Am Montagmorgen klingt Ünal Kaymakçis Stimme erschöpft. Die vergangenen zwei Wochen waren sehr anstrengend, musste er immer wieder zu den Vorwürfen gegen den Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde, dessen Generalsekretär er ist, Stellung beziehen.
Diese Zeit ist an ihm nicht spurlos vorübergegangen. Er hat mehrere Kilo abgenommen. Anfangs war er, Jurist von Beruf, eloquent und ein Mann von Format, offensiv und argumentierte gegen die Vorwürfe damit, dass der TV-Beitrag, der die Gesinnung des Geistlichen als fragwürdig darstellte, unsauber recherchiert sei. Später, als Predigten des Imam etwa mit Bezug zum iranischen Revolutionsführer Khomeini auftauchten, da zeigte sich auch Kaymakçi fassungslos.
Am vergangenen Wochenende scheint Tacheles geredet worden zu sein, der Imam trat zurück. Was Kaymakçi und die Moscheegemeinde dazu zu sagen haben, wird die Öffentlichkeit am Dienstagnachmittag erfahren. "Dass sich der Imam schon am Sonntag öffentlich äußerte, hat mich überrascht", sagte Kaymakçi gestern auf FR-Anfrage.
Welches Spiel gespielt wird? Die Strukturen der schiitischen Gemeinden sind subtil und für Außenstehende kaum nachvollziehbar. Kaymakçis Freunde vermuten, dass er unter Druck und zwischen zwei Stühlen steht und hoffen, dass sie sich in ihm nicht geirrt haben. (top)

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