Zahlen und fröhlich sein. Sagt man in Zockerkreisen wie unter Kunden der Kleinmarkthalle. Drei Euro wollen die Händler gleich am Eingang der Verkaufsmeile vom Liebfrauenberg abkassieren. Drei Euro? "Bringen Sie ein Bündel bei", ermuntert die Verkäuferin am Mittwochmittag den reichlich irritierten Konsumenten, der für die Grüne Soße im vergangenen Jahr noch zwei Euro fünfzig bezahlt hat, dazu, ein Päckchen vom Rande ihres Standes zur Theke rüber zu reichen.
"Bleiben Sie locker", empfiehlt die Händlerin, und selbst wenn der Konkurrent zwei Durchgänge weiter das Kräuter-Paket aus Oberrad für zwanzig Cent weniger anbietet, sollte man sich nicht kirre machen lassen: Das sei ein ganz frisches Päckchen, betont die Händlerin, immerhin 350 Gramm entblättert sie auf ihrer Gemüsewaage. 350 Gramm Kräuter, sieben an der Zahl, das alles für drei Euro. Da soll noch mal einer sagen, die Preise seien stabil, von einer Inflation könne keine Rede sein.
Kräuter, die gerade anderthalb Kilometer Meter Luftlinie hinter sich haben, um aus dem Süden der Stadt in ihr Zentrum zu gelangen, die können doch nicht plötzlich so teuer sein. Grüne Soße ist angesagt. Wie selbstverständlich kommt die Kräutermischung auf die Tische der Frankfurter. Früher blieb das meist den Alteingesessenen vorbehalten, heute ist Grüne Soße Massenware, die in ihrer Bedeutung für das Wohlbefinden der Städter kaum zu unterschätzen ist.
Früher war das anders. Da konnten zumindest die Gäste aus dem Ruhrgebiet kaum glauben, dass die Frankfurter Küche, der sich die an den Main übergesiedelte Verwandtschaft innerhalb kurzer Zeit verpflichtet fühlte, nach dem Handkäs noch Weiteres bieten würde.
Mal was anderes: Grüne Soße mit Fischstäbchen
Nicht allein irgendetwas Weiteres. Sondern so Erlesenes wie die Grüne Soße, bei der sich die Gäste aus dem Pott bereitwillig erklären ließen, dass man dieses Kräutergemisch im Grunde nur als Grundlage nehmen sollte, um Eier oder Tafelspitz erst recht zur Geltung zu bringen. Was die liebe Verwandtschaft bis heute nicht erfahren hat: "Die Frankfurter" machten Entwicklungen in der eigenen Küche mit und scheuen heutzutage nicht davor zurück, zur Grünen Soße Fischstäbchen oder Schnitzel zu reichen.
Inzwischen gibt es auch keinen Zweifel mehr an der ganz persönlich inspirierten Zubereitung der Grünen Soße. Da lässt sich nicht mehr lange über den Zusatz von Mayonnaise oder Crème fraîche, über den Gebrauch von Senf oder Meerrettich, die Zugabe hartgekochter Eier oder die Extra-Portion Petersilie reden - für Extratouren kennt der Küchenmeister keinerlei Spielräume - selbst wenn sie sich mit noch so wertvoll gepriesenen Tipps verbinden. Mit dieser Mixtur, behauptet die Verkäuferin aus der Kleinmarkthalle, könne man nach Hause kommen.
Schließlich sei für drei Euro nicht nur alles drin, sondern auch üppig dimensioniert. Für drei Euro, sagt sie, lasse sich mit dieser Mischung eine Menge guter Stimmung machen. Schließlich reiche das Panorama der Kräuter nach seiner handwerklichen Verarbeitung durchaus über den Tag hinaus, zumal die Grüne Soße über den behutsamen Zusatz von ein bisschen frisch gepresstem Zitronensaft im Laufe der Zeit doch erst an Aroma gewinne.
Schließlich ist die Grüne Soße nichts für den Augenblick. Sie ist so etwas wie eine Einstellung zum Leben. Nicht nur in Frankfurt.

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