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Interview mit Angela Merkel: "Sparkurs wäre teurer für Deutschland"

Und zwar?

Wenn die FDP als Regierungspartei nicht mehr gleichzeitig Schulden abbauen, die Steuern senken und mehr Geld für Bildung und Forschung ausgeben kann.

Ist der Erfolg der FDP aber nicht auch ein Ergebnis der "Sozialdemokratisierung" der CDU?

Wieder so ein Schlagwort, mit dem ich nichts anfangen kann. Das soziale Element kennzeichnet seit Jahrzehnten auch CDU und CSU, eine unserer Wurzeln ist neben der konservativen und der liberalen die christlich-soziale. Viele Meilensteine der Sozialgesetzgebung wurden unter CDU-Kanzlern beschlossen. Die Parteienlandschaft hat sich seit 1990 verändert, und nur die können Volkspartei bleiben, die auf der Grundlage ihrer Werte und Wurzeln auf gesellschaftliche Entwicklungen eingehen können. Bei Franz Josef Strauß hieß das, dass die Konservativen an der Spitze des Fortschritts marschieren müssen. Natürlich muss jede Partei ihren Kern innerer Überzeugungen wahren, bei uns ist es das "C" im Namen mit allem, was daraus folgt, aber zugleich muss sie offen bleiben. Beides ist untrennbar miteinander verbunden. So wie zum Beispiel die Grünen uns inzwischen Wähler aus der Mittelschicht streitig gemacht haben, so kann es auch geschehen, dass sich die CDU in Sphären begibt, wo sie bisher nicht so gesehen wurde. Das macht den Reiz von Politik im 21. Jahrhundert aus.

Wo zum Beispiel?

In manchen Teilen der Kulturszene etwa. Also, in der Oper falle ich nicht weiter auf, aber in bestimmten Theatern bekam ich schon zu hören, "was, Sie von der CDU hier?" Und ich sage: "Ja."

"Einen größten Fehler gibt es nicht"

Fragen nach Ihrem größten Erfolg oder Ihrer bittersten Niederlage weichen Sie beharrlich aus. Was war denn in den vergangenen Jahren Ihr schwerster Fehler?

Es stimmt, ich tue mich schwer mit solchen Fragen nach dem Absoluten, weil ich keinen hundertprozentigen Fehler sehe, sondern nur Dinge, wo ich gerne noch weiter gekommen wäre. Wir haben noch viele Aufgaben etwa in der Bildungs- und Integrationspolitik, beim Arbeitsmarkt. Auch bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind wir noch nicht am Ziel, aber einen größten Fehler gibt es nicht.

Wie verbringen Sie den Wahlsonntag?

Abends im Konrad-Adenauer-Haus, und zwischendurch gehe ich natürlich wählen (lacht). Davor ausgiebig frühstücken und vielleicht auch eine Stunde den Kopf in die frische Luft halten.

Interview: Joachim Frank, Jörg Biallas, Lutz Feierabend

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Datum:  23 | 9 | 2009
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Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

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