Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) haben die Sieger eines Architekten-Wettbewerbs vorgestellt: Das Frankfurter Büro Dietz-Joppien soll dem heftig umstrittenen Kohlekraftwerk eine Fassade verleihen, die sich in das Ortsbild auf der Ingelheimer Rheinaue einfügt.
"Wir werden unsere Gegner nicht besänftigen", sagt KMW-Vorstand Ralf Schodlok. Für die habe das Unternehmen den Wettbewerb auch nicht ausgeschrieben. Es gebe eine schweigende Mehrheit, die das Kohlekraftwerk nicht unbedingt möge, aber einsehe, dass es notwendig sei. "Denen wollten wir mit dem Gestaltungs-Wettbewerb entgegen kommen." Die Genehmigungsbehörde SGD Süd hat das Aufhübschen der Fassade zur Auflage gemacht, als sie im Januar den Vorbescheid für den Bau erteilte. Denn eigentlich müssten sich die Gebäude laut Baurecht in die Umgebung einpassen. Das Kühlhaus wird rund 110 Meter hoch, 25 Meter höher als der Dom.
Das Kohleheizkraftwerk soll 2013/14 in Betrieb gehen und mehr als 820 Megawatt Leistung bieten.
Nach Angaben der Kraftwerksgegner sollen die Stadtwerke Mainz und Wiesbaden (Eswe) jeweils 120 bis 150 Megawatt Kohlestrom abnehmen.
Ohne offiziellen Spatenstich haben die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) Mitte Mai mit dem Bau des 1,2 Milliarden Euro teuren Kraftwerks auf der Ingelheimer Aue begonnen.
Gegner des geplanten Kohlekraftwerks haben eine Studie vorgelegt, wonach der Bau wirtschaftlich nicht sinnvoll sein soll.
Alles zum Bau des Kohlekraftwerks auf der Ingelheimer Aue in einem FR-Spezial
Wuchtige Gebäude optisch verkleinern
"Es war für uns eine gewaltige Aufgabe, diese wuchtigen Gebäude visuell zu minimieren", sagt Architekt Albert Dietz. Sein Büro habe sich für ein Modell entschieden, bei dem die Anlage ihre Umgebung widerspiegeln soll. Wer das Kraftwerk vom Rhein her wahrnehme, solle es in den Farben blau und grün erleben. Wer es vom Zollhafen sieht, soll es in orangenen Tönen wahrnehmen.
Dieser Effekt lasse sich erzielen, indem verschiedene Materialien in den Beton eingebaut würden, etwa Glas oder Eisenglimmer. So werde das Projekt weniger dominierend. Andere Büros, berichtet KMW-Vorstand Schodlok, hätten auf bunte Farben gesetzt. Ein Architekt habe den 150 Meter hohen Schornstein komplett in orangener Farbe bemalen wollen. 16 Büros haben Vorschläge eingereicht. Insgesamt verteilte die KMW 70 000 Euro Prämien. An den Gewinner gingen davon 17 500 Euro. Der Gewinner-Vorschlag werde als Idee genommen, meint Schodlok. Das heißt nicht, dass er eins zu eins umgesetzt werden müsse. Das Unternehmen habe sich auch die Rechte weiterer Preisträger gesichert, um deren Ansätze mit in den tatsächlichen Bau einfließen lassen zu können.
Eine Jury mit sieben Mitgliedern habe acht Stunden beraten. Trotzdem sei die Entscheidung für den Frankfurter Vorschlag am Ende einstimmig gefallen. "Den Anspruch, den visuellen Effekt zu minimieren, hat es am besten umgesetzt", sagt Schodlok. Die Bürgerinitiative Kohlefreies Mainz kritisiert den Wettbewerb: "Würde das Kohlekraftwerk gebaut, wäre es schon bei seiner Inbetriebnahme ein Schandfleck für die Region", sagt der Zweite Vorsitzende, Christoph Wirges. Da helfe auch Tünchen nichts. Die KMW zeigt ab Donnerstag, 4. Juni, alle Modelle. Werktags können sie von 14 bis 18 Uhr in der Mainzer Emmeranstraße 29 eingesehen werden. Am Mittwoch, 3. Juni, gibt es ab 19 Uhr eine Podiumsdiskussion. Der Ort steht noch nicht fest.

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