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Hessentags-Eröffnung: Pfiffe für Roland Koch

Lautstarke Zwischenrufe und Pfeifkonzert: Ministerpräsident Roland Koch muss den 50. Hessentag in Stadtallendorf unter Protest eröffnen. Vereinzelt fliegen sogar Gummibärchen in Richtung Bühne. Von Thomas Witzel

Der scheidende Ministerpräsident erlebt den Hessentag zum letzten Mal als Landesvater. Im Bild: Das Hessentagspaar und Roland Koch.
Der scheidende Ministerpräsident erlebt den Hessentag zum letzten Mal als Landesvater. Im Bild: Das Hessentagspaar und Roland Koch.
Foto: ddp

Der Termin hätte nicht besser gewählt sein können. Roland Kochs Abschiedsreise aus der Politik, ob nun Triumph- oder Trauerzug, beginnt standesgemäß. Die Eröffnung des 50. Hessentages im mittelhessischen Stadtallendorf ist ein Heimspiel für den nicht unbedingt als volksnah geltenden Landesvater.

Und: So viel Jubel war noch selten beim Auftakt des Landesfestes. Jubel, auf den die Stadtallendorfer sicherlich gerne verzichtet hätten: Studenten aus dem nahen Marburg nutzten die Gunst der nachmittäglichen Stunde, um gegen Kochs Bildungs- und Sparpolitik zu demonstrieren. "Koch wegjubeln" steht auf dem Flyer, den sie dem indigniert blickenden Stadtallendorfer Publikum im Weindorf verteilen.

Der Landesvater bleibt staatsmännisch - und begrüßt auch seine jugendlichen Widersacher mit "Liebe Marburger Juso-Gäste", um dann darauf hinzuweisen, dass es demokratische Gepflogenheit sei, alle zu Wort kommen zu lassen. Das kommt gut an.

Das Restpublikum kann damit erst mal nichts anfangen und applaudiert allenfalls höflich. Stadtallendorfs Bürgermeister Manfred Vollmer verliert angesichts der Pfeifen und Tröten ein bißchen die Contenance. Als er die vielen freiwilligen Helfer seiner Stadt lobt, die tagelang gearbeitet haben, kann er sich einen Seitenhieb auf die protestierenden Studenten nicht verkneifen. "Sie haben nicht mitgearbeitet".

Jetzt klatschen die Rest-Allendorfer enthusiastisch und aus vollem Herzen. Schließlich ist der Hessentag dann doch irgendwann eröffnet. Und alles geht seinen ritualisierten Lauf. Es ist immerhin das 50. Hessenfest in einer langen Reihe. Sehen und manchmal auch gesehen werden.

Am Würstchenstand stärkt sich Hessens Noch-Umweltministerin Silke Lautenschläger. Ihre neue Bob-Frisur weht im leichten Wind. Sie sieht nicht unzufrieden aus, wenngleich sie ihr Schicksal mit dem Kochs verknüpft hat. Sie wird das Kabinett verlassen und nicht mehr zur Verfügung stehen. Weniger Gelassenheit bei den Polizisten, die in diesem Jahr in Mannschaftsstärke das neue Fortbewegungsmittel auf zwei Rädern namens Segway testen und vorführen müssen. Sie wirken doch recht verspannt.

"Here comes my baby" tönt ein Uralt-Tremeloes-Hit aus dem Trachtenland-Zelt. Drinnen wartet Landbevölkerung im Freizeit-Look auf den ersten Programm-Punkt. Der heißt "Gesang- Mundart-Musik-Volkstanz. Nichts für die Studenten, die am Bahnhof schon wieder auf ihren Zug nach Hause warten.

Autor:  Thomas Witzel
Datum:  28 | 5 | 2010
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