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Großmarkthalle: Die europäischen Zentralbanker müssen Riesen sein

Frankfurts hoch gekochte Debatte um aktuelle Bauprojekte zog am Donnerstagabend viel Publikum ins Architektur-Museum. Doch zum Thema "Architektur und Denkmalschutz" scheinen die Schlachten geschlagen. Bei der Diskussion zum Thema "Architektur und Denkmalsschutz" gab es keine wirklich neuen Argumente

Frankfurt - Die Argumente wiederholen sich, die Konstellationen gleichen sich, die vormaligen Streiter wirken ermüdet. Etwa bei der Behandlung der Großmarkthalle. Das Landesamt für Denkmalpflege will die Annexbauten an den Seiten erhalten sehen, der Landeskonservator Gerd Weiß am Tisch erklärte aber nicht, warum.

Der Bund deutscher Architekten (BDA), für den Michael Schumacher sprach, sieht dagegen im Durchstoßen der Halle durch einen Neubautrakt "ihren Charakter angegriffen", stimmt aber dem Verlust der dreigeschossigen Annexbauten zu: "Die machen nicht mehr viel Sinn." Christian Rusch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz spricht immer wieder, auch bei dieser Veranstaltung "vom großen Versagen der Stadt" und bemängelt, in der Politik wie in der Bevölkerung, "Desinteresse und Ignoranz" .

Architekt Christoph Mäckler hat zur Baukultur stets die meist beklatschten Argumente. Er bekräftigte seine Meinung, man möge den Umbau des Kulturdenkmals Großmarkthalle zum Sitz der Europäischen Zentralbank endlich "denen übergeben, die was von Altbauten verstehen".

Mäckler pariert locker die Argumente, die stets aufs Neue angeführt werden, um das Durchbrechen des Hallendachs zu rechtfertigen. Wer glaube, dieses sei zu verkraften, weil ein Teil des Betonschalendachs nach einem Kriegsschaden nicht mehr in der originalen Konstruktion geschlossen worden sei, der könne auch gleich dem Bartholomäus-Dom die Spitze nehmen, die sei auch ziemlich neu.

Und als Gerd Weiß, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, behauptete, der Gebäuderiegel durch die Halle sei zum Bau von repräsentativen Eingängen nötig, denn man könne "Bankern nicht zumuten, ihr Gebäude durch die Rolltore für die Gemüsekarren zu betreten", rückte Mäckler die Maßstäbe zurecht. Da die Großmarkthalle auf einer Höhe von 30 Metern an den Längsseiten aufgeschnitten werden solle, frage er sich: "Wie groß müssen diese Banker wohl sein?"

Man wechselte das Thema und kam zur Altstadt-Debatte. "Woher kommt bloß die Nostalgie?" wollte Diskussionsleiter Matthias Alexander wissen. Das frage er sich auch die ganze Zeit, antwortete Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architektur-Museums. Die Altstadt von Sachsenhausen scheine ihm jedenfalls ungeliebt, denn "ihr Zustand verschlechtert sich zusehends". Laut Schmal könnte es sein, dass die Träume vom Gestern "einer Verunsicherung der Bevölkerung" entsprängen. Denkmalschützer Weiß sekundierte, es gäbe "ein Misstrauen gegen moderne Architektur, weil viel falsch verstandener Funktionalismus gebaut worden ist".

"Frankfurt kniet doch vor der Moderne!" setzte Michael Schumacher dagegen und wies auf die Hochhäuser. Damit war man an diesem Ort zwar vom Thema abgewichen, aber doch beim richtigen angekommen. Frankfurt verliere bald den Rang, das höchste Hochhaus in Europa zu haben, an die Stadt Moskau, warnte Schmal. Man müsse unbedingt "wieder Zeichen setzen". clau

Datum:  16 | 2 | 2007
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