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Großmarkthalle: Denkmalpfleger bereiten der Bank eine Freude

24 Stunden vor der Präsentation der Großmarkthallen-Pläne steht dem Umbau nichts mehr im Wege.

Am Ende einer langen Auseinandersetzung sorgt das Hessische Landesamt für Denkmalpflege noch für Verblüffung. Bei Befürwortern wie bei den Gegnern der Pläne der Europäischen Zentralbank für deren neues Quartier in Frankfurt am Main gleichermaßen. "Das ist erstaunlich, damit hätte ich nicht gerechnet", sagt Olaf Cunitz, Fraktionschef der Grünen im Römer. Und Hubertus von Allwörden, dem früheren Vorsitzenden des Städtebaubeirates in Frankfurt, entfährt ein ironisches: "Ach, wirklich?"

Ein Jahr lang hatte sich die Denkmalpflege gegen den geplanten Abriss der denkmalgeschützten Annexbauten der Großmarkthalle aus dem Jahr 1928 gewehrt. Wie es der Zufall will, ändern die hessischen Denkmalpfleger ihre Meinung genau 24 Stunden bevor die Bank am heutigen Dienstag ihre überarbeiteten Pläne für den Umbau öffentlich präsentieren will.

Wie am Montag schon zu hören war, hat das von der Zentralbank beauftragte Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au nichts Wesentliches mehr geändert: Die alte Halle wird im Entwurf von einem modernen Bürobau durchschnitten, die Annexbauten fallen zugunsten tiefer Gräben, die gegen Autobomben von Terroristen schützen sollen.

Der schöne politische Nebeneffekt: Das Umschwenken des Landesamtes für Denkmalpflege erspart es dem hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts (CDU), sich mit einer "Ministererlaubnis" über Einwände der Denkmalschützer hinwegzusetzen. Corts muss sich jetzt gar nicht mehr äußern.

"Arroganz, die an Dummheit grenzt", bescheinigt der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler am Montag seinen Kollegen aus Wien. Dass die Politik nachgebe, sei nicht der eigentliche Skandal. Sie sei in eine Zwangslage gebracht worden: "Wer legt sich schon wirklich mit der großen EZB an?" Dass aber die Wiener Architekten an ihrem Entwurf festhielten, bleibe unverständlich. "Wenn die EZB es gewollt hätte, hätte sie ihre künftigen Bauten natürlich auch anders gegen einen Lastwagen mit Sprengstoff sichern können", meint Mäckler. In New York geschehe dies derzeit allenthalben, indem die Erdgeschosse neuer Hochhäuser so verstärkt würden, dass sie einem Angriff standhielten.

Gerd Weiß, der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, folgt dagegen den Argumenten der EZB: Sie habe "zwingend vorgetragen, dass die Erfüllung der unabweisbaren Sicherheitsanforderungen bei einem Erhalt der Anbauten zu unverhältnismäßigen Eingriffen in die Umgebung der Großmarkthalle oder in die Gebäudesubstanz führen würde."

Der Grüne Cunitz ist erleichtert - hatte doch seine Partei viel Kritik geerntet, weil sie dem Abriss der Annexbauten zugestimmt hatte. Jetzt erhält dieses Plazet nachträglich den Zuspruch der Denkmalpflege. "Unsere Linie erfährt Bestätigung", sagt Cunitz dazu. Und Jochem Heumann, der planungspolitische Sprecher der CDU, meldet sich aus New York zu Wort, um mitzuteilen: "Ich freue mich."

Architekt von Allwörden glaubt nicht mehr, dass die Kritiker der Umgestaltung jetzt noch etwas ausrichten können: "Ich sehe da keine Chance mehr." Für ihn ist es nach wie vor "eine unglaubliche Missachtung, eine Geste der Unterwerfung", die Halle schräg mit einem modernen Büroriegel zu durchschneiden: "Wenn sie ein Museumsstück durchtrennen, wird es zum Flohmarkt-Objekt." Architekt Mäckler bilanziert bitter: "Bisher kamen die Leute aus New York, um die Großmarkthalle zu sehen." Ihre Bedeutung für die architektonische Moderne werde einfach "verkannt".

Autor:  CLAUS-JÜRGEN GÖPFERT
Datum:  20 | 2 | 2007
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