Affen und Menschen in Frankfurt warten auf den neuen Gorilla. Der weiß noch nichts von seinem bevorstehenden Umzug, von den so großen Fußstapfen des gestorbenen Silberrückens Matze, in die er treten soll. Und die Frankfurter wissen noch nichts über ihn. "Wir haben mit den in Frage kommenden Tiergärten noch keine Vereinbarung getroffen", sagt Frankfurts Zoodirektor Manfred Niekisch, "deshalb sage ich auch noch nichts über die drei Kandidaten." Welche Kriterien sie erfüllen müssen, ist aber kein Geheimnis.
"Wir können uns in den Zoos nicht einfach ein hübsches Kerlchen aussuchen, der europäische Zuchtbuch-Koordinator stellt uns mögliche Tiere vor", sagt Niekisch. Und zwar alle, die zu den Frankfurter Gorillas passen. "Dabei geht es um gute Durchmischung, damit keine Inzucht vorkommt." Aus den vorgeschlagenen Tieren kann der Frankfurter Zoo dann auswählen. "Zunächst haben wir biologische Kriterien, die Gesundheit, ob es früher mal Probleme etwa mit Lungenkrankheiten oder Parasiten gab und wenn ja, ob sie beseitigt sind", zählt Niekisch auf.
Gorilla fallen wie Löwen über ihre Jungtiere
"Dann achten wir darauf, wie das Tier sozialisiert wurde." Manchmal würden Gorilla-Männer in Junggesellengruppen gehalten "und werden dadurch relativ rabiat", sagt Niekisch. Es sei schon vorgekommen, dass ein Zoo einen weggebenen Gorilla zurücknehmen musste, so ein Hin und Her will der Zoologische Garten Frankfurt vermeiden. "Wir wollen auch verhindern, dass ein dominanter Silberrücken über unsere Jungtiere Kabuli und Fritz herfällt", sagt Niekisch. Bei Gorillas sei es ähnlich wie bei Löwen, "alles, was vom Vorgänger stammt war wohl schlechtes genetisches Material und muss weg".
Damit so etwas nicht passiert, sucht der Frankfurter Zoo ein Tier, das in einer Familiengruppe groß geworden ist, das Jungtiere kennt und auch weiß, wie man mit ihnen spielt. Der Gorilla sollte noch ein Schwarzrücken sein, um die zehn Jahre jung, das erleichtert die Integration in die Frankfurter Gruppe, die zurzeit aus vier Gorilla-Frauen und den beiden Jungtieren besteht.
"Dann gibt es noch die langweiligen, pragmatischen aber ebenso wichtigen Kriterien", sagt Niekisch. Dazu zählt etwa, wo das Tier lebt. "Wir versuchen teure und aufwändige Transporte aus Übersee zu vermeiden." Zudem müsste der Gorilla in dem Fall erst in Quarantäne, was in Frankfurt räumlich nicht möglich ist.
Nachfolger kommt nicht aus Deutschland
Niekisch hofft, dass in etwa zwei Wochen feststeht, welcher der drei Menschenaffen Frankfurter Neubürger wird. Dass er nicht aus Deutschland, aber aus Europa kommt, steht schon fest. Hier angekommen, wird er darauf trainiert, eine Absperrbox zu akzeptieren. "Das ist Routine", sagt Niekisch, "die Frauen und er sollen sich in Ruhe kennenlernen." Das kann ein Jahr dauern, aber auch schneller klappen. Die Tiere bleiben zunächst getrennt - was im Borgoriwald prima geht, mit zwei völlig getrennten Anlagen und einem Verbindungsgang, in dem sie schon mal sicheren Kontakt durchs Gitter aufnehmen, sich hören, sehen - und hoffentlich gut riechen können.

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