttingen bedient.

Die Sofas im Reisezentrum sind zu den Öffnungszeiten fast ständig besetzt. Nicht nur mit eiligen Reisenden. Den Fuldaern gefällt ihr Bahnhof so gut, dass sie ihn sich gerne in Ruhe anschauen, immer wieder.

Autor:  Thomas Witzel
Datum:  20 | 3 | 2010
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