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Hintergrund: Asse - vom Salzabbau zum Lager

Der Salzbergbau auf dem Asse-Heeseberg-Höhenzug nördlich des Harzes hat eine lange Tradition die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurückreicht. Von Joachim Wille


Foto: FR/Galanty

Die Asse ist ein altes Bergwerk in der Nähe von Wolfenbüttel in Niedersachsen, in dem von 1899 bis 1964 Kali-Dünger und feines Steinsalz abgebaut wurden - auf 13 Sohlen in 490 bis 750 Metern Tiefe. 1965 kaufte der Bund die Anlage für 600.000 D-Mark, um dort Atommüll "versuchsweise" einzulagern, der im staatseigenen Kernforschungszentrum Karlsruhe (KFZ) angefallen war. 1967 begann die Einlagerung.

Gestoppt wurde die Einlagerung 1978 durch den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU). Er hatte die - berechtigte - Sorge, dass aus dem "Versuchslager" unter der Hand ein Endlager geworden war.

Rund 126.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktivem Atommüll lagern in der Asse. Ein Großteil stammt aus den 13 Atomkraftwerken, die in dieser Zeit am Netz waren - teils über den Umweg des Karlsruher Zentrums, in dem abgebrannte Brennstoffe wiederaufgearbeitet wurden und strahlende Reststoffe anfielen.

Die Fässer wurden nur anfangs ordentlich, also theoretisch rückholbar, in den Salzkammern aufgestapelt. Später kippte man die Fässer einfach ab und schüttete Salz darüber - fertig. Sie sind teils zerbeult und rosten vor sich hin.

Was genau in der Asse liegt, weiß niemand: Es gab keine Deklarationspflicht für die strahlenden Isotope. In gut 700 Metern Tiefe lagern 125.000 Fässer mit niedrig strahlendem, bei minus 500 Metern 1300 Fässer mit mittelradioaktivem Müll. Sie enthalten radiologischen Berechnungen zufolge rund 28 Kilogramm hochgiftiges, stark strahlendes Plutonium und mehr als 100 Tonnen Uran.

Seit 1988 tritt Wasser aus dem Deckgebirge ein, pro Tag rund zwölf Kubikmeter. Es wird aufgefangen, gesammelt und über Tage gebracht. Aber die Standfestigkeit des Bergwerks ist gefährdet. Der Ex-Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München, füllte die Kavernen mit Salzgrus auf, Abraum aus anderen Bergwerken. Vergeblich: Standsicher ist Asse wohl allenfalls bis 2020.

Drei Optionen der Sanierung standen zuletzt zur Diskussion, nachdem das Helmholtz-Zentrum alleine die vergleichsweise billige Flutung mit gesättigter Magnesiumchlorid-Lösung vorgesehen hatte - was Protest in der Bevölkerung auslöste: Dabei wird in Kauf genommen, dass der Müll ins Deckgebirge gedrückt wird und Radioaktivität irgendwann ins Grundwasser gelangen könnte.

Bei der Rückholung der Abfälle (bis zu 220.000 Kubikmeter) besteht jedoch ein hohes Strahlenrisiko für die Arbeiter. Ein Zwischenlager muss eingerichtet, der Müll neu verpackt werden. Auch bleiben pro Fass nur wenige Minuten Zeit für die Bergung, wenn sie bis 2020 abgeschlossen sein soll.

Die dritte Option ist, die Gebinde innerhalb der Asse umzulagern in trockene Zonen, die es mehrere hundert Meter unter den jetzt genutzten Sohlen geben könnte. Dazu müssten Explorationen mit neuen Schächten stattfinden, was wohl zwei Jahre dauern könnte. Die leeren Kammern müssten schnell wieder verfüllt werden.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  21 | 10 | 2009
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