kalaydo.de Anzeigen

Gorleben als Endlager: Union und FDP drücken aufs Tempo

Seit 30 Jahren wird Gorleben als mögliches Endlager erkundet. Bis endlich Klarheit da ist, dürfte auch mit der neuen schwarz-gelben Regierung noch eine ganze Reihe von Jahren vergehen. Von Joachim Wille

Gorleben
Gorleben
Foto: ddp

Die Bohrgeräte werden untertage wieder angeworfen: Die Bundesregierung lässt Gorleben demnächst weiter auf seine Eignung als Atom-Endlager erkunden. In keiner anderen Frage der Energiepolitik waren sich die schwarz-gelben Koalitionäre so schnell einig wie hier, obwohl das Projekt in der Öffentlichkeit umstritten ist wie seit langem nicht mehr.

Die Untersuchungen des Gorlebener Salzstocks starteten bereits vor 30 Jahren - anno 1979. Im Jahr 2000 aber stoppten Rot-Grün und die Stromkonzerne die unterirdische Erkundung mit ihrem Atomkonsens. Der damalige grüne Umweltminister Jürgen Trittin und sein SPD-Nachfolger Sigmar Gabriel wollten eine neue Endlagersuche starten, was sie aber nicht durchsetzten. Nun, fast zehn Jahre später, dreht Schwarz-Gelb die Zeit zurück.


Foto: FR-Infografik

Union und FDP drücken aufs Tempo. Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) verkündete bereits, man werde weiterhin das einfache Bergrecht nutzen, das eigentlich die Aufsuchung von Bodenschätzen regelt. Er schlug damit juristische Einwände aus einem Gutachten in den Wind, das vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Auftrag gegeben worden war.

Darin heißt es, ein Weiterbau des potenziellen Atomlagers müsse nach Atomrecht laufen. Das hieße: Die Öffentlichkeit müsste am Genehmigungsverfahren beteiligt werden, Klagen wären möglich. Das Projekt würde verzögert. Sander konzedierte immerhin, die Bürger sollten "in höherem Maße" als bisher eingebunden werden.

Die Gorleben-Story

Bildergalerie ( 20 Bilder )

Die Atomgegner besänftigte das nicht. "Nach den Enthüllungen der letzten Monate über Manipulationen von Gorleben-Gutachten ist es eine Provokation, in Gorleben wie gehabt weitermachen zu wollen und dabei sogar aufs Tempo zu drücken", sagte der Sprecher der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke. Es sei absurd, wenn Sander glaube, die Bürger ließen sich nun "in höherem Maße" einbinden.

In Gorleben sind in den gut 30 Jahren seit Beginn der Erkundung die beiden 840 Meter tiefen Schächte und eine von zwei geplanten unterirdischen Ebenen ausgebaut worden. Das hat 1,5 Milliarden Euro verschlungen. Die erste von sechs Bereichen, in denen Atommüll nach den Planungen eingelagert werden können, ist intensiv untersucht worden. Bislang ist unklar, ob im Salzstock genügend geeignetes Volumen vorhanden ist, das den Nuklearabfall aufnehmen könnte - dessen Menge bei einem Ausstieg aus dem Atomausstieg zudem weiter anwächst.

Der Salzstock ist nämlich nicht homogen, sondern teils zerklüftet, von Rissen und gipshaltigen Schichten durchzogen. Finden sich diese auch in den Einlagerungsbereichen, wäre das das Aus für das Projekt. Bis man darüber Klarheit hat, dürfte noch eine ganze Reihe von Jahren vergehen.

Im Zweifel müsste Schwarz-Gelb dann doch tun, was Rot-Grün vorhatte: Die Endlagersuche auf einer "weißen Landkarte" ganz neu anfangen.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  19 | 10 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Video
Zeitgeschichte

Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

Frankfurter Rundschau im Abo