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Interview mit Donald Trump: Der letzte Tycoon

Lebemann Donald Trump jongliert mit Immobilien und Millionen. Im FR-Interview spricht er über Finanzkrise und Staat, Schuldige und Hoffnungsträger.

Die Menschen sehnen sich nach Luxus. Donald Trump.
"Die Menschen sehnen sich nach Luxus." Donald Trump.
Foto: Getty

Mr. Trump, in der aktuellen Krise rufen alle nach dem Staat. Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund das Krisenmanagement von US-Präsident Barack Obama?

Es muss etwas passieren. Und Obama versucht, etwas zu tun. Viel mehr lässt sich dazu derzeit nicht sagen. Er muss gute Arbeit leisten, denn wir stecken zurzeit in einem großen Schlamassel. Ich beneide Obama nicht um seinen Job und die Probleme, die er zu lösen hat. Aber die Menschen sind zunächst einmal froh darüber, dass sie einen Neuen an der Spitze des Staates haben. Jemand, der nicht nur die Fähigkeit hat, das Ruder herumzureißen, sondern der auch den Drang und den Willen, etwas verändern zu wollen, erkennen lässt.

Hätte es Sie gereizt, selbst in die Politik zu gehen?

Für einen kurzen Moment war ich mal davon fasziniert, ja. Aber ehrlich gesagt bin ich zu geradeheraus, zu polternd, für die Politik.

Das Ausmaß der gegenwärtigen Krise müsste selbst einen leidenschaftlichen Gigantomanen wie Sie erschrecken.

Es stimmt, wir haben das ganze Ausmaß dieser Krise noch nicht erfasst. Und es lässt sich nicht bestreiten, dass die USA das Epizentrum dieser Krise sind, die sich mittlerweile um den ganzen Globus ausgebreitet hat. Die Verantwortung dafür kann man bis zu einem gewissen Grad der Bush-Regierung anlasten. Eine Ära, die leider acht lange Jahre gedauert hat. Das allein erklärt das Ausmaß der gegenwärtigen Krise allerdings nicht. Auf dem Kapitalmarkt hatte sich seit langem eine Maßlosigkeit ausgebreitet. Jetzt müssen wir alle die Konsequenzen dieses unverantwortlichen Verhaltens einiger Manager tragen. Aber einige Schurken haben wir ja bereits ausgemacht.

In Ihren Büchern beschreiben Sie sich gerne als Stehaufmännchen, als jemanden, der Krisen als Chancen nutzt. Das klingt schmissig und prägnant. Was nutzen solche Sprüche einem Unternehmer, der gerade in die Insolvenz gerasselt ist?

Krise als Chance - ich selbst habe an dieses Credo immer geglaubt und tue das noch heute. Sehen Sie, es gibt immer Möglichkeiten, auch wenn die Märkte danieder liegen und die Wirtschaftsdaten schlecht sind. Man muss vor allem die Angst bekämpfen. Und ich weiß, dass Krisen in Zyklen kommen - und auch wieder gehen. Ich bleibe sachlich und pragmatisch.

Das ist nicht so leicht angesichts ständig neuer Schreckensmeldungen aus dem Reich der Finanzwelt, oder?

Das behauptet ja auch keiner. Ich beobachte die nationale und die internationale Wirtschaft sehr wachsam und ich weiß, dass wir uns zunächst einmal auf weitere Probleme einstellen müssen. Trotzdem sollte man sich jetzt nicht die Frage stellen, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Die Hälfte von irgendwas ist immer noch besser als gar nichts.

In Ihrem Buch "How To Get Rich" ermutigen Sie Leser dazu, Ihnen einen Dankesbrief zu schreiben, sollten sie ihre erste Million verdient haben. Haben Sie je Post von glücklichen Lesern bekommen?

Ein paar Briefe, ja. Von Leuten, die es tatsächlich geschafft und mehr als eine Million verdient haben. Einige davon haben mir sogar schon mehrere Briefe geschrieben. Das weiß ich zu schätzen.

Ihre Bücher sind allesamt Lobeshymnen auf den American Dream, den Sie immer wieder als Fundament Ihres Erfolgs preisen. Ist dieser Traum, dass jeder es schaffen kann, in lausigen Zeiten wie diesen noch zeitgemäß?

Ja. Krise hin, Krise her - Amerika bietet viele Möglichkeiten. Das war immer so und es wird immer so bleiben. Wahr ist auch, dass es noch nie leicht war, hier Erfolg zu haben. Die USA haben immer noch die Energie eines jungen Landes. Auf Erfolg getrimmt zu werden, das gehört hier zur Lebensart, zum way of life.

Ein anderes Trumpsches Credo heißt: Wer immer mich angreift, den schlage ich zurück. Sollten wir so miteinander umgehen?

Ja, denn wenn man nicht zurückschlägt, wird man selbst ein leichtes Ziel. Manche Gegner sind es aber gar nicht wert, dass man zurückschlägt, andere dagegen schon. Manchmal ist es für Geschäftspartner einfach gut zu wissen, woran sie mit mir sind, bevor sie sich mit mir einlassen.

Sie sind ja nicht nur Immobilien-Investor, sondern vor allem ein Medien-Phänomen, über das nicht nur in Wirtschaftsblättern, sondern auch in den Klatschspalten berichtet wird. Was macht einen Geschäftsmann zum Star?

Wissen Sie, ich bin schon lange berühmt und habe mich daran gewöhnt. In meinem Alltag macht sich das nicht groß bemerkbar. Obwohl mir meine TV-Sendung "The Apprentice" natürlich noch mal einen Popularitätsschub brachte.

In dieser Casting-Show lassen Sie mehrere Kandidaten vor laufender Kamera um einen Job buhlen. Die Verlierer haben Sie mit den Worten "you're fired" aus der Sendung gekickt. Der Spruch ist inzwischen in die Umgangssprache übergegangen - sind Sie stolz darauf?

Es ist sogar der drittberühmteste Slogan in der Geschichte des US-Fernsehens. Ich habe danach einen Stern auf dem "Walk of Fame" in Hollywood bekommen. Diese Art von Zuspruch hat mich schon überrascht. Aber wie gesagt: Mein Alltag hat sich seitdem kaum verändert. Ich leite ein Unternehmen und bin jeden Tag im Büro.

Ihre Kritiker fragen sich manchmal, was die Leute an Ihnen finden. Liegt es daran, dass Sie den Eindruck erwecken, dass Ihnen selbst Niederlagen wie Ihre Beinah-Insolvenz Anfang der 90er nichts anhaben können?

Das hat mir jedenfalls einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde für die größte finanzielle Kehrtwende der Geschichte eingebracht. Vielleicht liegt es ja einfach daran, dass ich Erfolgsmöglichkeiten selbst dort sehe, wo andere sie nicht sehen. Und ich weigere mich aufzugeben, egal wie schlimm die Umstände auch sein mögen. Das ist Teil meines Wesens - und es hat mir bisher gut gedient.

(Interview: Ella Bruns)

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Datum:  20 | 4 | 2009
Seiten:  1 2
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