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Interview mit Architekt Angerer: "Bad Vilbel, eine Art Nidda-Florenz"

Der Architekt Fred Angerer spricht im FR-Interview über seine Pläne für die Mediathek und und den Vorwurf eines "Monsterbaus".

Der Architekt Fred Angerer.
Der Architekt Fred Angerer.
Foto: Privat

Herr Angerer, Sie sind seit mehr als 50 Jahren Architekt. Wie häufig wurden Entwürfe von Ihnen als "Monsterbau" bezeichnet? Noch nie! Es gibt auch keinen Monsterbau von mir. Wer hat das denn gesagt?

Die SPD - und bis vor kurzem auch die FDP - hat Ihren Mediatheksentwurf so bezeichnet. Das ist doch Quatsch. Entschuldigung, aber wenn man da von Monster redet, da bleibt mir die Sprache weg (lacht).

Zur Person

Fred Angerer (83) war von 1961 bis 1993 Professor für Städtebau an der TH München. Bereits 1950 eröffnete der Architekt ein eigenes Büro in der bayerischen Landeshauptstadt, das er vor einigen Jahren an seine Mitarbeiter Bernhard Demmel und Gerald Hadler übergab.

Für die Humanistische Stiftung hat Angerer die Pläne für die Neue Mitte entworfen. ben

Braucht Bad Vilbel denn eine Mediathek? Das weiß ich nicht. Es gibt ja die Bibliothek, aber die ist viel zu klein. Vielleicht erzähle ich Ihnen kurz, wie es überhaupt dazu kam. dass ich einen Entwurf für die Neue Mitte gemacht habe.

Gerne. Ich wurde gefragt von einem Interessenten, Herr Hansgeorg Jehner, was man mit der Mitte von Bad Vilbel machen könnte. Ich habe mir das mit ihm angesehen und festgestellt, dass das die einzige noch greifbare und attraktive Situation ist, nämlich ein Parkplatz direkt an der Nidda. Diese Situation am Fluß muss man aufwerten, insbesondere im Zusammenspiel mit dem gegenüberliegenden Kurpark. Momentan gibt es dort nur einen ganz schmalen Steg, so dass ich der Meinung war, dass es vernünftiger wäre, dort eine großzügigere Verbindung herzustellen. Nicht zuletzt weil auf der anderen Niddaseite ja ein Parkhaus vorgesehen ist. Während ich darüber nachdachte, kam mir die Idee, dass Bad Vilbel eine Art Nidda-Florenz werden könnte. Wir könnten doch eine Brücke bauen, die nicht nur ein Steg ist, sondern die vielleicht attraktiver wäre, noch dazu, weil der Fluss im Moment eine ziemliche traurige Erscheinung ist, nämlich eine Hochwasserrinne.

Wie sollte diese Brücke denn aussehen? Gedacht haben wir zunächst an eine Brücke samt erdgeschossigem Übergang mit einem Restaurant, ein paar Läden und was da sonst noch möglich wäre. Plötzlich tauchte die Idee auf, dass die Stadt einen neuen Standort für die Bibliothek braucht, wenn das Hallenbad umgebaut wird. Wenn die Bibliothek jetzt zu klein ist, wäre es vernünftig, da etwas neu zu machen. Das wäre die große Chance, dass man keinen eingeschossigen, sondern wie in Florenz einen zweigeschossigen Steg macht. Ich habe dann festgestellt, dass das seit Jahren fertiggestellte Programm für die Mediathek genau für das Obergschoss passen würde, mit einem Zugang aus dem Erdgeschoss. Dann stellt sich raus: Das geht eigentlich alles sehr gut, bloß, es wird sicher etwas voluminös. Man könnte es noch etwas kürzen. Das Ergebnis war der Plan der jetzt vorliegt.

Was würde das kosten? Ich will Ihnen keine Zahlen nennen, die nicht stimmen. Wenn ich eine Mediathek bauen kann und dafür kein Grundstück kaufen muss, bedeutet das eine Aufwertung der gesamten Situation. Mit der Neuen Mitte stellte sich nun die Erschließungsfrage. Denn wenn die Abfuhr der Erdmassen, der Baustellenverkehr alles durch die schmale Frankfurter Straße läuft, bedeutet das auf Jahre eine sehr starke Beeinträchtigung für die Leute. Dann haben wir gesagt, es wäre das Vernünftigste, den Steg gleich so breit zu machen, dass man drüberfahren kann. Als erstes würde nun der Sockel dieser Konstruktion gebaut, so dass die Laster das ausgehobene Erdreich so direkt auf die andere Niddaseite kommen und nicht durch die ganze Stadt fahren.

In Bad Vilbel ist die regierende CDU die einzige Partei, die ihren Entwurf befürwortet. Ich habe mit keiner Partei gesprochen, auch nicht mit der CDU. Unser einziger Partner war Herr Jehner, der mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, so etwas zu machen.

Die Opposition wehrt sich gegen den Vorwurf, weil sie sagt, der Bau ist zu überdimensioniert. Entschuldigung, ich kann die Bibliothek nicht auf mehr als anderthalb Geschosse verteilen, wenn ich das Restaurant auf der Zugangsebene will. Wenn man das Volumen und damit die Breite verringert, ist das überhaupt kein Problem, nur die Länge, die bleibt. Allerdings deckt sich unser Entwurf mit den konkreten Forderungen, die von der Stadt an uns herangetragen wurden.

Sie kennen ja die Gegebenheiten vor Ort und wissen, dass die Nidda nicht gerade ein breiter Fluss ist. Finden Sie nicht auch, dass ein 26 Meter breites Bauwerk ein bisschen wuchtig wirkt? Es ist wuchtig, das ist der Grund, warum wir wollten, dass es so luftig wie möglich und ein gläserner Kubus wird. Aber wenn das Programm geringer wird, ist das überhaupt kein Problem für uns, dass wir das nochmal abspecken.

Bei einer kleineren Mediathek würde wieder die Frage nach einem anderen Standort auftauchen. Haben Sie Alternativen in der Umgebung geprüft? Nein. Es hieß, wenn man die Mediathek baut, dann wäre sie an dieser Stelle eine Bereicherung.

Ein Argument der Gegner ist, dass an dieser Stelle die Blickachse zum Kurhaus unterbrochen würde. Das stimmt gar nicht. Wir haben extra eine Perspektive gemacht, so dass man von dem öffentlichen Platz direkt einen Durchblick auf das Kurhaus hat.

Die Mediathek soll eine Höhe von zehn Metern bekommen; wird sie damit nicht zum dominierenden Gebäude in diesem Bereich? Nein. Die neuen Gebäude auf der städtischen Seite sind ganz deutlich höher.

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Datum:  18 | 9 | 2009
Seiten:  1 2
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