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Großkrotzenburg: Die Opfer des Kohlebergbaus

Kolumbianische Bauern berichten im Bürgerhaus Großkrotzenburg von ihrem Dasein neben einem Kohletagebau. Aus Kolumbien stammt auch Kohle für das nahe Kraftwerk Staudinger. Von Nikolas Sohn

Yoe Arregoces Ustate  (l.)  und Wilman Palmezano Arregoces sind  kolumbianische Ortsvorsteher, deren Dörfer neben einem Kohletagebau liegen. In Großkrotzenburg berichten sie von den Auswirkungen des Bergbaus.
Yoe Arregoces Ustate (l.) und Wilman Palmezano Arregoces sind kolumbianische Ortsvorsteher, deren Dörfer neben einem Kohletagebau liegen. In Großkrotzenburg berichten sie von den Auswirkungen des Bergbaus.
Foto: Ilona Surrey

"Im Februar 2001 wurde das kolumbianische Dorf Tabaco mit Bulldozern zugunsten der Cerrejón-Mine regelrecht plattgemacht", berichtet Yoe Jefferson Ustate im Bürgerhaus Großkrotzenburg. "700 Familien wurden wegen des Kohleabbaus ihrer Heimat beraubt und kämpfen heute noch um adäquate Entschädigungen."

Aus Kolumbien stammt auch Kohle für das Staudinger-Kraftwerk. 2008 war das rund ein Drittel des Jahresbedarfs von insgesamt 1,6 Millionen Tonnen, so die EON-Pressesprecherin Julia Katzenbach-Trosch.

"Wie der gesteigerte Energieverbrauch vor Ort die ärmeren Weltregionen tangiert, können wir in Kolumbien sehen", erregt sich Winfried Schwab-Posselt von "Stopp Staudinger". Zusammen mit dem Hilfswerk Misereor und FIAN (Food First Informations- und Aktions-Netzwerk) verdeutlichte die Bürgerinitiative am vergangenen Mittwoch die Folgen des Kohleabbaus in Kolumbien.

Hierfür hatte die Bürgerinitiative zwei Betroffene geladen: Yoe Jefferson Arregoces Ustate (32) und Wilman Palmezano Arregoces (50). Die Ortsvorsteher der Gemeinden Roche und Chancleta wohnen in unmittelbarer Nähe des größten kolumbianischen Tagebaus "Cerrejón Zona Norte".

"Die Folgen des Tagebaus sind dramatisch"

Von ehemals 13 Ortschaften in der näheren Umgebung der Mine gibt es noch fünf Siedlungen mit rund 2500 Menschen. Ihnen droht das gleiche Schicksal wie Tobaco. "Die Folgen des Tagebaus sind für Mensch und Natur dramatisch", erklären die beiden Südamerikaner. "Stetig glühende Kohlefeuer hüllen die Umgebung in Dunstschwaden ein.

Regnet es, verbinden sich Rauchpartikel mit der Feuchtigkeit. Das herabfallende Gemisch verseucht dann die Umgebung." Ehemals vom kolumbianischen Staat getragen, betreiben seit 2000 nun amerikanische und Schweizer Firmen die Mine. Die Repressalien gegenüber den Dörflern aber hätten nicht abgenommen. Sogar das Vieh der Bauern verschwinde spurlos.

Staudinger-Sprecherin dementiert jeden Zusammenhang

Das Staudinger-Kraftwerk importiert seinen gesamten Steinkohlebedarf aus internationalen Vorkommen. Die EON-Pressesprecherin dementiert einen Zusammenhang von Cerrejón und Staudinger: "Oberste Maxime ist es, dass wir nur bei solchen Firmen einkaufen, bei denen internationale Menschenrechte während des Abbaus explizit eingehalten werden." Zur Minensituation sagte die Pressesprecherin: "Davon ist mir nichts bekannt."

Autor:  Nikolas Sohn
Datum:  23 | 10 | 2009
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