US-Präsident George W. Bush kreiste nach dem verheerenden Wirbelsturm Katrina vor drei Jahren mit dem Hubschrauber hilflos über den Fluten; der Rapper Kanye West befand damals, "Bush sind Schwarze egal". Das soll den Republikanern, angesichts des Wahlkampfs um die Präsidentschaft, nicht noch einmal passieren. Kurz vor ihrem Parteitag arbeiteten sie deshalb fieberhaft an Programmänderungen.
Am heutigen Montag wollen die Republikaner in St. Paul im Bundesstaat Minnesota ihren Konvent eröffnen. Geplant waren für diesen Tag Auftritte von Präsident George W. Bush und Vizepräsident Dick Cheney. Am Donnerstag soll John McCain in St. Paul zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden. Angesichts der drohenden Sturmkatastrophe wurde am Wochenende überlegt, dem Eröffnungstag den Charakter einer Spendenveranstaltung zu geben. McCain hatte zuvor in einem Interview angedeutet, die Convention womöglich sogar zu verschieben. Es wäre "unsensibel, den Parteitag abzuhalten, wenn Menschen an der Golfküste leiden", hatte er gesagt. Am Wochenende hieß es, er wolle sich noch am Sonntag zusammen mit seiner Stellvertreterkandidatin Sarah Palin im Bundesstaat Mississippi über die Sturmvorbereitungen informieren. Die gefährdeten Menschen in der Region seien in seinen Gebeten.
Animation mit Daten zum Parteitag, Terminen bis zur Vereidigung des Präsidenten im Januar 2009, Biografie McCain, Palin, Obama und Biden sowie Umfrageergebnisse für Obama und McCain.
Interaktive Grafik: Konvent der Republikaner
Auch der demokratische Spitzenkandidat Barack Obama erwog einen Besuch in den gefährdeten Gebieten, sorgte sich aber in einem Interview zugleich darüber, dass eine Visite die Hurrikan-Vorbereitungen stören könnte.
Eine Sprecherin des Weißen Hauses erklärte, man beobachte die "ernsthafte und bedrohliche Lage". Die Gouverneure von Lousiana, Texas und Mississippi sagten ihre Teilnahme bereits ab. George W. Bush wird voraussichtlich nicht am Parteitag teilnehmen. Aufgrund des Hurrikans werde Bush wahrscheinlich nicht zu dem Treffen seiner Partei reisen, sagte seine Sprecherin. Er könnte anstatt eines direkten Auftritts per Video zu den etwa 2400 Delegierten sprechen.
Stürzt "Gustav" die Republikaner in arge Turbulenzen, so sorgt Sarah derzeit für Hochgefühle. Gemeint ist Sarah Palin, Gouverneurin von Alaska, die McCain am Freitag in einem Überraschungscoup zu seiner Vizepräsidentin kürte, sollte er die Wahl gewinnen. Wie das Wahlkampflager von McCain mitteilte, konnte der Senator aus Arizona allein seit der Nominierung Palins sieben Millionen Dollar Spenden einnehmen. Bei einem Wahlkampfauftritt am Samstag wurde die 44-jährige Politikerin umjubelt. McCains Rivale Obama gratulierte Palin in einem Telefonat, aber zugleich starteten die Demokraten einen kritischen Fernseh-Werbespot.
Das hat es seit längerem nicht mehr gegeben: Nicht Obama beherrscht nun schon seit Tagen die Wahlkampf-Schlagzeilen der Medien, sondern McCain und Palin. Doch ob der Schwung anhält, ist offen. So sorgen sich auch republikanische Strategen, dass sich Palins Unerfahrenheit auf der nationalen Bühne als Nachteil weitaus stärker auswirken könnte als alle Vorteile zusammen. "Ich fasse mir an den Kopf, wie konnte er dies tun", zitierten US-Medien am Samstag aus der E-Mail eines Wahlkampfberaters, der anonym bleiben wollte. ost/dpa